Publiziert am: 22.05.2015

«Die eigene Pfortenkultur»

«PFORTE Arbeitsmarkt» – In Menziken AG arbeiten erstmals die IV-Stelle, die Sozialdienste von zehn Gemeinden und das RAV zusammen unter einem Dach.

Schweizerische Gewerbezeitung: Eros Barp, was haben Sie in den drei Jahren «Pforte Arbeitsmarkt» bisher für Erfahrungen gemacht?

n Eros Barp: Wir haben es geschafft, uns in der Region zu verankern und sind mittlerweile als Kompetenzzentrum für Arbeitsintegration etabliert und nicht mehr wegzudenken. Das Pilotprojekt hat uns allen viel abverlangt, weil es diese Art der Zusammenarbeit so noch nirgends gibt und wir viel Pionierarbeit leisten mussten.

Was bringt die Zusammenarbeit von IV, Sozialdiensten und RAV unter einem Dach konkret?

n Da wir alle an einem Standort zusammenarbeiten, können wir verhindern, dass die Klientinnen und Klienten von einer Institution zur anderen geschickt werden und bei der Reintegration wertvolle Zeit verloren geht. Sie haben nur einen Berater oder eine Beraterin. Auch die Arbeitgeber der Region haben nur einen Ansprechpartner bei der «Pforte Arbeitsmarkt». Dieser hilft, geeignetes Personal zu finden oder bei gesundheitlichen Problemen eines Mitarbeitenden die nötigen Schritte zu unternehmen, damit dieser im Unternehmen bleiben kann. Die «Pforte Arbeitsmarkt» ist für die Fälle aller drei Institutionen zuständig, deshalb haben wir einen grossen Anreiz, die Probleme nachhaltig zu lösen.

Was gestaltet sich schwierig?

n Zu Beginn hatten wir Probleme mit den verschiedenen IT-Systemen und dem Datenschutz. Mittlerweile konnten wir diese lösen. Im ersten Jahr war die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitenden der verschiedenen Institutionen nicht immer einfach, da drei unterschiedliche Kulturen aufeinandergeprallt sind. Nach viel Arbeit in diesem Bereich ist nun eine eigene «Pfortenkultur» entstanden. Trotzdem bleiben wir natürlich auch von unseren Mutterhäusern gesteuert.

Wie kommt die «Pforte Arbeitsmarkt» bei Arbeitgebern und Klienten und Klientinnen an?

n Von den Arbeitgebern erhalten wir fast durchwegs positive Rückmeldungen. Sie sind sehr zufrieden mit unseren Beratungen und Vermittlungen. Auch unsere Klientinnen und Klienten geben uns gute Noten.

Wird es in Zukunft im ganzen Kanton Aargau «Pforten» geben?

n Bevor dies gelingt, müssen noch grössere Hürden überwunden werden. Die Aargauer Gemeinden arbeiten heute sehr unterschiedlich im Bereich der Arbeitsmarktintegration. Die IV-Stelle arbeitet zentral in Aarau und müsste gewisse Mitarbeitende für die «Pforten Arbeitsmarkt» auf mehrere Standorte aufteilen. Die RAV sind bereits heute dezentral organisiert. Alles in allem bin ich aber davon überzeugt, dass wir mit unserem Vorzeigeprojekt auf dem richtigen Weg sind.

Kurz erklärt

Die «Pforte Arbeitsmarkt»

Seit April 2012 betreiben die IV-Stelle, das RAV und die Sozialdienste von zehn aargauischen Gemeinden in Menziken ein Kompetenzzentrum für Arbeitsmarktintegration. Kunden sind die Einwohner der zehn Pilotgemeinden und die Arbeitgeber in der Region. Die Trägerinstitutionen delegieren die benötigten Mitarbeitenden in die «Pforte Arbeitsmarkt», im Moment sind es 24. Ziel ist die rasche Wiedereingliederung der Klienten und Klientinnen in den ersten Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenversicherung, die Invalidenversicherung, die zehn beteiligten Gemeinden und der Kanton Aargau finanzieren das Pilotprojekt. Zunächst für drei Jahre bewilligt, wurde es jetzt bis 2019 verlängert. Ein Projektteam prüft momentan die flächendeckende Einführung von «Pforten Arbeitsmarkt» im ganzen Kanton Aargau.