Publiziert am: 20.02.2015

Tribüne

Die richtigen Mitarbeiter – aber woher?

Die Fachkräfte-Initiative ist tot, aber mehr denn je sollte sie wieder belebt werden. Warum?

D er Widerspruch zwischen den guten Zahlen, mit welchen die Schweiz international brilliert, und der unternehmerischen Wirklichkeit ist frappant. Das Bruttoinlandprodukt wächst, aber die Hälfte der Schweizer Bevölkerung spürt dies nicht im eigenen Geldbeutel. Die offizielle Arbeits­losigkeit ist gering, aber sie steigt seit drei Jahren. Aufträge gibt es viele, aber oft sind sie wenig rentabel und zunehmend macht sich der Druck bemerkbar: Woher nehmen wir die Facharbeiter nicht erst morgen, sondern schon morgen früh?

Die Schweiz leistet es sich, die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte einzuschränken und gleichzeitig viele der über 50-Jährigen auf die Strasse zu stellen. Weil ich das Projekt eines Schweizer Unternehmers in Israel begleitet habe, wo um jeden schlechten Schüler, der kaum den Klassenerhalt schaffte, mit grossem Zusatzaufwand gekämpft wurde, sehe ich für unser Land eine wesentliche Aufgabe darin, die jetzt arbeits­losen Facharbeiter, speziell die Älteren, so weiterzubilden, dass sie noch zehn Jahre und mehr erfolgreich sein können.

Bisher sieht es nicht so aus, als sei dies mit Erfolg der Fall. Der Anteil der über 50-jährigen Arbeitslosen ist seit zehn Jahren um sechs Prozent gestiegen. Wer älter als 50 ist, wird gemäss SECO nicht schneller entlassen, sondern ist länger arbeitslos. Der Anteil der Erwerbslosen mit höherer Ausbildung (Universität, ETH, FH, PH etc.) ist in vier Jahren von 21 Prozent auf 25 Prozent gestiegen. Das bedeutet steigende Kosten für die Wirtschaft, steigende Sozialkosten und steigende Gesundheitskosten. Wer schlecht oder nicht arbeitet, wird öfter krank.

Wenn wir die Massnahmen der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) zugunsten der Langzeitarbeitslosen betrachten, fällt auf, dass viele Fachkräfte, vom Produktionsdirektor bis zum Leiter Verkaufs-Innendienst, ein Jahr und mehr erfolglos auf Stellensuche sind. Die über 500 Millionen Franken, welche die RAV investieren, um Menschen zurück in den Arbeitsmarkt zu bringen, haben bei Fach- und Führungskadern sowie Personen über 40 in der Schweiz kaum Wirkung. Weil Sprachkurse die effizientesten Unterstützungsmassnahmen sind, profitieren vor allem Ausländer. Das ist nicht schlecht, aber bezeichnend für die Problematik der Schweizer, deren Kursprogramme nicht die gleiche Wirkung haben.

W ir stehen erst am Anfang einer bösen Entwicklung, die vor allem den KMU und dem Gewerbe schaden wird: Der Fachkräftebedarf in der Wirtschaft kennt nur eine Richtung – hin zum Mangel. In ganz Westeuropa, den EU-Staaten, werden solche Menschen fehlen; die Pensionierungswelle der Babyboomers hat in Deutschland bereits begonnen, die Schweiz folgt nun.

W as können wir tun? Nur mit hoch effizienten Programmen, die, wie ich es in Israel erlebt habe, jeden Einzelnen abholen aus seiner Situation und ihn besser machen für die heutigen Anforderungen, können aus dem eigenen Markt die besten Mitarbeiter entwickelt werden. Diese Aufgabe muss geleistet werden nicht im Sinne einer Verwaltungsaufgabe, sondern als unternehmerischer Ansatz. Wer die Arbeitslosen nur verwaltet, kostet den Steuerzahler Milliarden. Erst wer die Arbeitslosen befähigt, wird den KMU- und Gewerbebetrieben jene Mitarbeiter zur Verfügung stellen, die dringend gesucht werden.

Die Problematik muss uns bewusst werden: Die Arbeitslosenquote ist in der Schweiz gemäss ILO in Genf, der «International Labor Organization», mit 5,3 Prozent höher als in Deutschland mit 4,9 Prozent. Die uns benachbarten Bayern und Württemberger haben wesentlich weniger echte Arbeitslose als wir in der Schweiz.

E s ist an der Zeit, unsere Menschen in den Arbeitsmarkt zurück zu holen. Mit Tricks, wie dies vor allem im Wallis der Fall ist, wo man im Sommer arbeitet und im Winter auf Kosten der Steuerzahler schläft, geht dies nicht mehr. Die Ausländer werden uns nicht retten; es liegt an uns, dies mit den eigenen Leuten selber zu tun.

*Klaus J. Stöhlker ist Unterehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Die Tribüne-Autoren geben ihre eigene Meinung wieder; diese muss sich nicht mit jener des sgv decken.