Publiziert am: Freitag, 24. April 2015

Die richtigen Mitarbeiter finden

PERSONALBESCHAFFUNG – Die Auswirkungen von Fehlentscheidungen im Recruiting sind gravierend: Sie reichen von Produktivitätseinbussen bis hin zu Kundenverlusten.

Nichteinhalten von Abgabeterminen, fehlende Qualifikationen oder schlicht und einfach die falsche Person für eine bestimmte Stelle: 72 Prozent der Schweizer Unternehmen geben in einer aktuellen Studie von Robert Half an, bereits Mitarbeitende eingestellt zu haben, die die geforderten Ansprüche gar nicht erfüllen.

Die Hälfte der 100 befragten HR-Manager beklagt zudem vor allem die Tatsache, dass falsche Personalentscheide zu Produktivitätsverlusten führen. Für 27 Prozent sind die durch eine Fehleinstellung entstandene Unruhe und die negativen Auswirkungen auf die Arbeitsmoral im Team die grösste Sorge. Weitere 14 Prozent sehen das Hauptproblem in der Entstehung finanzieller Kosten. Nicht zuletzt führen die Befragten mehr als jeden sechsten Mitarbeiterwechsel auf Fehlentscheidungen im Recruiting zurück.

Warum kommt es 
zu Fehleinstellungen?

Neun von zehn Personalentscheidern sehen das Recruiting als grosse Herausforderung. Denn das Angebot an offenen Stellen ist in der Schweiz weitaus grösser als die Anzahl qualifizierter Fachkräfte. Mit dem Mangel an Fachkräften mit Spezialwissen oder für Nischenbereiche begründet daher auch rund die Hälfte der Befragten die Probleme bei der Personalsuche. Mehr als jeder Dritte stellt eine unzureichende Anzahl an qualifizierten Bewerbern fest. 15 Prozent beklagen ausserdem mangelnde kaufmännische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse von Bewerbern. «Vor dem Hintergrund der hohen Einstellungsabsichten in der Schweiz und den gewachsenen Anforderungen am Markt stehen Personalentscheider heute vor einer grossen Recruiting-Herausforderung. Hinzukommt, dass der Beitrag eines einzelnen Mitarbeitenden zum Erfolg eines Unternehmens häufig unterschätzt wird. Insbesondere dann, wenn dieser eine Schlüsselfunktion innehat, die nicht einfach zu ersetzen ist», meint Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & The Netherlands bei Robert Half, dazu.

Vermeidung nicht immer möglich

Fehlentscheidungen beim Recruiting lassen sich nicht immer vermeiden. Das Risiko, dass es zu Fehlbesetzungen komme, kann aber minimalisiert werden. Diese Aussage unterstützt Hennige: «Um das Risiko einer falschen und in Folge kostenintensiven Personalentscheidung zu minimieren, müssen Arbeitgeber ihre Recrui­ting-Prozesse regelmässig auf den Prüfstand stellen und an aktuelle Marktbedingungen anpassen. Die Fachabteilung muss dafür sehr eng mit der HR-Abteilung oder dem externen Personaldienstleister zusammenarbeiten und einen optimalen Recruiting-Prozess aufstellen: Vom passgenauen Anforderungsprofil der Stelle über die Suche im eigenen Netzwerk sowie aktiven und passiven Bewerbermarkt hin zu professionellen Bewerbungsgesprächen und nicht zuletzt einem erfolgreichen Onboarding-Prozess.»

Sieben Tipps für 
besseres Recruiting

Wer sich bei Personalentscheiden aber an die folgenden sieben, einfachen Regeln hält, trifft schon deutlich weniger falsche Entscheidungen.

Rekrutieren Sie im eigenen Netzwerk und nutzen Sie Empfehlungsprogramme: Holen Sie sich Feedback von Kollegen zum Anforderungsprofil der offenen Stelle ein oder greifen Sie auf die professionelle Unterstützung eines spezialisierten Personalvermittlers zurück.

Prüfen Sie genau, welche Fähigkeiten im Anforderungsprofil unabdingbar sind und welche entwickelt werden können (Muss- und Kann-Kriterien).

Erstellen Sie passgenaue und attraktive Stellenanzeigen. Fügen Sie interessante Details ein, wie Teamgrösse, Berichtslinie, Unternehmenswerte und Weiterbildungsangebote.

Suchen Sie, wo andere nicht suchen. Betreiben Sie Active Sourcing im passiven Bewerbermarkt. Viele festangestellte Kandidaten sind offen für interessante Stellenangebote. Führen Sie Mitarbeiterprogramme ein und prämieren Sie erfolgreiche Empfehlungen.

Online-Tools können sehr wertvoll sein. Setzen Sie aber nicht alles auf Social Media Recruiting. Der persönliche Handschlag zählt.

Sprechen Sie ein Angebot aus, sobald Sie einen Favoriten identifiziert haben. Sie riskieren sonst, Ihren Wunschkandidaten an die Konkurrenz zu verlieren.

Bieten Sie attraktive Gehälter.

So nicht!

Mitarbeiter suchen –
aber bitte richtig

Nicht im Alleingang rekrutieren

Nicht zu viel erwarten

Nicht auf Standard-Stellenanzeigen zurückgreifen

Nicht über Quellen suchen, die andere auch nutzen

Nicht zu lange warten

Keinen zu tiefen Lohn anbieten

Nicht zu viel versprechen