Publiziert am: Freitag, 20. Januar 2017

Die Schweiz braucht Innovationen

BILDUNG – Mit dem dualen Bildungssystem ist eine wichtige Voraussetzung für die Innovationskraft gegeben. Die ETH bietet KMU viele Fördermöglichkeiten. Trotzdem müssen «Innovationskiller» wie Fachkräftemangel oder Überregulierungen bekämpft werden.

Der Donnerstagnachmittag der 68. Gewerblichen Winterkonferenz stand unter dem Thema «Bildung und Innovation». Prof. Lino Guzzella, Präsident ETH Zürich, gab einen Einblick, wie KMU die innovativen 
Ideen der Spitzenuniversitäten nutzen können. «Die ETH ist kein Elfenbeinturm. Im Gegenteil – KMU sind bei uns jederzeit willkommen, wir arbeiten gerne mit ihnen zusammen und helfen ihnen weiter», betonte Guzzella. Die Schweiz sei ein kleines Land und lebe von intensiven Handelsbeziehungen mit dem Ausland. «Nur wenn wir Spitzenprodukte liefern, die niemand sonst produzieren kann, bleiben wir innovativ und wettbewerbsfähig», sagte Guzzella. Dafür bedürfe es aber hochqualifi-zierten Fachpersonals und einen hochkarätigen Bildungssystems. «Wir sind auf die Durchlässigkeit unseres dualen Berufsbildungssystems angewiesen. Dabei ist es wichtig, dass der universitäre Bildungsweg und die 
Berufsbildung differenziert werden, aber gut zusammenarbeiten», stellte Guzzella fest.

Die ETH veredelt das Weltwissen in der Schweiz und stellt es dann den KMU zur Verfügung. Ein Beispiel dafür ist die Erarbeitung einer neuen Internetstruktur mit mehr Transparenz und Sicherheit. Dabei arbeitet sie mit grossen und kleineren Fir-
men zusammen. Ebenso hat die ETH mit der Firma Hess einen Trolleybus mit tieferem Verbrauch bei höherer Autonomie kreiert, mit dem Tessiner Unternehmen Rapelli Salami ohne Resistenzgrenze erforscht oder mit der Firma Menzi Muck einen ferngesteuerten Schreibbagger für Gefahrenzonen gebaut. «Wir bieten zahlreiche Förder- und Vernetzungsmöglichkeiten für KMU, um ihre innovativen Ideen zu realisieren», betonte Guzzella. Dazu gehören beispielsweise die Industry Days, an welchen die neusten Forschungsergebnisse gezeigt werden, die Firma Inspire, mit welcher Projekte gemeinsam bearbeitet werden können, oder das Förderinstrument KTI, das für eine einfache Finanzierung sorgt.

Innovationen dank starker ­Bildung und wenig Regulierung

Hans Michael Kellner, CEO der Messer Schweiz AG in Lenzburg, widmete sich der Frage, welche Anforderungen die Wirtschaft im Zusammenhang mit Innovation an die Unternehmen stellt. Im «Innovation Management Ranking» steht die Schweiz 2016 auf Platz 2 hinter Hong Kong und vor den USA. Im «Global Competitiveness Index» belegt die Schweiz sogar im siebten Jahr in Folge Platz 1. Dies liege daran, dass die Wirtschaft sich auf High-Tech sowie kleinere und individuelle Kundenlö-sungen spezialisiert hat. «Hier haben sich die Schweizer KMU als zuverlässig, hochqualitativ und innovativ erwiesen», hielt Kellner fest. Gerade innovative Produkte seien im Ausland gefragt. Rund ein Drittel des BIP seien Exporte hochqualitativer Waren, die zum grössten Teil aus der Pharmabranche sowie der MEM-
Industrie stammten.

«Die Schweiz ist auf Innovationen und qualifizierte Mitarbeiter ange-wiesen», so Kellner. «Um weiterhin zur Spitze der wettbewerbsfähigsten und innovativsten Nationen zu gehören, sollten die Innovationsbereiche erweitert werden», stellte der engagierte Unternehmer fest. Dies setze aber voraus, dass aufkommende 
Risiken erkannt und entsprechend bekämpft würden. Als grösstes Risiko erachtet er Überregulierungen: «Die Regulierungswut muss unbedingt gestoppt werden. Sie lähmt Handwerk und Industrie und erwürgt jegliche Innovationskraft.» Dazu nannte er ein Beispiel aus dem eigenen Betrieb. «Bei uns waren die Kosten zur Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben für die Errichtung einer CO2-Rückgewinnungsanlage in unserem Werk im Aargau mit einer Million Franken weit höher als der Wert der Anlage selber. Wir mussten darauf verzichten, da dies so nicht mehr wirtschaftlich genug war», bedauerte Kellner.

«Die Regulierungswut erwürgt jegliche Innovationskraft.»

Ein weiterer möglicher «Innovationskiller» sei der Fachkräftemangel. Automatisierung und Digitalisierung, aber auch die Überalterung der Gesellschaft seien Faktoren, die zum Fachkräftemangel führen könnten. «Schaffen es die Unternehmen nicht, ihre Stellen zu besetzen, kann es zu einem Know-how-Verlust kommen», so Kellner. «Dies kann schliesslich sogar zu Verlegungen von Teilbereichen ins Ausland führen, wodurch die Produktionsleistung im Ausland sinkt», folgerte er. Ganz wichtig für eine erfolgreiche Innovation sei auch das Bildungsangebot. In einer Zeit, wo die Industrie einen starken Wandel erfahre, sei es unabdingbar, dass das Lehrangebot den neuen Anfor-derungen angepasst werde. «Besonders attraktiv für die Industrie ist das duale Bildungssystem. Die Kombination Theorie und Praxis führt zu hervorragend ausgebildeten Mitarbeitern», sagte Kellner. Ebenso sei es wichtig, immer «up to date» zu sein und Innovationstrends nicht zu verpassen. «Innovationen müssen den Bedürfnissen des Marktes entsprechen. Daher ist es wichtig, laufend den Markt zu beobachten und entsprechende Signale zu erkennen.»

Hans-Peter Baumgartner, Vorsitzender der Geschäftsleitung des SIU, stellte die neue technische Ausbildung in der Höheren Berufsbildung vor, welche auch das High-Voltage-Learning beinhaltet.

In der obersten «Wissensliga» mitspielen

Im anschliessenden Panelgespräch waren sich Nationalrat Matthias 
Aebischer (SP/BE), Nationalrätin 
Andrea Gmür (CVP/LU), Hans-Peter Baumgartner sowie Lino Guzzella und Hans Michael Kellner einig, dass unser einzigartiges duale Bildungssystem weiterhin gehegt und gepflegt werden müsse, damit die Schweiz innovativ bleibt. Dies bedinge auch, dass der akademische Bildungsweg sowie die Berufsbildung nicht gegen-einander ausgespielt werden dürfen. Dazu Guzzella: «Wir müssen in der obersten Liga mitspielen, um das Weltwissen in die Schweiz zu bringen.» Und Aebischer betonte, dass «Bildung nie abgeschlossen ist und Weiterbildung in den nächsten Jahren einen existenziellen Stellenwert hat». Dem pflichtete Kellner bei: 
«Wir lassen unsere Leute gerne die Berufsmautra machen. Wir profitieren als Betrieb viel davon.» CR

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