Publiziert am: Freitag, 25. April 2014

Direkter Weg in die Armut

nein zum mindestlohn – Ein vom Gewerbeverband in Auftrag gegebenes Gutachten bestätigt die Gefahren eines Mindestlohns vor allem für schulisch weniger begabte Jugendliche.

Die Mindestlohninitiative verbaut Jugendlichen den Berufseinstieg: Diese drastische Konsquenz zeigt ein vom Schweizerischen Gewerbeverband sgv in Auftrag gegebenes Gutachten des Basler Instituts für Wirtschaftsstudien auf. Wenn bereits 15- bis 24-Jährigen ein Stundenlohn von 
22 Franken pro Stunde ausbezahlt werden muss, steigt vor allem für schulisch weniger begabte Jugendliche der Anreiz, nach der obligatorischen Schule direkt und ohne berufliche Weiterbildung ins Erwerbsleben einzusteigen. Die langfristigen Erwerbsaussichten dieser Jugendlichen dürften dadurch beeinträchtigt werden, denn eine Arbeit ohne Ausbildung ist längerfristig der sichere Weg in die Armutsfalle.

Gefahr für die Jugendlichen

Die Erwerbsquote bei den 15- bis 64-Jährigen liegt in der Schweiz derzeit bei 83 Prozent. Auch die Jugendlichen, d.h. die 15- bis 24-Jährigen, kommen auf eine Erwerbsquote von hohen 67 Prozent – im OECD-Durchschnitt liegt die Quote bei 47 Prozent. Das bedeutet: Die Schweiz schafft es ausserordentlich gut, Jugendliche bereits sehr früh ins Arbeitsleben aufzunehmen. Diesen grossen Vorteil der Schweizer Wirtschaft bedroht die Mindestlohninitiative ganz direkt, denn das Risiko negativer Beschäftigungsfolgen trifft Jugendliche besonders stark.

«LIEBER VERDIENEN ALS LERNEN – EIN SICHERER WEG IN DIE aRMUT.»

In der Schweiz existieren rund 275 000 Stellen mit Löhnen unter 
22 Franken pro Stunde; 61 000 davon sind von Jugendlichen besetzt. Im Gastgewerbe und in der Hotellerie, im Unterhaltungsbereich, Handel, Instandhaltung und Reparatur von Motorfahrzeugen sowie bei der Erholung und Erbringung von sonstigen Dienstleistungen ist der Anteil der Jugendlichen, die einen Stundenlohn von weniger als 22 Franken verdienen, besonders hoch. Ein rekordhoher Mindestlohn, so das Gutachten, setzt Anreize für einen frühzeitigen Eintritt in den Arbeitsmarkt – verbunden mit der Gefahr, dass einige Jugendliche auf eine Berufsausbildung verzichten, um direkt einer besser bezahlten Arbeit nachzugehen. Personen mit tiefem Qualifikationsniveau aber sind langfristig dem Risiko von Erwerbsarmut und Arbeitslosigkeit ausgesetzt, was wiederum mit der Gefahr steigender Kosten für die Sozialwerke verbunden ist.

Bildung schützt vor Armut

Die Mindestlohninitiative schadet nicht nur tendenziell tiefer qualifizierten Jugendlichen, sondern auch der dualen Berufsbildung, weil die Motivation für eine Berufslehre und eine Weiterbildung grundsätzlich ausgehebelt wird. «Unserem dualen Berufsbildungssystem verdanken wir eine tiefe Arbeitslosigkeit», kommentiert sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler. «Denn Bildung und Weiterbildung schützen vor Armut, nicht ein staatlich diktierter Mindestlohn.» Sinke die Ausbildungsbereitschaft, so erhöhe sich bei niedrig- oder unqualifizierten Arbeitskräften die Arbeits­losigkeit. «Langfristig kann sich das verheerend auf die Arbeitsmarktfähigkeit breiter Bevölkerungsschichten auswirken.»

Das Gutachten aus Basel belegt den Zusammenhang zwischen Armutsbekämpfung und Bildung. Mindestlöhne können dabei Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit haben, die Junge aus dem Markt verdrängen (wie das die Studie im Falle von Frankreich zeigt) oder ältere Mitarbeiter aus dem Markt drängen (Beispiel Niederlande).

Sozialpolitischer Bumerang

Der geforderte Mindestlohn von 
22 Franken pro Stunde ist rund doppelt so hoch wie der höchste Mindestlohn in Europa. Die Initiative gibt vor, Armut zu bekämpfen. Laut Bundesamt für Statistik ist jedoch bloss eine kleine Minderheit der Tieflohnbezüger von Armut betroffen. Bei den meisten derartigen Löhnen handelt es sich um Zweit- oder Nebeneinkommen. Genau solche Stellen könnten bei einem Ja zur Initiative gestrichen werden. Die Initianten schaden damit jenen, die sie zu schützen vorgeben. Ein Grund mehr für ein dezidiertes NEIN am 18. Mai.