Publiziert am: Freitag, 15. Juni 2018

Disziplin aus dem Hosensack

BARGELD – Schweizer Haushalte sind flexibel: Sie bezahlen mit elektronischen Mitteln, Bargeld oder geld-
ähnlichen Instrumenten. Diese Verbindung verschiedener Zahlungsmittel zeugt von grosser Wirtschaftskompetenz.

Die Schweizer Bevölkerung verfügt über ein hohes Wissen im Umgang mit Geld. Verantwortlich dafür sind die solide Grund- und Berufsbildung, die Art der Entrichtung von Steuern sowie die regelmässigen Abstimmungen auf kantonaler und kommunaler Ebene zu Wirtschaftsfragen. Kurz gesagt: Die Eigen­verantwortung, die in der Schweiz gelebt wird, zeigt sich auch im Einsatz der Zahlungsmittel.

Schweizer haben die freie Wahl

Die Schweizerische Nationalbank SNB konnte dieser Tage nachzeichnen: «Die an den meisten Zahlungsorten gebotene freie Zahlungsmittelwahl ermöglicht es der Bevölkerung, jeweils aus individueller Perspektive optimale Zahlungsmittel zu wählen.» Was technokratisch klingt, 
hat enorme Bedeutung. Schweizer Haushalte kennen rückzahlbare Kreditkartenschulden – das Gegenbeispiel wären hier die USA. Und in der Schweiz wird noch Geld gespart – das Gegenbeispiel wäre hier die EU, wo mehr konsumiert als verdient wird.

Bargeld diszipliniert

Etwa 70 Prozent der in der Schweiz täglich geleisteten Zahlungen werden in bar abgewickelt. Am Wert gemessen sind es 45 Prozent. Schweizer Haushalte unterscheiden also intuitiv zwischen der Liquiditätsfunktion und der Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes. Mit der Unterscheidung minimieren sie die Kosten der Aufbewahrung und Übertragung. Dass sie aber so nahe bei Bargeld sind, zeigt, welch starken Bezug die Haushalte zum realen Wert der gekauften Sache haben – und auch: haben wollen.

Beträge über 50 Franken werden vorwiegend elektronisch bezahlt, um die 37 Prozent der Haushalte behalten circa 1000 Franken in bar in Griffnähe, und über 40 Prozent haben in den vergangenen zwei Jahren eine 1000er-Note eingesetzt. Jene Haushalte, die so handeln, wollen frei sein in der Verwendung des Geldes – oder, wie der alte Spruch es sagt: «Bargeld ist gedruckte Freiheit.»

Kein Bargeldverbot

Die Schweizerische Nationalbank gab auch ein Bekenntnis zum Bargeld ab – inklusive eines zur 1000er-Note. Sie weiss um die disziplinierende Wirkung des Bargeldes. Sie kennt die eher abschreckenden Beispiele aus Überkonsum in den USA und der EU. Deshalb will sie, allen Unkenrufen zum Trotz, am Baren festhalten.

Im Übrigen: Die meisten Vorschläge zur Abschaffung des Bargeldes geben nur vordergründig an, Geldwäscherei und dergleichen bekämpfen zu wollen. In Wahrheit geht es ihnen um die Konsumankurbelung. Aber: Wenn Haushalte nur konsumieren, verlieren sie ihre eigene Gelddisziplin. Damit sind sie nicht mehr in der Lage, die Fiskaldisziplin des Staates zu überwachen. Könnte es sein, dass dies gewollt wäre…?

Henrique Schneider, 
stv. Direktor sgv