Publiziert am: 23.11.2018

Ein enormes Potenzial

ASEAN – Ein Freihandelsabkommen mit Staaten des südostasiatischen Freihandels-blocks wäre für die Schweiz ebenso attraktiv wie für diese Staaten selber. Sie haben ein Interesse daran, ihre Handelsbeziehungen «China-verträglich» zu diversifizieren.

«Association of Southeast Asian Nations», kurz ASEAN, wird der Verband Südostasiatischer Nationen genannt. Die ASEAN-Freihandelszone, kurz AFTA (ASEAN Free Trade Area) genannt, ist ein Abkommen der ASEAN-Staaten, das der Erleichterung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in einer Freihandelszone dienen soll: der Freihandelsblock Südostasiens. Seit dem Jahr 2009 arbeitet der Block daran, zu einem Wirtschaftsraum zusammenzuwachsen. Es handelt sich um eine Gruppe von Ländern, die viele Chancen bieten – aber auch sehr unterschiedlich sind.

«DIE ASEAN-staaten sind eine der weltweit attraktivsten wachstumsregionen.»

ASEAN-Mitglieder sind: Brunei, Kambodscha, Indonesien, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam. Die ASEAN ist eine der weltweit attraktivsten Wachstumsregionen mit einem Entwicklungspotenzial, das seinesgleichen sucht: 600 Millionen Einwohner und ein Mittelstand, der Jahr für Jahr 50 bis 60 Millionen solvente Konsumenten mehr zählt.

Ziel: neues Freihandelsabkommen

Die Schweiz und die EFTA stehen in Südostasien derzeit mit den ASEAN-Ländern Indonesien, Malaysia, Thailand und Vietnam in Verhandlung über ein Freihandelsabkommen (FHA). Mit den Philippinen und Singapur unterhält die Schweiz bereits funktionierende FHA. In Singapur wirkt ein Swiss Business Hub, der speziell auf ASEAN ausgerichtet ist.

Keine Frage, allein angesichts der obengenannten beiden Kennzahlen über das Potenzial der Mitgliedstaaten dürfte sich ein FHA mit den fünf wichtigsten und wirtschaftlich potentesten ASEAN-Ländern bezahlt machen. Namentlich mit Blick auf den erleichterten Marktzugang (zum Beispiel dank Beseitigung technischer Handelshemmnisse), den optimierten Rechts- und Investitionsschutz (bessere Planungs- und Rechtssicherheit) und die vollständige oder teilweise Reduktion der Handelszölle.

Chancen für die Schweiz

Die Zahlen sprechen für sich: Etwa 80 Millionen Franken würden die Schweizer Unternehmen jährlich an Zollabgaben einsparen, wenn Freihandelsabkommen mit Indonesien, Malaysia und Vietnam abgeschlossen werden könnten. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass die Schweizer Exporte in die ASEAN-Region in den nächsten Jahren weiter stetig zunehmen werden – und im Gleichschritt damit auch das Zolleinsparpotenzial. Von FHA mit diesen drei ASEAN-Ländern am meisten profitieren würde der Export von Uhren (nach Vietnam), von landwirtschaftlichen Produkten (nach Indonesien und Malaysia), von Produkten der MEM-Industrie (nach Indonesien und Malaysia) und von chemisch-pharmazeutischen Erzeugnissen (nach Indonesien).

Chancen für ASEAN

Ein FHA mit der Schweiz respektive der EFTA wäre für die ASEAN-Länder das erste ausserhalb der asiatisch-pazifischen Region und deshalb für die Schweizer Exportindustrie umso wertvoller, als es ihr gegenüber der Konkurrenz aus der EU und den USA wesentliche Handelsvorteile zuspielen würde.

Auch politisch suchen verschiedene ASEAN-Staaten nach Möglichkeiten, aus dem Windschatten Chinas herauszutreten. Sie haben deshalb ein Interesse daran, ihre Handelsbeziehungen zu diversifizieren. Die Schweiz und der EFTA-Verbund sind auch wegen ihrer politischen Neu­tralität «China-verträglich».

Henrique Schneider, Stv. Direktor sgv

NEIN zur radikalen Zersiedelungsinitiative!
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Am 10. Februar 2019 stimmt der Souverän über die radikale Zersiedelungsinitiative ab. Eine Annahme würde zu einem Entwicklungsstopp in einzelnen Regionen führen. Insbesondere in den Zentren würden Bodenflächen rar. Die Folge: Immer mehr Personen und Unternehmen müssten auf Raum ausserhalb der Zentren ausweichen. Zudem würde die Initiative der jungen Grünen grosse Rechts- und Planungs­unsicherheit in Kantonen und Gemeinden schaffen und den Föderalismus gefährden.

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