Publiziert am: Freitag, 23. Februar 2018

Eine Branche meistert den Umbruch

VSRT – Der Multimediafachhandel steht seit Jahren unter Druck. Für den Verband Schweizerischer Radio-, TV- und Multimediafachgeschäfte VSRT bieten die grossen Herausforderungen aber auch unglaublich viele Chancen.

Im Multimediafachhandel blieb infolge der Digitalisierung und der damit verbundenen technischen Umwälzungen in den letzten Jahren kaum ein Stein auf dem anderen. Nicht nur die Geräte haben sich vollkommen verändert, die Digitalisierung hat auch das Verhalten der Kunden geprägt, die gerade im Bereich der Unterhaltungselektronik immer öfter im Internet bestellen. Die Margen sind in Anbetracht der tiefen Preise für Fernseher und Musikgeräte ins Bodenlose gestürzt. Der stationäre Handel lohnt sich immer weniger, selbst Giganten wie Media-Markt verlagern ihr Geschäft verstärkt ins Internet.

Ein gesättigter Markt

Kommt dazu, dass der Markt gesättigt ist. Sofern Kunden nicht dringend ein neues Gerät benötigen, können selbst absolute Preisknaller und 
Rabattversprechen sie kaum noch zu einem Kauf bewegen, wie GfK Switzerland in der Auswertung der Verkaufszahlen zum 1. Halbjahr 2017 festhält. In diesem verzeichnete der Schweizer Handel mit Unterhaltungselektronik, Fotokameras, IT und 
Office-Produkten ein Rekordtief.

«Wer die Features der modernen Unterhaltungselektronik voll nutzen will, 
dem hilft der Fachhandel.»

Kein Wunder, richtet die Branche ihr Augenmerk vermehrt auf das Business mit Geschäftskunden. Nach Einschätzung von GfK Switzerland scheint im Umfeld der Schweizer KMU und Konzerne sowohl bei Multimedia-Hardware wie auch bei -Software und Dienstleistungen ein attraktiver Investitionsbedarf vorhanden zu sein, denn im Zeitalter der Digitalisierung will die Infrastruktur à jour gehalten sein. Online- wie auch stationärer Handel haben das Potenzial längst erkannt und bearbeiten Firmen vermehrt mit gezielten Kommunikationsmassnahmen, attraktiven Angeboten und entsprechendem Service.

Die Probleme sind nicht neu

Natürlich beobachtet der Verband Schweizerischer Radio-, TV- und Multimediafachgeschäfte die Entwicklungen genau. Die Probleme sind nicht neu, und beim VSRT zeigt man sich überzeugt, dass die Herausforderungen gleichzeitig auch Chancen bieten, die es zu packen gilt, wie VSRT-Geschäftsführerin Mary Napoli, die die Geschicke des Verbandes seit Dezember 2017 lenkt, im Interview ausführt:

Schweizerische Gewerbezeitung: Frau Napoli, der Onlinehandel, Parallelimporte und Kunden, die sich nur am Preis orientieren, stellen den Fachhandel vor grosse Herausforderungen. Wie positioniert er sich?

Mary Napoli: Die Zeit der Erkenntnis, dass sich der Fachhandel verändern muss, haben wir hinter uns. Jetzt lautet die Frage: Wie stellen wir den Fachhändler auf die gleiche 
Stufe wie den Onlinehändler und wie schaffen wir durch persönliche Präsenz einen Vorteil? Jedem Händler ist die Notwendigkeit wie auch das Cross-Channel-Konzept klar, jetzt muss er sich gemeinsam mit Einkaufsorganisationen wie EP und 
Euronics an die Umsetzung machen.

Viele unserer Mitglieder haben sich bereits vom reinen Produkteverkauf im Tiefpreissegment verabschiedet. Stattdessen haben sie sich darauf spezialisiert, den Kunden und seine Wünsche – ja, vielleicht sogar seine Träume – wirklich zu verstehen. 
Dafür bieten sie Lösungen und Dienstleistungen in unterschiedlichsten Bereichen an.

Wie zum Beispiel Smart Home, Netzwerke oder im High-End-
Bereich der Unterhaltungs­elektronik…

 Ja, und die Liste lässt sich um die Bereiche Smart Cities, Verkehrsleitsysteme, Internet of Things, Sicherheitstechnik, Digital Signage oder auch Event-Technik erweitern. Die Überschneidungen und Verbindungsstellen in diesen Bereichen werden immer mehr, und die verschiedenen Industrien, Verbände und Berufe sollten das für sich nutzen. Dafür setzen wir uns ein!

Kommen wir nochmals zur Unterhaltungselektronik zurück. Welche Argumente sprechen für den traditionellen Fachhandel?

 Wenn es darum geht, Geräte und Infrastruktur zu vernetzen und die Features der modernen Unterhaltungselektronik voll nutzen zu können, ist es von Vorteil, den Fachhandel aufzusuchen. Darüber hinaus glauben wir, dass die sinnlichen Elemente – also Daten zu fühlen, Musik zu sehen und Bilder zu hören – wieder stark an Bedeutung gewinnen werden und letztendlich die Investitionen auch unterstreichen. Das betrifft das Eigenheim genauso wie den Konferenzraum oder das Quartier. Und hier steht den Kunden der Fachhändler gerne und mit Leidenschaft bereit.

Wie würden Sie denn den typischen Kunden Ihrer Mitglieder beschreiben?

 Der Kunde von heute ist anspruchsvoller als früher, er vergleicht kritisch die unterschiedlichsten Angebote, Produkte und Serviceleistungen. Denn er weiss, dass er unendlich 
viele Angebote zur Wahl hat. Er nutzt diese Freiheit, um zu vergleichen und nach immer neuen Einkaufserlebnissen zu suchen. Fehler oder negative Erlebnisse verzeiht er entsprechend nur selten.Patrick Gunti

berufsbildung

Am technologischen
Wandel nahe dran

Auswahl und Förderung eines qualifizierten beruflichen Nachwuchses ist einer der Schwerpunkte des VSRT. Seit 1987 betreibt der Branchenverband das VSRT-Berufsbildungszentrum, in dem sich Jugendliche berufsbegleitend zum Multimediaelektroniker EFZ, zum Detailhandels-Fachmann/Fachfrau EFZ oder Detailhandelsassistent/in EBA ausbilden lassen. Da die Zahl der Bewerbungen diejenige der Lehrstellen übertrifft, liegt ein weiterer Fokus auf der Schaffung von guten Lehrplätzen.

Multimediaelektroniker/in EFZ

Gerade der Beruf des Multimediaelektronikers mit seinen Handlungskompetenzen bei Unternehmen wird immer bekannter und beliebter. Multimediaelektroniker/innen stellen – kurz gesagt – Kommunikationsmittel und Kommunikationswege für die Wirtschaft und die Gesellschaft sicher. Sie sind u.a. in Radio-TV, Kabel-TV, Eventelektronik- und Sicherheitstechnik-Unternehmen tätig und eignen sich ihr breites Fachwissen während einer vierjährigen Lehre im Betrieb und berufsbegleitend im VSRT-Berufsbildungszentrum in Grenchen an. Wichtigste Voraussetzungen für den spannenden Beruf sind:

Flexibilität und Kreativität;

logisches und konzeptionelles Denkvermögen;

Interesse an technischen Neuheiten;

technisches Flair.

Bild: vsrt_6

Ob Smart Home, Netzwerke, Verkehrsleitsysteme, Internet of Things oder Event-Technik: Das Beschäftigungsfeld von Multimediaeletronikern/innen geht weit über die Unterhaltungselektronik hinaus.

berufsbild Multimediaelektroniker

In nächster Nähe zum technologischen Wandel

Auswahl und Förderung eines qualifizierten beruflichen Nachwuchses ist einer der Schwerpunkte des VSRT. Seit 1987 betreibt der Branchenverband das VSRT-Berufsbildungszentrum, in dem sich Jugendliche berufsbegleitend zum Multimediaelektroniker EFZ, zum Detailhandelsfachmann/-fachfrau EFZ oder Detailhandelsassistent/-in EBA ausbilden lassen. Da die Zahl der Bewerbungen diejenige der Lehrstellen übertrifft, liegt ein weiterer Fokus auf der Schaffung von guten Lehrplätzen.

Multimediaelektroniker/-in EFZ

Gerade der Beruf des Multimediaelektronikers mit seinen Handlungskompetenzen bei Unternehmen wird immer bekannter und beliebter. Multimediaelektroniker/-innen stellen – kurz gesagt – Kommunikationsmittel und Kommunikationswege für die Wirtschaft und die Gesellschaft sicher. Sie sind u. a. in Radio-TV, Kabel-TV, Eventelektronik- und Sicherheitstechnik-Unternehmen tätig und eignen sich ihr breites Fachwissen während einer vierjährigen Lehre im Betrieb und berufsbegleitend im VSRT-Berufsbildungszentrum in Grenchen an. Wichtigste Voraussetzungen für den spannenden Beruf sind:

Flexibilität und Kreativität;

logisches und konzeptionelles Denk­vermögen;

Interesse an technischen Neuheiten;

technisches Flair.

DAS IST DER VSRT

Der Verband Schweizerischer Radio-, TV- und Multimediafachgeschäfte VSRT zählt rund 200 Mitglieder, wovon die meisten Unternehmen im typischen Unterhaltungselektronikfachhandel 
tätig sind. Vermehrt gehören aber auch Dienstleister dazu, die professionelle Audio-/Videoanlagen planen, entwickeln und realisieren. Die Mitglieder profitieren von unterstützenden Dienstleistungen in drei verschiedenen Landessprachen.

Eine der Hauptaufgaben des Verbands ist die Auswahl und Förderung eines qualifizierten beruflichen Nachwuchses durch Aufklärung, Information und Schulung. Dabei werden unter anderem gewissenhafte Betriebe und engagierte Schulen unterstützt, um Anreize zu schaffen und junge Menschen zu begeistern.

In einer Zeit, in der Produkte eine untergeordnete Rolle spielen, pflegt der VSRT Branchennetzwerke. Er stellt Arbeitsinstrumente zur Mitarbeiterführung, für das Marketing und den Verkauf zur Verfügung, berät in unternehmerischen und technischen Bereichen, liefert Vorabinformationen zum aktuellen Branchengeschehen, bietet eine kostenlose Rechtsberatung, und die vom VSRT vor 70 Jahren gegründete FICAL-Finanzierungsgesellschaft ermöglicht dem Verband das Mietgeschäft. pg