Publiziert am: 10.03.2017

Eine gute und eine weniger gute Nachricht

Vorsorge

Ende letzten Jahres hat die Pensionskasse der Stadt Zürich die technischen Grundlagen «VZ 2015» veröffentlicht. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich die Statistik von 25 Pensionskassen öffentlich-rechtlicher Arbeitgeber, mit der die Lebenserwartung der Versicherten erfasst wird. Die gute Nachricht gleich vorweg. Unsere Lebenserwartung steigt weiter. Aufgeholt hat vor allem das schwache Geschlecht in Bezug auf die Lebenserwartung – die Männer: Deren Lebenserwartung stieg in den letzten fünf Jahren um 0,8 Jahre, jene der Frauen um 0,1 Jahre. Ganz allgemein war in den vergangenen Jahrzehnten ein unglaubliches Wachstum zu verzeichnen. 1950 betrug die Lebenserwartung eines 65jährigen Mannes 12,8 Jahre. 2015 ist diese auf 20,9 Jahre angewachsen. Bei den 65jährigen Frauen betrug die Lebenserwartung 1950 15,5 Jahre, 2015 waren es 23 Jahre. So weit die gute Nachricht.

«Die Parlamentarier müssen sich einig werden wie viel an welcher Schraube im Räderwerk der Altersvorsorge gedreht werden soll.»

Diese gute Nachricht birgt gewisse Probleme in sich, denn wer länger lebt, bezieht länger Rente. In Zahlen ausgedrückt: 1950 bezog ein Mann, der in Pension ging, durchschnittlich 12,8 Jahre lang eine Rente. Für Neurentner im Jahr 2015 muss das Geld 20,9 Jahre lang reichen. Das wird aktuell in den Eidgenössischen Räten im Rahmen der Altersreform 2020 diskutiert, kann aber auf einen ganz einfachen Nenner gebracht werden. Entweder bezahlen wir mehr ein, oder wir kriegen weniger Rente. Als dritte Option bleibt noch die Hoffnung auf tolle Kapitalerträge, die alles ausbügeln.

Roland Kriemler, Geschäftsführer der Konferenz der Anlagestiftungen, hat dies kürzlich in einem Artikel sehr anschaulich dargestellt. Würde das Pensionierungsalter 2017 um zwei Jahre erhöht, müsste man nicht mehr über den Umwandlungssatz sprechen. Würden die Umwandlungssätze um zwei Prozentpunkte gesenkt, würde sich die Debatte um das Pensionierungsalter erübrigen. Würden die Pensionskassenrenditen langfristig um zwei Prozentpunkte erhöht, bräuchten wir nicht über das Pensionierungsalter und die Umwandlungssätze zu streiten.

Die teuerste aller Lösungen ist 
keine Lösung zu haben

Einfache Lösungen gibt es aber nicht. Wer will (und kann) denn deutlich länger arbeiten oder eine klar tiefere Rente? Deshalb dürfen wir an allen Schrauben nur vorsichtig drehen, und die Parlamentarier müssen sich im Verlauf der Frühjahrsession einig werden, wie viel an welcher Schraube im Räderwerk der Altersvorsorge gedreht werden soll. Sicher ist schon jetzt: Jede Lösung wird etwas kosten. Sicher ist aber auch: Die teuerste aller Lösungen wird sein, wenn sie keine Lösung finden.