Publiziert am: Freitag, 24. März 2017

«Eine Sanierung muss nachhaltig sein»

Helpy-Experten

Auf der Webplattform helpy empfiehlt die Stiftung KMU Schweiz ein Panel an ausgewiesenen Fachexperten zu den wichtigsten Fragestellungen für KMU. Im Vorfeld werden die einzelnen Experten kurz vorgestellt:

Beat Koller, leitender Partner der sme partners ag

Schweizerische Gewerbezeitung: Wie unterstützen Sie KMU bei Restrukturierungen und Sanierungen?

n Beat Koller: Wir begleiten unsere Kunden sowohl in der operativen als auch finanziellen Restrukturierung. Dabei ist ein gesamtheitlicher Ansatz wichtig. Wir unterstützen die KMU einerseits als Berater oder Sparringpartner auf der Ebene Eigentümerschaft, Verwaltungsrat oder Geschäftsführer, andererseits aber auch in der operativen Umsetzung im Tagesgeschäft. Wichtig ist, dass Restrukturierungen und Sanierungen nicht nur als Reaktion auf eine verpasste Entwicklung gesehen werden, sondern auch eine Chance für einen Turnaround und Neuanfang darstellen.

 

Was sind die grössten Herausforderungen 
für ein KMU bei Restrukturierungen und Sanierungen?

n Die Notwendigkeit einer Restrukturierung entsteht zumeist nicht über Nacht, sondern hat häufig über Jahre zurückliegende Ursachen. Diese stehen auch direkt in Verbindung zu den grössten Herausforderungen bei einer Restrukturierung. Akzeptiert der Unternehmer, dass er einen Handlungsbedarf hat, und wenn ja, ist er bereit, sich von alten Gepflogenheiten zu trennen und neue Wege zu beschreiten? Als zweite ganz wesentliche Herausforderung sehen wir häufig die mangelnde Transparenz im finanziellen wie auch betrieblichen Rechnungswesen. Mit welchen Produkten und Dienstleistungen verdienen wir Geld und wo fallen die Verluste an?

 

Was muss man bei einem Massnahmen- 
und Restrukturierungskonzept besonders beachten?

n Es gibt Erfolgskomponenten, welche es bestmöglich zu berücksichtigen gilt: Dies sind Geschwindigkeit, der vollständige Einbezug aller Interessengruppen, offene, transparente und ehrliche Kommunikation, konsequentes Umsetzen des erarbeiteten Massnahmenpaketes und schliesslich auch eine laufende Ergebniskontrolle, sodass mögliche weitere Schritte rechtzeitig eingeleitet werden können. Sehr wichtig ist auch die Verbindlichkeit.

 

Wann ist in einem KMU ein Turnaround angebracht und welche Chance bietet so ein Neuanfang?

n Vielleicht kann man diese Frage auch indirekt beantworten. Wann lohnt sich eine Restrukturierung nicht? Zentral sind sicherlich der Wille und das Engagement – finanziell und persön­-
lich – der Eigentümer und Unternehmer. Sind diese Grundvoraussetzungen nicht gegeben, wird es schwierig. Genauso wichtig ist jedoch, dass eine Sanierung nachhaltig ist. Bestehen unlösbare strukturelle Probleme, welche ihre Ursache allenfalls noch in einem völlig ver­änderten Marktumfeld haben, müssen andere Lösungen gesucht werden. Dies muss nicht zwingend eine Liquidation sein – aber vielleicht das Zusammengehen mit Partnern, die Reduktion der Wertschöpfungskette und so weiter.

Interview: CR