Publiziert am: 18.11.2022

Endlich Licht am Ende des Tunnels

Neuwagenmarkt – Die Neuwagenverkäufe in der Schweiz sind nach wie vor weit unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie.Lieferschwierigkeiten bremsen die Garagisten aus. Die Importeursvereinigung auto schweiz sieht nun aber Zeichen der Erholung.

Seit Ausbruch der Pandemie ist der Schweizer Automarkt stark unter Druck. Wurden 2019 im Jahr vor Corona noch 311 466 Neuwagen immatrikuliert, brachen die Verkäufe 2020 um 24 Prozent ein auf noch 236 828 Einheiten. Auch 2021 lief das Geschäft für die Autoimporteure und Garagisten schlecht, auch wenn sich der Markt stabilisierte und um immerhin 0,7 Prozent gegenüber dem Krisenjahr 2020 zulegen konnte. Im laufenden Jahr sind die Zahlen allerdings wieder rückläufig: Per Ende Oktober wurde ein Rückgang um 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnet.

«Besonders KMU verzichten angesichts steigender Preise für Waren, Strom und Treibstoff derzeit oft auf Neuanschaffungen.»

Die Ursachen dieser Misere sind klar: Neben der Pandemie samt Lockdowns sowie der daraus folgenden unterbrochenen Lieferketten kam noch ein grosser Teilemangel hinzu, besonders im Elektronikbereich, der durch den Ukraine-Krieg zusätzlich verschlimmert wurde. Das bedeutet: Nun, wo die Händler wieder Neuwagen verkaufen könnten, fehlen die Modelle – die Autohersteller haben grosse Lieferschwierigkeiten, teilweise müssen Kunden über ein Jahr auf ihren Neuwagen warten.

Stromer sind gefragt

Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels. «Die Versorgung der Automobilhersteller mit Teilen hat sich etwas stabilisiert, was zu einer Verbesserung der Liefersituation führt», sagt Christoph Wolnik, Pressesprecher der Importeursvereinigung auto schweiz. «Wir sind natürlich noch lange nicht wieder auf Normal-Niveau, doch die Tendenz ist klar positiv.» Zumindest scheinen das die letzten Verkaufszahlen anzudeuten: Im Oktober verzeichnete der Markt für neue Personenwagen in der Schweiz inklusive Fürstentum Liechtenstein das zweite Monatsplus in Folge.

Um den Rückstand zum Vorjahr aufzuholen, dürfte das nicht reichen. Der Verband geht aber davon aus, dass zumindest das Minus von fast acht Prozent in den letzten beiden Monaten noch deutlich verringert werden kann. Zum Vorjahresergebnis von 238 481 Immatrikulationen fehlen nun noch knapp 59 000 Fahrzeuge. «In einem normalen Jahr wäre das in zwei verbleibenden Monaten zu schaffen», sagt Pressesprecher Wolnik. «Wir sind zuversichtlich, dass der Markt zumindest nahe an das Vorjahresergebnis herankommt.»

Einen gewichtigen Teil der Neuwagenverkäufe machen Fahrzeuge mit einem alternativen Antrieb aus: Im laufenden Jahr (per Ende Oktober) machen sie 49,4 Prozent des Gesamtmarktes aus, im Vorjahreszeitraum waren es noch 42,4 Prozent. Rund die Hälfte davon haben einen Hybridantrieb, die andere Hälfte sind sogenannte Steckerfahrzeuge, also Plug-in-Hybride und reine Elektroautos. Letztere machen bereits 16,1 Prozent der gesamten Verkäufe aus, was einem Zuwachs im Vergleich zur Vorjahresperiode um knapp 28 Prozent entspricht. Gas- und Wasserstofffahrzeuge haben hingegen kaum Relevanz.

Auch die Nutzfahrzeuge bĂĽssen ein

Natürlich ist auch die aktuelle Wirtschaftslage ein bestimmender Faktor im Automarkt. «Bei Lieferwagen und leichten Sattelschleppern ist der konjunkturelle Einbruch am schnellsten und deutlichsten ablesbar», weiss auto-schweiz-Sprecher Christoph Wolnik. «Besonders KMU verzichten angesichts steigender Preise für Waren, Strom und Treibstoff derzeit oft auf Neuanschaffungen. Fahrzeugersatz wird dann oft nur noch bei hoher Dringlichkeit besorgt.»

Nach drei Quartalen 2022 liegen die Neuzulassungen der leichten Nutzfahrzeuge 18,4 Prozent unter dem Vorjahreswert – im Vergleich zu 2019, dem Jahr vor Corona, sind es sogar fast 28 Prozent. Und auch die schweren Nutzfahrzeuge, also die Lastwagen und Sattelschlepper, verzeichnen im gleichen Zeitraum einen erneuten Rückgang um knapp neun Prozent.

Gift fĂĽr Marktentwicklung

Die Energiekrise indes hat gemäss Importeursverband noch keine Auswirkung auf den Schweizer Automarkt. Dennoch seien die derzeitigen Diskussionen rund um eine mögliche Strommangellage im kommenden Winter Gift für die weitere Marktentwicklung der Elektromobilität, meint der auto-schweiz-Präsident und ehemalige SVP-Chef Albert Rösti. «Sparmassnahmen sollten nicht zuerst diejenigen treffen, die in den letzten Jahren als Pioniere vorangegangen sind und ein CO2-effizientes Elektroauto gekauft haben.»

Kurzfristig müsse nun die Stromversorgung für den kommenden Winter gesichert werden. «Mittel- bis langfristig müssen wir den Ausbau der CO2-armen, inländischen Stromproduktion vorantreiben, um uns so weit wie möglich unabhängig zu machen und genug Strom zu haben, auch für unsere Fahrzeuge.»

Dave Schneider

Meist Gelesen