Publiziert am: Freitag, 10. Juni 2016

«Erst am Anfang des Wandels»

digitalisierung – Für Sales Affentranger vom Schweizerischen Baumeisterverband SBV ist klar, dass auch langjährige Mitarbeiter sich mit den neusten Technologien befassen müssen.

Schweizerische Gewerbezeitung: Wie weit ist die Digitalisierung in der Schweizer Baubranche schon fortgeschritten?

Sales Affentranger: Digitale Assistenzgeräte sind heute bei vielen Arbeitsschritten nicht mehr wegzudenken: vom 3D-Scanning oder Drohnenaufnahmen des Geländes, der Materialbestellung und Rapportierung auf dem Tablet über die Bauteileinmessung mit dem Tachymeter bis hin zur Baggersteuerung per GPS-Satellitennavigation.

 

Was ändert sich konkret für den einzelnen Mitarbeiter an seinem Arbeitsplatz?

 Er muss offen sein, sich neue Handgriffe anzueignen. Auch langjährige Mitarbeiter kommen nicht darum herum, zu lernen, wie man die modernen Geräte und Maschinen bedient.

 

Entstehen auch bereits Gebäude am Computer?

 Tatsächlich werden bereits erste Bauprojekte ganz am Computer entwickelt und überwacht: Mittels Gebäudedatenmodellierung besteht heute die Möglichkeit, den kompletten Lebenszyklus von Bauobjekten umfassend digital zu steuern. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass alle an einem Bauprojekt beteiligten Firmen unkompliziert Informationen austauschen können und sie immer auf dem gleichen Informationsstand sind.

Welche Chancen ergeben sich grundsätzlich aus der Digitalisierung?

 Dank des besseren Informationsflusses geht in keiner Phase eines Bauprojekts der entscheidende Blick aufs Detail verloren. So steigert die Digitalisierung die Effizienz und hilft, Fehler zu vermeiden. Denkbar ist, dass es künftig vermehrt Realisierungsteams in unterschiedlicher Zusammensetzung geben wird, die direkt für den Bauherrn Projekte erstellen.

 

Es wird schon von der vierten industriellen Revolution in der Bauwirtschaft gesprochen. Wird die Digitalisierung diesem Ruf wirklich gerecht?

 Das werden wir erst im Rückblick sagen können. Aber viele Zeichen deuten darauf hin, dass wir uns erst am Anfang eines bedeutenden Wandels befinden.

Worin sehen Sie die grössten Herausforderungen bezüglich digitalem Bauen in der Schweiz?

 Die grosse Herausforderung für die Unternehmen ist es, die Vorteile der Digitalisierung richtig zu nutzen. Noch wissen wir nicht, welche Systeme sich langfristig durchsetzen werden. Es besteht bei Investitionen sowohl die Gefahr, zu früh auf das falsche Pferd zu setzen, als auch den Anschluss zu verpassen.

 

Was wird in puncto Ausbildung unternommen, damit die zukünftigen Fachkräfte bestmöglich auf den Arbeitsmarkt vorbereitet sind?

 Praxistaugliches fliesst bereits heute in die Ausbildung ein. Wichtig erscheint es uns, den Fokus nicht auf einzelne Systeme zu legen, sondern auf grundsätzliche Fähigkeiten und Kompetenzen. Und mehr denn je muss das Credo des «lebenslangen Lernens» gepflegt werden.

 

Ist die Digitalisierung Ihrer Meinung nach ein Prozess, der nach einer gewissen Zeit abgeschlossen sein wird?

 Nein, der Arbeitsalltag wird sich weiter verändern.

Interview: Adrian Uhlmann

 

IMPLENIA

«Umfassende 
Beschleunigung»

Für das digitale Bauen hat die Implenia eine umfassende «Digitalisierungs- & BIM-Strategie» auf Stufe Konzern erstellt und deren Umsetzung initiiert. Unter dem übergeordneten Thema Digitalisierung verfolgt die Unternehmung drei Kernthemen: prozessuale Vernetzung, funktionale Vernetzung und kommunizierende Systeme. Bei Letzterem wird beispielsweise der Einsatz von GPS-gesteuerten Baumaschinen vorangetrieben.

Künftig wird ein Bauunternehmen wie Implenia ihrem Kunden nicht mehr nur ein Gebäude liefern, sondern auch Daten, die für den nachhaltigen und wirtschaftlichen Betrieb genutzt werden können.

«Des Weiteren ist es wichtig, das Bewusstsein für die Nutzung von BIM in der Schweizer Baubranche zu erhöhen», sagt Reto Aregger, Communications Manager der Implenia. Anfang 2016 wurde hierfür die Interessengemeinschaft «Bauen digital Schweiz» mit Implenia als Gründungsmitglied ins Leben gerufen.

Aktuell arbeitet die Implenia noch an den Grundlagen des digitalen Bauens. Reto Aregger: «Doch zukünftig sollen uns Möglichkeiten zur Verfügung stehen, die eine umfassende Beschleunigung mit sich bringen.»

Was ist BIM?

Building Information Modelling, kurz BIM, basiert auf dem Einsatz von 3D-Modellen, die das physische Ergebnis der Bauaufgabe anhand eines virtuellen Gebäudemodells vorwegnehmen. Die Modelle werden mit Informationen aus dem Planungs-, Bau- oder Betriebsprozess angereichert. Erweitert um die Faktoren Kosten und Zeit können 4D- und 5D-Modelle erstellt werden, welche die Entscheidungsfindung, Qualitätssicherung und Kommunikation verbessern.

uhl

 

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