Publiziert am: 10.11.2017

«Es gibt noch Optimierungspotenzial»

WORLD SKILLS 2017 –Delegationsleiterin Christine Davatz sowie der technische Delegierte Rico Cioccarelli freuen sich über den ­Vizeweltmeistertitel. Sie sind sich jedoch bewusst, dass die Konkurrenz nicht schläft und die Anforderungen immer härter werden.

Schweizerische Gewerbezeitung: Das Schweizer Team belegt in der Gesamtwertung der Berufsweltmeisterschaften in Abu Dhabi den zweiten Platz. Haben Sie dieses hervorragende Resultat erwartet?

 Christine Davatz: Unser Team verfügt über eine grosse Portion Selbstvertrauen und viel Kampfgeist. Die Erwartungen von aussen waren gross. Umso mehr freut es mich, dass wir Vizeweltmeister geworden sind.

 Rico Cioccarelli: Wir sind mit dem Ziel nach Abu Dhabi gereist, dort als eine der besten Nationen der Welt abzuschneiden. Meine Erwartungen wurden erfüllt, trotz grosser Konkurrenz und dank guter Vorbereitungen.

Gab es Erneuerungen an den diesjährigen Berufsweltmeisterschaften und welche Folgen hat dies für die Schweiz?

 Cioccarelli: Knapp die Hälfte der Berufe sind mit einer neuen Organisation angetreten, das heisst konkret, die Wettbewerbsaufgaben wurden durch externe Personen ausgearbeitet und kurz vor Wettbewerbsbeginn bekannt gegeben. An den WorldSkills im russischen Kazan 2019 sollen alle Wettbewerbe nach dem neuen System durchgeführt werden – dies ganz nach dem Motto «Weg vom Trainings-Weltmeister, hin zur Talentsuche».

«Es ist unmöglich, solche Resultate zu erzielen, ohne eine gute Zusammenarbeit mit den OdA.»

Welche Erfahrungen haben Sie an den WorldSkills 2017 gemacht, respektive wo besteht nach dieser Austragung noch Optimierungspotenzial in der Organisation WorldSkills?

 Davatz: Wir setzen uns dafür ein, dass WorldSkills international mehr Einfluss auf die gesamte Organisation vor Ort nehmen kann, damit alle Berufe faire Wettbewerbe auf höchstem Niveau durchführen können.

 Cioccarelli: Es gibt immer noch Optimierungspotenzial: Wir müssen, was den Wettbewerb anbelangt, zuerst die einzelnen Berufe analysieren. Deshalb ist es im Moment noch zu früh, Schlüsse zu ziehen, aber wir arbeiten daran. Die vielen Veranstaltungen, die neben dem Wettbewerb angeboten werden, sprengen den Rahmen und müssen überdacht werden.

Ein Blick in die Zukunft: Wie entwickelt sich die Zusammenarbeit zwischen den Verbänden, Experten und SwissSkills?

 Davatz: Für uns ist klar, dass immer die Berufsverbände bestimmen, ob und mit wem sie an den Berufswettbewerben – sei es SwissSkills, EuroSkills oder WorldSkills – teilnehmen wollen oder nicht. Das ist die Stärke unseres Systems. Es gilt deshalb, sehr sorgsam mit ihnen umzugehen.

 Cioccarelli: Es ist unmöglich, solche Resultate zu erzielen, ohne eine gute Zusammenarbeit mit den Organisationen der Arbeitswelt OdA. Natürlich spielt auch der Arbeitgeber der jungen Berufsleute eine wichtige Rolle.

Die Berufswettbewerbe auf internationaler Ebene befinden sich in einem sehr dynamischen Umfeld. Wie positioniert sich die Schweiz?

 Davatz: Für uns sind die Wettbewerbe ein Schaufenster der besten Berufsleute. Dies gilt sowohl für die jungen Berufsleute als auch für die Expertinnen und Experten. Die Konkurrenz schläft nicht und die Anforderungen und Erwartungen an unsere Kandidatinnen und Kandidaten werden immer grösser. Damit wir weiterhin mithalten können, ist bereits bei der Selektion die mentale Stärke sowohl der Kandidaten als auch der Experten ein wichtiger Faktor. Nur so kann das Schweizer Team dem immensen Druck Stand halten und beste Leistungen abrufen.

 Cioccarelli: Für uns ist klar, ohne Unterstützung der OdA sowie der Arbeitgeber der jungen Berufsleute ist es unmöglich, in Zukunft ganz vorne mithalten zu können. Die Konkurrenz wird immer grösser und stärker. Nicht nur diejenigen Nationen, welche mit uns im Moment an der Spitze sind, machen uns die Position streitig. Rund ein halbes Dutzend weitere Nationen setzen alles daran, künftig einen Platz auf dem Podest zu ergattern.

Interview: Corinne Remund

RANGLISTE

Medaillensegen 
für die Schweiz

Die Schweizer Gold-Medaillengewinner:

n Cédric Achermann, Altbüron/LU, und Fabien Gyger, Spiez/BE (Automatiker EFZ).

n Manuel Allenspach, Gossau/SG 
(IT-Software-Lösungen für Unternehmen).

n Marcel Wyss, Grindelwald/BE 
(Sanitär- und Heizungsinstallation).

n Emil von Wattenwyl, Kehrsatz/BE 
(Webdesign und Development).

n Beat Schranz, Adelboden/BE (Elektroinstallateur).

n Simon Furrer, Gunzwil/LU (Anlagenelektrik).

n Sven Bürki, Lanzenneunforn/TG (Möbelschreiner).

n Tatjana Caviezel, Uetliburg/SG 
(Restaurant-Service).

n EIrina Tuor, Breil/Brigels/GR 
(Fachfrau Gesundheit).

n Ramona Bolliger, Gontenschwil/AG 
(Bäckerin-Konditorin-Confiseurin).

n Adrian Krähenbühl, Niederösch/BE 
(Bau- und Landmaschinenmechaniker).

 

Die Schweizer Silber-Medaillengewinner:

n Marco Michel, Kerns/OW 
(Polymechaniker/Automation).

n Heiko Zumbrunn, Wittinsburg/BL 
(Carrossier Spenglerei).

n Jannic Schären, Gerzensee/BE 
(Elektroniker EFZ).

n Sandra Lüthi, Burgdorf/BE 
(Dekorationsmalerin).

n Florian Nock, Turbenthal/ZH (Zimmermann).

n Benjamin Räber, Herlisberg/LU, und 
Nils Bucher, Sarnen/OW (Landschaftsgärtner).

 

Die Schweizer Bronze-Medaillengewinner:

n Janine Bigler, Lenzburg/AG (Drucktechnologin).

n Fabio Holenstein, Bazenheid/SG 
(Bauschreiner).

n Maurus von Holzen, Dallenwil/NW 
(Carrossier Lackiererei).

Best of Nation:Beat Schranz gewinnt den Titel «Best of Nation». Er erzielte mit 767 Punkten die höchste Gesamtpunktzahl im Schweizer Team.