Publiziert am: Freitag, 13. Mai 2016

Finger weg von unseren Tellern

SCHWEIZER FLEISCHWIRTSCHAFT – Das Fleischjahr 2015 ist aus wirtschaftlicher Sicht verhalten ausgefallen. Sorgen bereiten neben dem hohen Margendruck und dem Einkaufstourismus die inakzeptablen Eingriffsversuche in das Essverhalten der Bevölkerung.

Alarmierend sind für den Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) die immer häufiger werdenden Bevormundungsversuche. Der Schweizerische Gewerbeverband sgv und die Allianz der Wirtschaft für eine massvolle Präventionspolitik (AWMP) wehren sich seit langem vehement gegen die inakzeptable Bevormundung durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und dessen Chef, Gesundheitsminister Alain Berset (siehe sgz vom 22. April 2016). Unter dem Motto «Finger weg von unseren Tellern» fordert nun auch der SFF mit aller Entschiedenheit, dass die individuelle Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten endlich respektiert und geschützt wird. Dazu SFF-Direktor Ruedi Hadorn: «In den letzten Monaten und Jahren machen sich in Bezug auf den Fleischkonsum bedenkliche Tendenzen breit, die anstelle der Wahlfreiheit des Einzelnen die Bevormundung durch Gebote und Verbote in den Vordergrund rücken.»

«Endlose Vorschriften stossen den 
mündigen Bürger
vor den Kopf.»

Dafür gebe es genug Beispiele. Hadorn verweist dabei auf die unverschämten Forderungen nach einer ausschliesslichen Förderung der vegetarischen bzw. veganen Ernährungsweisen in öffentlichen und privaten Verpflegungsstätten sowie auf die Neuauflage des Präventionsgesetzes vom BAG.

«Die Prävention ist für uns zentral», betont auch sgv-Ressortleiterin und AWMP-Geschäftsführerin Hélène Noirjean, «aber das BAG übertreibt wieder masslos. Die Schaffung endloser Reglementierungen und Vorschriften bergen nur Kosten und stossen den mündigen Bürger vor den Kopf.» Und weiter argumentiert Noirjean: «Einkaufstourismus und der starke Franke sind für unsere KMU schon genug grosse Herausforderungen.»

Jung-Fleischfachleute 
in Berufsstolz verletzt

Auch fünf Jung-Fleischfachleute – zwei Lernende, zwei ausgelernte Fleischfachleute sowie ein Jungunternehmer mit eigenem Fleischfach-Geschäft – haben genug von den zunehmenden Kampagnen gegen das Lebensmittel Fleisch und die anhal­tenden Bevormundungsversuche. Sie kündigten deshalb an der Medienkonferenz ein verstärktes Engagement für die Wahlfreiheit der Konsumenten an. Sie fühlten sich durch diese Anfeindungen nicht nur in ihrem Berufsstolz verletzt, sondern werteten die Angriffe auch als eine bewusst in Kauf genommene Schädigung des Berufsbilds der Fleischfachberufe.

«Das BAG übertreibt wieder masslos.»

SFF-Präsident und sgv-Vorstandsmitglied Rolf Büttiker führt die Ursachen für das verhaltene Geschäftsjahr auf den noch immer zunehmenden Einkaufstourismus sowie auf den unverändert hohen Margendruck zurück. Gemäss Mathias Binswanger von der Fachhochschule Nordwestschweiz dürfte das Volumen der Einkäufe ennet der Grenze seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar 2015 nochmals um mindestens zehn Prozent zugenommen haben. Diese Schätzung ergibt sich aufgrund von Zahlen aus mehreren aktuellen Studien und von Zollämtern.

ZAHLEN & FAKTEN

Rückläufiger Fleischkonsum

Nach drei Jahren des Anstiegs hat sich der Fleischkonsum 2015 erstmals wieder um 0,8 Prozent verringert, wobei die Inlandproduktion im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant blieb. Die Einfuhren nahmen dagegen um knapp vier Prozent ab. Die 2015 zu verzeichnende Reduktion um 1 kg auf 51,4 kg pro Kopf und Jahr liegt in der Bandbreite des Konsums von 51 bis 54 kg der letzten Jahre, was im längerfristigen Trend einem gleichbleibenden Pro-Kopf-Konsum entspricht.