Publiziert am: 21.10.2016

Fitnessbewusstsein als gute Basis

ASMAS – Tiefere Verkaufspreise, Abwanderung ins Ausland, Verlagerung zum Online-Geschäft sowie der Strukturwandel verändern den Markt des Sportfachhandels. Der Verband stellt sich mit Innovation und einer modernen Ausbildung diesen Herausforderungen.

Der Sportfachhandel besteht aus einer sehr heterogenen Struktur. Viele Unternehmen sind inhabergeführt und speziell auf einzelne Kernkompetenzen ausgerichtet. «Die Strukturbereinigung ist in vollem Gang und es wird zunehmend schwieriger, 
kleine Läden zu erhalten», erklärt Peter Bruggmann, Präsident des 
ASMAS Sportfachhandels Schweiz. Er kennt die Branche bestens, ist er doch Inhaber eines Golfsportshops im St. Gallischen Waldkirch. Währenddessen würden grosse filialisierte Unternehmen zunehmend Marktanteile gewinnen – dies vor allem in Bereichen mit wenig Beratung. Die Preise würden sich immer mehr dem angrenzenden Ausland angleichen. Zudem forciere die Möglichkeit, im In- und Ausland Einkäufe online zu tätigen, den Kostendruck für alle Marktteilnehmer, gibt Bruggmann zu bedenken. «Wir müssen uns den neuen Herausforderungen stellen und unsere Strukturen anpassen, dass wir erfolgreich weiterexistieren können. Dies stellt die Unternehmen im Sportfachhandel vor grosse Herausforderungen», so Bruggmann. Er ist denn auch überzeugt, dass in Zukunft in der Schweiz im Sporthandel Online-Kanäle neu entstehen oder ausgebaut werden. «Wir müssen uns damit auseinandersetzen und mögliche Formen der Zusammenarbeit prüfen», sagt Bruggmann.

«Die Durchlässigkeit und Erreichbarkeit auf allen Kanälen ist ein wichtiger Bestandteil des modernen Handels.»

Was neue Märkte betrifft, so ist Bruggmann überzeugt, dass künftig Produkte und Waren von Dienstleistungen getrennt werden. «Der Kunde möchte das Produkt immer zum bestmöglichen Preis. Der Bedarf an Dienstleistung zu diesem Produkt ist je nach Anwender unterschiedlich: So kauft beispielsweise ein Kunde eine Sportuhr und kann diese selbstständig installieren, während ein anderer gerne dafür Beratung in Anspruch nimmt und auch bereit ist, diese zusammen mit der Installation zu zahlen», erklärt Bruggmann. Im Zuge der Digitalisierung halte aber auch immer mehr das Prinzip des Cross-Channels Einzug. Dazu Bruggmann: «Die reale und virtuelle Welt wachsen zunehmend zusammen. Kunden von heute denken nicht in Kanälen und erwarten gut eingerichtete Cross-Channel-Services. Kanaldurchlässige Marketingleistungen und Services werden zum Thema für alle.» Er ist überzeugt, dass sich dieser Trend zweifellos fortsetzen werde. «Die Durchlässigkeit und Erreichbarkeit auf allen Kanälen ist ein wichtiger Bestandteil des modernen Handels.» Allerdings sei das Verzahnen von Marketinginstrumenten, Prozessen und Systemen dabei eine echte Herausforderung.

Genug Lernende in der Branche

Der dynamische, moderne Verband ist gut unterwegs. Die Delegierten des ASMAS haben letztes Jahr mit der Anpassung der neuen Verbandsstrukturen ein Zeichen für die Zukunft gesetzt. «Aufgrund von Veränderungen im Markt war eine Strukturanpassung dringend nötig», so Bruggmann, und Geschäftsführerin Susanne Bieri ergänzt: «Mit dem Wechsel von der Delegiertenversammlung zur Generalversammlung hat nun jedes Mitglied direkt die Möglichkeit, Einfluss auf die Verbandstätigkeit zu nehmen, was sich bis jetzt bewährt hat.» Ebenso hat sich der Verband für dieses Jahr die Neuausrichtung der Kommunikation auf die Fahne geschrieben. «Die klassischen Kanäle können kaum mehr kostendeckend betrieben und genutzt werden. Zudem müssen wir mit der Zeit gehen und richten so die Kommunikation immer mehr auf die neuen Medien aus», erklärt Bieri.

«Die Sportartikelbranche steht im gesamten Detailhandel punkto Beliebtheitsgrad an dritter oder vierter Stelle.»

Ein Kerngebiet des Verbandes ist die Aus- und Weiterbildung. Die ASMAS ist für die branchenspezifische Ausbildung während der Lehre als 
Detailhandelsfachmann/frau oder Detailhandelsassistent/-in Sportartikel zuständig. «Wir organisieren die überbetrieblichen Kurse sowie für die praktische Prüfung die Qualifikationsverfahren», sagt Bieri. Zudem bietet der Verband zusätzliche Kurse für Lernende an, um die Fachkompetenz zu erweitern. Die Sportartikelbranche ist attraktiv für junge Leute. «Sie steht im gesamten Detailhandel punkto Beliebtheitsgrad an dritter oder vierter Stelle. Viele Lernende können dabei ihr Hobby zum Beruf machen», weiss Bieri. Pro Jahr starten rund 400 Lernende die dreijährige Lehre. In den meisten Regionen könnten die Lehrstellen problemlos besetzt werden. In den Stationsgeschäften sei es allerdings zum Teil schwieriger Nachwuchs zu finden, denn unregelmässige Arbeitszeiten, auch über das Wochenende, sowie saisonale Arbeitsplätze seien weniger beliebt. «Leider haben wir Mühe, die Lehrabgänger in der Branche zu halten», sagt Bieri. «Sie weichen häufig in attraktivere Branchen aus, mit besseren finanziellen Anreizen und optimaleren Arbeitszeiten.»

Sich den Rahmenbedingungen
anpassen

Zu den grössten Hürden für die Branche zählt der Strukturwandel. «Es werden verschiedene Strukturen und Geschäfte in absehbarer Zeit ihre Geschäftstätigkeit aufgeben und kaum einen Nachfolger finden. Es entstehen aber in verschiedenen Bereichen immer wieder neue Angebote», sagt Bruggmann. Eine Herausforderung ist auch der starke Franken, der besonders in Sportfachgeschäften in der Nähe des angrenzenden Auslandes zum Tragen kommt. Dazu Bruggmann: «Die Branche muss sich diesen Gegebenheiten anpassen und die Strukturen so gestalten, dass das jeweilige Geschäftsmodell auch mit diesen Rahmenbedingungen überlebensfähig ist.»

«Das höhere Fitnessbewusstsein der Bevölkerung wird die Attraktivität von Sportartikeln weiter steigern.»

Obwohl die Branche letztes Jahr Umsatzeinbussen zu verzeichnen hatte und auch dieses Jahr nicht optimal gestartet ist, schaut Bruggmann 
optimistisch in die Zukunft: «Fast 
70 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer zwischen 15 und 74 treiben gemäss der Studie ‹Sport Schweiz› Sport. Die Schweizer Bevölkerung wird immer polysportiver und betätigt sich in rund 240 Sportarten.» Zudem hätten Lifetime-Sportarten wie Wandern, Radfahren, Schwimmen und Skifahren ihre Popularität gesteigert. «Das wirkt sich auch positiv auf unsere Branche aus», freut sich Bruggmann. Und Susanne Bieri doppelt nach: «Das höhere Gesundheits- und Fitnessbewusstsein der Bevölkerung wird die Attraktivität von Sportartikeln weiter steigern.»

Corinne Remund

ASMAS – Sportfachhandel Schweiz KURZ ERKlÄRT

Breite Information und Beratung rund um die Sportfachartikelbranche

1929 gründeten 21 Sportartikelhändler die ASMAS (Association Suisse des Magasins d’Articles de Sport). Damals war das Ziel, sich in schwierigen Zeiten (Wirtschaftskrise) zu unterstützen. Der Sportfachhandel Schweiz ASMAS vertritt die Interessen des Sportdetailhandels in der ganzen Schweiz. Der Verband informiert seine Mitglieder über alle «Facts and Figures» in 
der Sportartikelbranche und vermittelt professionelles Fachwissen. Die ASMAS berät ihre Mitglieder und hilft ihnen bei Problemlösungen in allen Bereichen der Unternehmensführung wie beispielsweise bei Rechts-, Finanzierungs- und Personalfragen, in der Warenwirtschaft usw. Zu den Dienstleistungen des engagierten Verbands gehören ferner Vergünstigungen wie beispielsweise kostengünstige Versicherungslösungen, Branchenlösungen (Sicherheit am Arbeitsplatz), die Förderung und Unterstützung von Projekten sowie die Marktforschung mit Marktzahlen, Marktanalysen und Trendinformationen.

ASMAS bietet ebenso eine moder-
ne Kommunikationsplattform. Der Verband kooperiert mit nationalen und internationalen Organisationen des Sportfachhandels, der Sportar-
tikellieferanten, des Sportes, der Wirtschaft und der Wissenschaft. Er 
unterstützt auch die Sportentwicklung in Zusammenarbeit mit Tourismus-
organisationen, Sportverbänden und Sportbehörden. Ein Beispiel dafür ist die Schweizer Schneesportinitiative. Zudem vertritt die ASMAS die wirtschafts- und handelspolitischen Interessen ihrer Mitglieder gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Ein Kerngebiet des Verbandes ist die Berufsbildung im branchenbezogenen Detailhandel. Er stellt unter anderem Fachkommission, Fachlehrer und 
Prüfungsexperten und organisiert die überbetrieblichen Kurse ÜK.

Mehrheitlich KMU

Der Verband zählt 450 Mitglieder mit rund 650 Verkaufsstellen. Dabei sind Sportfachgeschäfte vom «Einmannbetrieb» bis zum Filialist angeschlossen – mehr als 95 Prozent sind KMU. Die Branche generiert einen jährlichen Umsatz von rund zwei Milliarden Franken, ohne die Fahrradbranche. Die umsatzstärksten Segmente sind die Bereiche Ski ∕ Snowboard sowie Outdoor.

CR