Publiziert am: 07.06.2019

Frauen in KMU unverzichtbar

STUDIE ZU FRAUEN IN KMU – Die Zahl der Frauen in den Geschäftsleitungen ist in den letzten fünf Jahren mit 54,7 Prozent insbesondere in KMU frappant gestiegen. In Mittel- und Grossunternehmen hat der Frauenanteil im Vergleich zu Männern tendenziell weniger zugenommen.

In KMU passiert Frauenförderung – auch ohne Streikparolen und Frauenquoten. Dies zeigt die Studie der Universität St. Gallen im Auftrag des Schweizerischen Gewerbeverbandes sgv und der KMU Frauen Schweiz unmissverständlich. Sie wurde kürzlich den Medien in Bern vorgestellt und erhebt Daten über die Bedeutung und Positionierung von Frauen, die in einem der rund 500 000 KMU arbeiten. Fakten dabei sind: Von 2012 bis 2017 hat sich die Anzahl der Erwerbstätigen in der Schweiz insgesamt um fünf Prozent auf ­4,6 Millionen erhöht. Die Anzahl der erwerbstätigen Frauen ist in diesen fünf Jahren im Vergleich dazu um sieben Prozent gestiegen. Den höchsten Frauenanteil finden wir in Kleinstunternehmen mit ein bis neun Mitarbeitenden. Kleine und ­flexible Strukturen begünstigen die Erwerbstätigkeit der Frauen.

Frauen erobern die «Teppichetage»

Augenfällig ist die Zunahme der Frauen im obersten Kader, also in der Geschäftsleitung. Dort ist der Anteil seit 2012 von 26 auf 31 Prozent gestiegen. Im Vergleich dazu hat sich der entsprechende Wert bei den Männern um sieben Prozent reduziert. Die Zahlen zeigen auch: Die Zunahme der Frauen in Geschäftsleitungspositionen ist insbesondere in KMU mit einer Mitarbeiterzahl zwischen 50 und 249 gross. Die ­Anzahl der angestellten Frauen im obersten Kader nahm um satte ­54,7 Prozent zu – und dies ganz ­ohne gesetzlich verordnete Frauenquote. In Grossunternehmen ist eine solche Tendenz allerdings nicht feststellbar. Im Gegenteil: Bei Grossunternehmen mit 250 und mehr Mitarbeitenden ist die Anzahl angestellter Frauen in der Geschäftsleitung sogar leicht rückläufig. «Leider wird die Realität der Frauen in über 99 Prozent aller Schweizer Unternehmen verkannt», sagt Hans-Ulrich Bigler, sgv-Direktor und FDP-Nationalrat. Dass Frauen gerade in mittelgrossen Unternehmen sehr häufig in der Geschäftsleitung anzutreffen sind, erstaunt nicht. Frauen, welche hier die Chefposten erobern, tun dies nämlich überdurchschnittlich oft mit einer sehr hohen Qualifikation. 67 Prozent unter ihnen können auf eine Ausbildung auf der Tertiärstufe zurückgreifen. Speziell gefördert werden KMU Frauen zudem mit dem durch den sgv zusammen mit dem Schweizerischen Institut für Unternehmerschulung SIU eingeführten eidgenössischen Fachausweis für Unternehmensführung KMU. «Damit erhalten KMU Frauen die lang gefehlte Anerkennung. Für diesen innovativen Weg wurden die KMU Frauen Schweiz von der europäischen Kommission mit einem Preis ausgezeichnet», sagt Christine Davatz, Präsidentin der KMU Frauen Schweiz und sgv-Vizedirektorin.

Frauen übernehmen Schlüsselrolle

Die Studie bestätigt auch die wichtige Stellung der Frauen in Familienunternehmen. 60 Prozent aller Mitarbeitenden in diesen Unternehmen sind Frauen. «Sehr oft übernehmen Frauen Schlüsselrollen im Betrieb als Koordinatorinnen, die den Überblick behalten und die Mitarbei­tenden führen und coachen. Ohne ihre Mitarbeit könnten zahlreiche KMU gar nicht existieren», betont André Berdoz, sgv-Vizepräsident und Unternehmer. KMU integrieren Frauen ganz natürlich ins Erwerbsleben, weiss Daniela Schneeberger, Unternehmerin und sgv-Vizepräsidentin, aus eigener Erfahrung. Die Diskussion um Rolle und Position von Frauen in der Wirtschaft müsse diesem Umstand viel stärker Rechnung tragen. «Förderung von unternehmerischen Frauen heisst deshalb, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, um Flexibilität zu erhalten. Und Flexibilität ist einer der grossen Trümpfe der Frauen», so die FDP-Nationalrätin. CR

www.sgv-usam.ch

www.kmufrauenschweiz.ch

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