Publiziert am: 23.04.2021

«Fundamental anti-unternehmerisch»

Small Business Rising – Über 60 000 kleinere Händler organisieren sich in den USA gegen Amazon. Sie fordern die Zerschlagung und Regulierung des Online-Riesen. Und schneiden sich damit ins eigene Fleisch.

«Small Business Rising» ist ein Netzwerk von KMU in den USA. Mitglieder sind vor allem unabhängige Lebensmittel- und Buchhandlungen sowie einige lokale Vereine. Sie haben ein Vier-Punkte-Programm entwickelt:

• Erstens wollen sie grosse Technologieplattformen aufbrechen und regulieren.

• Dann wollen sie das (US-amerikanische) Kartellgesetz strikter machen.

• Sie fordern auch ein Verbot des Zusammenschlusses grosser Unternehmen und möchten generell die Zusammenschlusskontrolle strenger machen.

• Zudem wollen sie «gleich lange Spiesse» für kleine und grosse Unternehmen.

«Fundamental anti-unternehmerisch»

Sanda Robinson ist Inhaberin eines Handelsunternehmens. Sie beschäftigt sieben Mitarbeitende und qualifiziert sich somit als Mikro-Firma. Ihre Meinung ist klar: «Small Business Rising ist fundamental anti-unternehmerisch. Es täuscht nur vor, Wettbewerb zu wollen. Was sie aber verlangen, ist Protektionismus und Planwirtschaft.»

«Grosse benutzen oft ihre Macht, um KMU mittels mehr regulierung in schach zu halten.»

Tara Smith, Professorin an der Universität Texas in Austin, sieht es ähnlich: «Noch nie haben striktere Regeln den Kleinunternehmen genutzt. Das Rising-Netzwerk will ein strengeres Kartellrecht. Doch gerade das Kartellrecht zeigt, wie sich strengere Regeln zu Ungunsten der KMU auswirken.»

Gilt auch für die Schweiz

Die Beobachtung von Smith gilt auch für die Schweiz. Mehr oder striktere Regulierung bedeutet mehr Kosten für die Unternehmen. Aufgrund ihrer kleineren Struktur wirken sich diese Kosten auf KMU relativ stärker aus denn auf Grossunternehmen. Das führt wiederum zu einem Wettbewerbsvorteil zu Gunsten der Grossen. Das sieht man exemplarisch an der Maschinenindustrie und am Finanzplatz. In den letzten zehn Jahren wurden beide Branchen immer mehr und strikter reguliert. In beiden Branchen kann man deutlich die Tendenz zur Konzentration auf Grossunternehmen ausmachen.

Aber auch im geltenden Kartellgesetz kommt diese Tendenz klar zum Ausdruck. Seitdem die Gerichte ihre Praxis verschärft haben, sind KMU überproportional oft von Sanktionen betroffen.

Nicht alles falsch

Die Forderungen von «Small Business Rising» sind hanebüchen, und sie kaprizieren sich in romantischer Naivität – oder einfach in egoistischem Protektionismus. Trotzdem macht das Netzwerk eine Beobachtung, die von Bedeutung ist. Und das gilt auch für die Schweiz: Grossunternehmen, ob online oder offline, benützen oft ihre Macht, um die Politik zu beeinflussen. Oft kommt es vor, dass sie, statt im Wettbewerb zu bestehen, versuchen, die Spielregeln zu ändern. Und das zu Ungunsten der KMU. Anders formuliert: Grossunternehmen haben erkannt, dass Regulierung ihnen nützt. Entsprechend treten sie politisch dafür ein. Ein solches Vorgehen beobachten wir auch in der Schweiz.

Regulierungskosten senken

Wie kann man dagegen vorgehen? Indem man – so, wie es der Schweizerische Gewerbeverband sgv seit Jahr und Tag tut – die Senkung unnötiger Regulierungskosten ohne Kompromisse von der Politik einverlangt. Denn weniger Regulierungskosten ist mehr Wettbewerb, und Wettbewerb ist gut für alle – insbesondere auch für KMU.

Henrique Schneider,

Stv. Direktor sgv

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