Publiziert am: Freitag, 9. März 2018

Geduld ist das wichtigste Gut

PRIVATDETEKTIVE – Film, Fernsehen und Literatur prägen das Bild von Privatdetektiven in der Öffentlichkeit. Die Realität präsentiert sich weit weniger spektakulär. Gefragt ist in erster Linie seriöse Informationsbeschaffung, sagt FSPD-Präsident Fritz Nyffeler.

«Null Komma gar nichts!» – kein Zweifel, Fritz Nyffeler, Präsident des Fachverbands Schweizerischer Privat-Detektive (FSPD), begleitet die Frage, wie viel denn seine Arbeit mit derjenigen von Matula, Magnum oder Hercule Poirot zu tun hat, durch seine mittlerweile fast 50 Jahre dauernde Tätigkeit als Privatdetektiv. Und es ist ihm ein grosses Anliegen, ein realistisches Bild der Arbeit eines seriösen Ermittlers zu zeichnen.

Denn Privatdetektive dringen weder mit Kreditkarte oder Dietrich bewaffnet in Häuser ein, noch liefern sie sich Verfolgungsjagden mit Verdächtigen. Stattdessen ist Geduld ihr oberstes Gut, sind Kleinarbeit und Gespür gefragt. Privatdetektive beobachten und observieren, sie lesen, recherchieren und analysieren. Stück für Stück setzen sie ein Puzzle zusammen, das dem Auftraggeber seinen Verdacht bestätigt – oder eben auch nicht.

Wirtschaftskriminalität im Fokus

Wer sind diese Auftraggeber? «In früheren Jahren ging es sehr häufig um Scheidungen. Doch mit der Änderung des Scheidungsrechts 1998 hat sich das geändert. Wenn das Verschulden keine Rolle mehr spielt, bringt es auch nichts, das Fremd­gehen eines Partners nachzuweisen», sagt Nyffeler. Zwar gibt es auch heute noch Aufträge in diese Richtung, und auch vermisste oder untergetauchte Personen sollen aufgespürt werden. Doch seriöse Detekteien, wie sie im FSPD zusammen­geschlossen sind, beschäftigen sich hauptsächlich mit Wirtschaftskriminalität. Dazu sind Patentverletzungen, Fälschungen, Werks- und Wirtschaftsspionage ebenso wie Versicherungsbetrug und Diebstahl zu zählen.

Ermitteln in der Grauzone

Auch Sozialämter gehören häufig zu den Auftraggebern. Die Deliktsummen beim Missbrauch von Sozial­hilfe belaufen sich schnell mal auf Zehntausende von Franken. In solchen Fällen agieren die Ermittler in einer rechtlichen Grauzone. Denn 2016 kam der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in einem Unfall­versicherungs­fall zum Schluss, dass die Observation von Sozialhilfebezügern mithilfe von Privatdetektiven gegen das Recht auf Schutz des Privatlebens verstösst. Das Parlament in Bern 
beschäftigt sich nun mit der Frage, ob und wie Unfall- und Sozial­versicherungen die Überwachung 
vermeintlicher Betrüger anordnen dürfen.

Grundsätzlich ist aber klar, was ein Privatdetektiv darf und was nicht – nämlich nicht mehr als eine Privatperson auch. «Als Privatperson dürfen Sie nicht über eine Mauer steigen und so auf ein Privatgrundstück vordringen, das ist Haus­friedens­bruch. Also begeht bei solchem Tun auch ein Privatdetektiv Hausfriedensbruch», sagt Nyffeler – auch wenn er weiss, dass es nicht alle Privatdetektive so genau nehmen.

Kein «eidg. dipl. Privatdetektiv»

Deshalb hat er sich auch über viele Jahre für ein Konkordat für private Sicher­heits­leistungen eingesetzt. Das Vorhaben scheiterte. Heute kennen zwar 14 Kantone eine Bewilligungspflicht für Privatdetektive, was aber letztlich über deren Geschäftsgebaren nur wenig aussagt. Kommt dazu, dass Privatdetektiv kein anerkannter Beruf ist. Es gibt keine Möglichkeit, eine staatliche Berufsausbildung zum Privatdetektiv zu absolvieren. Für Nyffeler ist diese Situation ein Freipass für unseriöse Anbieter und mit ein Grund, warum der FSPD verhältnismässig wenig Mitglieder zählt. Der Verband nimmt nur auf, wer einen unbescholtenen Ruf geniesst, eine Rechtskundeprüfung besteht und sich an die Standesregeln hält.

An Anbietern von Kursen für Privatdetektive mangelt es derweil nicht. Deren Wert ist allerdings umstritten. Manch schweizerische Ausbildungsstätte ist schon oft kritisiert worden, hauptsächlich wegen der hohen Ausbildungskosten für wenig Leistung. «Mit etwas Theorie, einer Abschlussprüfung und einem völlig wertlosen Ausweis wird man nicht Privatdetektiv. Das ist reine Geschäftemacherei», erklärt Nyffeler.

Der FSPD empfiehlt denn auch einzig Kurse bei der Zentralstelle für die Ausbildung im Detektivgewerbe (ZAD) in Berlin. Dort stehen derzeit zwei Ausbildungsvarianten zur 
Disposition: einerseits diejenige als «geprüfter Detektiv», andererseits ein Kaufhausdetektiv-Seminar.

Falsche Vorstellungen

Viele Privatdetekteien verschwinden so schnell wieder vom kleinen Schweizer Markt, wie sie gekommen sind, weil sie mit falschen Vorstellungen einsteigen – und vor allem auch ohne finanzielle Reserven. «Den meisten Einsteigern ist nicht bewusst, wie teuer der Aufbau einer Detektei ist. Sie brauchen ein Startkapital von mindestens 250 000 Franken», rechnet Nyffeler vor und fährt fort: «Sie benötigen ein Büro, Überwachungsequipment, zwei bis drei Fahrzeuge und vieles mehr. Dazu kommen die Sozialversicherungs­beiträge. Ganz zu schweigen davon, dass sie davon ausgehen müssen, in den ersten zwei Jahren nichts zu 
verdienen.»

Nyffeler hat den Einstieg über eine jahrelange Tätigkeit als Mitarbeiter in einer Detektei geschafft und sich fast fünf Jahrzehnte im Geschäft gehalten. Er kann es sich heute leisten, nur noch ausgesuchte Aufträge anzunehmen. Hat er den Schritt je bereut? «Nein, die Arbeit ist spannend und abwechslungsreich. Gleichzeitig kann es aber auch der langweiligste Beruf der Welt sein.» Patrick Gunti

DAS IST DER FSPD

International 
vernetzt

Der FSPD ist der älteste Berufsverband für Privatdetektive in der Schweiz. Gegründet wurde er 1952 unter dem Namen Vereinigung Schweizerischer Privat-Detektive, seinen heutigen Namen erhielt er 1970. Bereits 1964 gründete der FSPD zusammen mit dem Bundesverband Deutscher Detektive und dem Österreichischen Detektiv-Verband die Internationale Kommission der Detektiv-Verbände. Die IKD agiert als Dachorganisation der Europäischen Berufsverbände und vertritt mit 18 angeschlossenen Landesverbänden die Interessen der Privatdetektive auf EU-Ebene. Bereits im Jahre 1952 war es ein erklärtes Ziel der FSPD-Gründungsmitglieder, den Qualitätsstandard in diesem nichtregulierten Beruf zu erhöhen. Diese minimalen Standards sind heute noch gültig.