Publiziert am: 13.05.2022

Genau hinschauen lohnt sich

ANFORDERRUNGSPROFILE – Das vor über zehn Jahren vom Schweizerischen Gewerbeverband sgv initiierte Projekt wächst. Dank der Aufnahme körperlicher und sozialer Aspekte können die Anforderungen der Berufe nun noch differenzierter dargestellt werden.

FĂĽr Jugendliche ist der Einstieg in eine Berufsausbildung eine grosse Herausforderung. Dabei sind sie auf Orientierungshilfen angewiesen, die aufzeigen, was Betriebe und Berufsfachschulen von ihnen erwarten. Hier kommen die Anforderungsprofile zum Zug: Sie illustrieren, welche schulischen Anforderungen erfĂĽllt sein mĂĽssen, damit die Lehre gelingt.

Was sind Anforderungsprofile?

Vor ĂĽber zehn Jahren lancierte der sgv das Projekt in Kooperation mit der kantonalen Erziehungsdirektorenkonferenz EDK und erarbeitete die Profile zusammen mit ĂĽber 500 Experten aus Berufspraxis und Berufsfachschulen.

Nebst den Anforderungen in den Schulfächern Mathematik, Naturwissenschaften, Schul- und Fremd-sprache verfügen die Profile auch über Beschreibungen des Berufsalltags. So erfahren die Jugendlichen, wie die in der Schule vermittelten Kompetenzen im Beruf angewendet werden.

Die Anforderungsprofile eignen sich auch fĂĽr den Vergleich von verschiedenen beruflichen Grundausbildungen. Dabei zeigt sich, in welcher Anforderung sich die Berufe unterscheiden.

Primär sind die Anforderungsprofile aber als Orientierungshilfe, nicht als Selektionsinstrument zu verstehen. Eine Anforderung nicht ganz zu erreichen, soll nicht ausschliessen, sondern anspornen, die Lücke zu schliessen.

Was ist neu?

Die dreisprachige Webseite wird laufend weiterentwickelt. Zum einen sind die Beschreibungen nun gendergerecht formuliert. Pro Beruf gibt es Arbeitsbeschreibungen mit weiblichen und männlichen Lernenden. Dadurch können die Zielgruppen noch direkter angesprochen werden.

Zum anderen wurden die Profile mit weiteren Anforderungen ergänzt. Dabei geht es um körperliche Anforderungen wie motorische Fähigkeiten, aber auch um persönliche Anforderungen wie beispielsweise emotionale Belastbarkeit oder Teamfähigkeit. Für Jugendliche wird damit die Suche nach dem passenden Beruf noch spannender und die Beurteilung, ob der Beruf passt oder nicht, noch einfacher.

Jetzt Profile ergänzen!

Doch nicht nur für Jugendliche im Berufswahlprozess sind die Anforderungsprofile eine wertvolle Orientierungshilfe. Auch für Verbände und Lehrbetriebe leisten sie einen grossen Mehrwert.

Ein allgegenwärtiges Problem auf dem Arbeitsmarkt ist der Fachkräftemangel. Diesem können die Anforderungsprofile entgegenwirken, indem die Zahl der Lehrstellenabbrüche reduziert wird. Denn diese kommen häufig dann vor, wenn die Vorstellungen über den Beruf und dessen Anforderungen nicht mit der Realität übereinstimmen. Dank einer frühzeitigen und gezielteren Orientierung kann es somit gelingen, junge Talente mit den für sie geeigneten Berufen zusammenzubringen. So kann nicht nur die Zahl der Lehrabbrüche verringert werden, es kann auch ganz generell mehr qualifiziertes Fachpersonal ausgebildet werden.

Momentan fehlen bei verschiedenen Berufen die Beschreibungen zum Arbeitsalltag. Auch die körperlichen und persönlichen Anforderungen gilt es noch bei vielen Berufen zu ergänzen. Die Berufsverbände sind daher aufgerufen, ihre Profile zu aktualisieren und zu vervollständigen.

Michèle Lisibach, Ressortleiterin sgv

Mehr Informationen

www.sgv-usam.ch/schwerpunkte/bildungspolitik oder direkt unter der folgenden Website:

www.anforderungs-profile.ch

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