Publiziert am: 24.06.2016

Gerechter Wettbewerb

SWISSCOFEL – Die Früchte- und Gemüsebranche ist gut aufgestellt. Sie sieht den wirtschaftlichen Wandel als Chance und die Internationalisierung der Märkte als Herausforderung.

Früchte und Gemüse sind heute gerade im Zusammenhang mit gesunder Ernährung im Trend. «Der Konsum hat zugenommen und damit auch der Marktanteil an inländischen Produkten. Allerdings ist der Verbrauch in Kilo pro Kopf stagnierend», erklärt swisscofel-Geschäftsführer Marc Wermelinger. Die Branche sei sehr innovativ und investiere auch viel in neue Produkte und nachhaltige Lösungen wie beispielsweise durch Fernwärme geheizte Gewächshäuser, Automatisierungen oder Softwarelösungen im Bereich Logistik. In der Branche hat im Laufe der Jahre ein Konzentrationsprozess stattgefunden. «Neue Discounter haben den Strukturwandel stark beeinflusst», sagt Wermelinger. «Die kleineren Geschäfte sind rückläufig, während grös­sere Einheiten im Aufschwung sind. Es gibt tendenziell viele Produzenten, die direkt mit dem Detailhandel ihre Ware vermarkten.» Heute seien beim Importhandel weniger Spezialisten gefragt, sondern vielmehr breites Wissen und eine breitgefächerte Produktepalette. «Dies bedingt hohe Anforderungen und grosse Kompetenzen», so Wermelinger.

«Wir wollen keine marktverzerrenden Regeln im Wettbewerb.»

Heute will sich swisscofel zu einem «Integrierten Branchenverband» entwickeln. Dazu Wermelinger: «Die Synchronisation und Kooperation vom Produzenten bis zum Konsumenten sind wichtig. Alle Beteiligten der gesamten Kette müssen im System integriert werden. Denn wir sind alle aufeinander angewiesen und können nur gemeinsam erfolgreich auf dem Markt bestehen.»

Gleich lange Spiesse für alle

Was die wirtschaftlichen Anliegen des Verbandes betrifft, so setzt swiss­cofel auf einfache Spielregeln. «Wir sind da auf der Linie des Schweizerischen Gewerbeverbandes sgv und wollen keine marktverzerrenden Regeln im Wettbewerb. Ebenso befürworten wir eine dringende Entlastung im administrativen Bereich», betont Wermelinger. Beispielsweise könne man die Preismeldepflicht für die Marktbeobachtung des Bundes abschaffen. In der Agrarpolitik hat gemäss Wermelinger die Strukturpolitik zu viel Gewicht gegenüber der Marktpolitik. «Wir müssen nahe am Markt sein, nur so können sich alle Akteure schnell und flexibel an die Marktbedürfnisse anpassen», konkretisiert Wermelinger und ergänzt: «Wir sind der Meinung, dass sich Bund und Parlament auf die Definition von Zielen für die Landwirtschaft fokussieren und es der Branche überlassen sollte, diese Ziele zu erreichen.» Hingegen gut funktionierten die praxisnahen Importregelungen. «Wir brauchen auch hier Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, den Markt täglich mit qualitativ hochstehenden und frischen Produkten zu versorgen. Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung und Handel sind dabei untrennbar voneinander abhängig», so Wermelinger. Produkte, die in der Schweiz nicht produziert würden, könnten ­jederzeit frei importiert werden.

Ressourcenschonender Umgang

swisscofel fordert auch einen vernünftigen und ressourcenschonenden Umgang mit dem Kulturland. Das Thema müsse gesamtheitlich angegangen werden. «Ganz wichtig ist, dass es im Bodenrecht zu keinen wettbewerbsverzerrenden Regeln kommt. Freiheiten und Einschränkungen für gewerbliche Aktivitäten müssen darum für Landwirtschafts- und Gewerbebetriebe in gleichem Mass gelten», fordert Wermelinger. Ein wichtiges Thema ist für swisscofel die Vermeidung von Foodwaste. «Die Verschwendung von Lebensmitteln ist weder ethisch noch wirtschaftlich vertretbar», sagt Wermelinger. Der Verband arbeitet daher aktiv in Arbeitsgruppen des Bundes mit. Gefördert werden auch Lösungen, die eine unkomplizierte und kostenlose Abgabe von Früchten und Gemüse an Hilfsorganisationen möglich machen.

«Wir müssen nahe am Markt sein, nur so können sich alle Akteure schnell an die Marktbedürfnisse anpassen.»

Eine wichtige Rolle spielen für den nationalen und internationalen Handel von Früchten und Gemüse die Qualitätsnormen. «Nur mit einheitlichen Definitionen kann der Handel ermöglicht werden und der Markt spielt. Schliesslich muss das Produkt diejenige Qualität aufweisen, die der Konsument bereit zu kaufen ist», sagt Wermelinger. Entsprechend werden mit Labels besondere Bestimmungen des Anbaus und des Handels für den Konsumenten sichtbar gekennzeichnet. Dazu gehören unter anderen 
SUISSE GARANTIE, die BIO Knospe oder IP-SUISSE.

Aus- und Weiterbildung

Ein Kernthema ist die Aus- und Weiterbildung. Der Verband organisiert und begleitet hier die Basisausbildung der Früchte- und Gemüsepraktiker sowie die Berufsprüfung zum Früchte- und Gemüsehandelsspezialisten. Zudem werden auch Kaderkurse und fachspezifische Kurse angeboten.

Zu den grossen Herausforderungen des Verbandes gehört der Einkaufstourismus. Dabei kritisiert der Verband, dass Beschränkungen für zoll- und mehrwertsteuerfreie Einfuhren herabgesetzt, Automaten zur Rückerstattung der ausländischen Mehrwertsteuer aufgestellt und Steuergelder für den öffentlichen Verkehr zum Einkaufstourismus eingesetzt werden. «Die Freimengen mit bis zu 300 Franken sind gross. Wer eh schon im Nachbarland einkauft, nimmt auch Früchte und Gemüse mit. Es ist eine Tatsache – was dort gekauft wird, wird hier in der Schweiz nicht gekauft», gibt Wermelinger zu bedenken. Zudem erhöhe der Einkaufstourismus die Preissensibilität der Kunden. «In der EU kosten Früchte und Gemüse einen Drittel weniger.» Die Frankenstärke habe den Einkaufstourismus noch begünstigt. «In der Wahrnehmung der Konsumenten sind Schweizer Produkte teurer. Deshalb müssen wir qualitativ besser sein», so Wermelinger.

Auch die Digitalisierung hat in der Branche längst Einzug gehalten. Allerdings sei der Internetverkauf verschwindend klein. Dazu Wermelinger: «Die Früchte- und Gemüseabteilung ist die Visitenkarte des Ladens. Gekauft wird in der Regel nach optischer Begutachtung. Auswahl, Frische, Qualität und Preis spielen dabei eine Rolle.» Er sieht in der Branche noch viel Potenzial: «Unsere Produkte entsprechen dem heutigen Lifestyle mit gesunder Ernährung, Fitness, Idealwicht usw. Zudem bieten wir den Konsumenten mit den vielen verschiedenen Produkten eine unglaublich breite Auswahl und Vielfalt.» Die Branche werde noch wachsen, denn das Bedürfnis der Konsumenten sei da.

Corinne Remund

SWISSCOFEL KURZ ERKLÄRT

Gesunde Entwicklung

Swisscofel wurde 1999 als Schweizer Verband des Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels gegründet. Um bisherige Doppelspurigkeiten in den getrennten Verbänden der Früchte-, Gemüse- und Kartoffelbranche aufzuheben, hat sich der Handel für alle drei Produktgruppen in einem eigenen gemeinsamen Verband organisiert. Swisscofel will für seine Mitglieder möglichst optimale Rahmenbedingungen schaffen. Zu seinen Aufgaben gehören Informationen über die Marktlage und eine Importregelung, die sicherstellt, dass die Nachfrage stets mit einem ausreichenden Angebot aus dem In- und Ausland gedeckt werden kann. Der Verband sorgt auch für Transparenz über die Preis- und Marktsituation, fördert Qualität und Qualitätssicherung und unterstützt praxisgerechte Logistiklösungen. Ernteschätzungen und Marktbeurteilungen stehen allen Mitgliedern offen. Der Verband sieht sich als Plattform, die vernetzt und verbindet. Swisscofel vertritt zudem die Interessen der Schweizer Wirtschaft bei Behörden und in der Politik und arbeitet eng mit Organisationen der Land- und Lebensmittelwirtschaft zusammen. Zudem pflegt der Verband nationale und internationale Beziehungen und ist auch Ansprechpartner für die Öffentlichkeit. Eine wichtige Aufgabe ist zudem die Aus- und Weiterbildung mit spezifischen Kursen.

Steigende Mitgliederzahl

Der Verband zählt rund 170 Mitglieder, 90 Prozent davon sind KMU. Sie stammen aus dem Detail,- Gross- und Importhandel. Ebenso gehören Hersteller von Schnittsalaten und Convenience-Produkten, landwirtschaftliche Genossenschaften sowie lokale Grossisten dazu. Zusätzlich zu den Handelsfirmen sind vermehrt auch Gemüseproduzenten mit eigenem Handel und landwirtschaftliche Vermarktungsplattformen hinzugekommen. Die Mitgliederzahl steigt von Jahr zu Jahr. Die Mitgliederfirmen generieren jährlich mit Früchten, Gemüse und Kartoffeln einen Umsatz von über vier Milliarden Franken. Dies entspricht rund 86 Prozent des gesamten Handelsvolumens mit diesen Produkten in der Schweiz. Rund 12 000 Beschäftigte arbeiten in Handel, Verarbeitung und Verkauf der Früchte-, Gemüse- und Kartoffelbranche. CR