Publiziert am: Freitag, 9. Februar 2018

Gut geplant ist halb bezahlt

FLOTTENMANAGEMENT – Rund 155 000 Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr als Geschäftswagen in Verkehr gesetzt. Das 
bedeutet, dass etwa die Hälfte aller immatrikulierten Fahrzeuge mit Flottenrabatt über den Tisch gingen.

Grundsätzlich sind fast alle Autos – von Coupés und Sportwagen einmal abgesehen – für den Einsatz als Firmenfahrzeug geeignet. Leider gibt es in der Schweiz keine Statistik, welche genauere Zahlen liefert.

Seit die Amag (Audi, Seat, Skoda, VW und VW Nutzfahrzeuge) vor einigen Jahren erfolgreich in das Flottengeschäft eingestiegen ist, sind die Immatrikulationen in die Höhe geschnellt. Das hat Premiumanbieter (Volvo, Mercedes-Benz und BMW) gezwungen, mit attraktiven Flottenangeboten nachzuziehen. Grosskunden (12 Autos aufs Mal oder mind. 5 im Jahr) können beispielsweise mit Rabatten von 20 bis über 40 Prozent rechnen. Die häufig sehr aggressiven Angebote lassen den Schluss zu, dass sich diese Fahrzeuge entsprechend schnell im Wert vermindern. Opel – lange Zeit der führende Flottenanbieter –, Renault und Ford holen sich ihre Flottenkunden bei Grosskonzernen, oft sogar länderübergreifend.

Versicherungen meistens dabei

Es gibt viele Organisationen, darunter auch Fachhochschulen, die mit einzelnen oder mehreren Importeuren ein Rahmenabkommen aushandeln, um den fahrbaren Untersatz günstig anzuschaffen. Besondere Verträge regeln auch die Fahrzeugbeschaffung von Mietwagenfirmen und Taxiunternehmen. Dadurch, dass der Importeur den Deal abschliesst, entlastet er den Handel auch beim Rücklauf der Fahrzeuge, die über verschiedene Kanäle veräussert werden.

Wer aus lauter «Gewohnheit» Mitglied bei einem Verkehrsclub (TCS, ACS) ist, sollte sich fragen, ob dies noch nötig ist, denn bei Neuwagen ist in der Regel eine Mobilitätsversicherung für mehrere Jahre im Kaufpreis eingeschlossen. Man muss sich einzig an die dort definierten Bestimmungen (regelmässiger Service) halten. Nach Ablauf der Werksgarantie gibt es meist die Möglichkeit, gegen Bezahlung ein oder zwei Jahre anzuhängen.

Auffallend war bei unseren Recherchen, dass leichte Nutzfahrzeuge durch den Importeur zu extrem günstigen Preisen direkt angeboten werden. Das heisst, dass der lokale Vertreter mehr oder weniger leer ausgeht. Die Flottenautos werden also auch als Mittel zur Marktüberflutung genutzt, damit soll der Marktanteil erhöht werden. Der lokale Markenhändler wird entsprechend freundlich auf den ersten Wartungsauftrag warten.

Finanzierung prüfen

Klar, die ehrlichste Variante, ein Fahrzeug anzuschaffen, ist nach wie vor die Barzahlung. Berateraufwand und Garantieleistungen sind genau definiert. Auch Rabatte sind gang und gäbe, aber die Besitzverhältnisse sind anders. Während ein Miet- oder Leasingauto nie dem Benutzer gehört, hat das bezahlte Fahrzeug einen Inventarwert. Zudem kann es so lange gefahren werden, bis sich eine Reparatur nicht mehr lohnt. Dies ist insbesondere bei Spezialfahrzeugen wichtig, da diese häufig nicht so ­viele Kilometer abspulen und oft nur schwer einen Nachkäufer finden.

Will der Betrieb allerdings nichts mit den Fahrzeugen zu tun haben, dann lohnt es sich, verschiedene Leasingangebote einzuholen. Es gibt viele Optionen, aber immer wieder stellt sich das Full-Leasing im Nachhinein als die günstigste Variante dar. Einerseits, weil mit fixen Fahrzeugkosten kalkuliert werden kann, andererseits ist der zeitliche Aufwand sehr gering. Nach Ablauf der vereinbarten Dauer wird rechtzeitig ein neues Angebot gemacht, so dass der Betrieb lückenlos mobil bleibt.

Für die Kasse und die Umwelt

Unternehmen mit einem grossen Fahrzeugpark können zusätzlich sparen. So bietet beispielsweise der Kanton Bern ab 50 000 Franken Fahrzeug-Steuersubstrat einen Rabatt von zehn Prozent. Andere Kantone kompensieren das höhere Gewicht von Elektroautos (Batterie) durch erkleckliche Vergünstigungen bei den Steuern. Der Föderalismus treibt mitunter sogar seltsame Blüten, indem da und dort versucht wird, die Steuerentlastungen bei den Effizienzkategorien A und B durch Malus­systeme bei den höheren Kategorien zu kompensieren.

Nur wer sorgfältig die Reglemente in seinem Kanton studiert, kann die optimalen Entlastungen erwirken. Und was gut ist für die Kasse, ist auch gut für die Umwelt. Denn eine CO2-freundliche Gas-, Elektro- oder Hybridflotte wird auch von den Kunden wahrgenommen, was mit einem höheren Image gewertet werden kann. Wer allerdings seinen Geschäftssitz wegen etwas günstigeren Bedingungen in einen anderen Kanton verlegen will, sollte sich dies gründlich überlegen…Roland Hofer