Publiziert am: Freitag, 3. Oktober 2014

Gute Ideen allein reichen leider nicht aus

Die Hotellerie und der Tourismus beklagen sich zu Recht über schwierige Konditionen. Nein, das Wetter können wir nicht beeinflussen. Wir mögen den Regen bedauern, denn Schweizer Touristen verreisen bei schlechtem Wetter nicht spontan in die Berge. Optimisten würden zwar ins Feld führen, Asiaten und die Bevölkerung der arabischen Welt liebten Regen und würden sich belustigt ins Freie stellen und es lachend geniessen, begossen zu werden. Leider vermögen Asiaten die Einbussen im Tourismus durch Einheimische und Europäer nicht wett zu machen. Es kann daher nicht darüber hinweg täuschen, dass nebst den Klimaverhältnissen auch andere Unwägbarkeiten die Zahlen verschlechtern.

Gleichzeitig floriert der Einkaufstourismus. Die harte Wahrheit dazu gleich vorne weg: Die Auslandeinkäufe betragen total 10 Milliarden Franken. Diese Zahl setzt sich zusammen aus Online-Einkäufen 1,2 Milliarden, gezieltem Einkauf im Ausland 5 Milliarden und 3,8 Milliarden für Ferien, Besuche, Geschäftliches oder Ausflüge. Das muss uns zu denken geben. Und es bereitet mir grosses Bauchweh.

Mit unseren hohen Preisen haben wir es schwer, im Wettbewerb mit den angrenzenden Ländern zu bestehen. Es kann uns nicht helfen, dass beispielsweise die Fleischpreise in der Schweiz für unsere Gastronomie und Hotellerie 60 Prozent höher sind als jene in Österreich und sich so rasch jedes Menu verteuert. Es kann auch nicht helfen, dass der Schweizer Franken nach wie vor hoch ist und eben, ja, es kann auch nicht helfen, wenn zudem der Wettergott nicht mitspielt. All das beklagen wir. Wir haben Empathie für die kämpfende Tourismus-Industrie. Damit hat es sich dann aber oft auch schon.

Viele von uns, mindestens jene, die in Grenznähe wohnen, gehen aus wirtschaftlichen Gründen im nahen Ausland einkaufen und auch im nahen Ausland in die Ferien. Niemand kann es ihnen verübeln, dass sie versuchen, Geld zu sparen. Allen muss aber klar sein, dass Einkaufstourismus erhebliche Umsatzeinbussen bei den Schweizer Verkäufern bewirkt. Viele Politiker haben gute Ideen, wie Einkaufstourismus bekämpft werden könnte. In der Umsetzung bedeuten die gut gemeinten Ansätze aber leider oft nur Symptombekämpfung. Schlimmer noch: Die Abschaffung der Mehrwertsteuerrückvergütung zum Beispiel bestraft die Einkäufer beim Zollübergang in die Schweiz. Was wir wollen, ist das Problem an der Wurzel zu packen.

Wir wollen den Standort Schweiz stärken, denn damit schützen wir unsere Arbeitsplätze:

Dies kann unter anderem gelingen durch Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Konsumenten wollen halt flexibel einkaufen. Viele Arbeitnehmende sind auch bereit, «flexiblere» Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen. Wenn Kunden dann einkaufen können, wenn es ihnen zeitlich entgegen kommt, wenn sie das bei uns können, ist eine Gefahr weniger vorhanden, die dazu verleitet, über die Grenze zum Einkaufen zu fahren.

Ein gesunder Wettbewerb zwischen den Anbietern senkt zudem die Preise. Wettbewerb ist nichts Schlechtes. Stehen wir dazu. Eine konsequente Umsetzung des Wettbewerbsrechts verhindert Preisabsprachen.

Der Heimatschutz in der Landwirtschaft führt dazu, dass Schweizer Grossverteilter teuer im Inland einkaufen müssen. Fleischpreise sind dabei nur ein Beispiel. Daher plädiere ich dafür, dass der Markt schrittweise geöffnet wird. Langfristig ist ein Freihandelsabkommen mit der EU das Ziel.

Ich unterstütze eine flexible, liberale Wirtschaftsordnung. Dass wir die höchsten Löhne haben ist einerseits schön, anderseits aber auch ein Kostenfaktor für Unternehmer, der nicht unterschätzt werden darf. Die Gewerkschaften mögen daher Mass halten in ihren Forderungen. Sie könnten sich sonst selber ins Knie schiessen.

Es ist auch höchste Zeit, dass wir das sogenannte Cassis-de-Dijon-Prinzip richtig leben: Dieses erlaubt die Diversifizierung der Produktepalette in unserem Land, stärkt den Wettbewerb durch Parallelimporte und reduziert die Produktionskosten.

Alles hat seinen Preis, werden Sie sagen. Und Sie haben Recht. Aber die konsequente Stärkung des Schweizer Standorts und der Abbau von technischen Handelshemmnissen statt neuen Hürden hilft uns letztlich allen. Wenn wir zudem noch etwas dienstleistungsorientierter werden und ein Lächeln oder zwei mehr pro Kunde verschenken, dann wäre viel gewonnen. Freundlichkeit kann motivierender sein als günstige Preise. Wir wollen uns doch als Kunden ernst genommen und wertgeschätzt fühlen. Geht es Ihnen nicht auch so? Macht doch viel mehr Spass einzukaufen, in einem entspannten, charmanten Klima – Stress haben wir ja alle im Alltag genug…

*Doris Fiala ist Präsidentin des Kunststoffverbands Swiss Plastics.

 

Die Tribüne-Autoren geben ihre eigene Meinung wieder; diese muss sich nicht mit jener des sgv decken.

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