Publiziert am: 24.03.2017

Herdenbewachung revolutioniert

INNOVATION – Die TECSAG Innovation AG hat mit dem «Alptracker» einen echten Meilenstein zur Überwachung von Herdentieren kreiert.

Alles begann bei einem Gespräch im Technologiezentrum Schwyz mit der Frage: «Können Sie Schafe zählen?» Thorsten Bogner, Managing Director bei der TECSAG und sein Mitinhaber Stefan Aschwanden, machten sich intensive Gedanken darüber. Ihre Idee war es, ein Herdentier-Überwachsungssystem zu entwickeln. 
Dabei machten sie sich die schier 
unendlichen Möglichkeiten des Internets der Dinge zunutze. «Was für 
Geräte funktioniert, sollte auch bei Tieren gehen», so Bogner. In einigen Nachtschichten haben die beiden Männer mit Support der ZHAW Winterthur und anderen innovativen Unternehmen ausprobiert, getüftelt und Pilotversuche gestartet. Schliesslich ist es ihnen gelungen, mit dem sogenannten «Alptracker» das Internet der Dinge auf die Alp zu bringen.

Das Prinzip ist simpel: Schafen wird ein leichter Sender um den Hals gehängt und der Schäfer kann so die Herde zu Hause vom Computer aus überwachen. «Wir haben zahlreiche Feldversuche gemacht und auch viele Schäfer und Viehhirten bezüglich ihrer Bedürfnisse befragt», sagt Bogner. Und er ergänzt: «Die Kundenanforderungen für den Herdentierschutz lagen für die Entwicklung hoch: Sehr geringe Anschaffungs- und Betriebskosten, hohe Zuver-
lässigkeit, Wetterfestigkeit, monatelange Batterielebensdauer, die Möglichkeit der Datenübertragung in 
entlegenen Gebieten und ein online-
Herdenbuch.» Der «Alptracker» 
dokumentiert den Aufenthaltsort 
und das Bewegungsverhalten der 
einzelnen Schafe und stellt dem Schäfer alle Informationen komfortabel auf seinem Computer oder Smartphone dar.

Eigene Basisstation 
zur Kommunikation

Herkömmliche Sender für Einzeltiere wie Katzen oder Hunde, die über das Handynetz kommunizieren, eignen sich nicht für die Überwachung einer ganzen Schafherde. «Unsere Sender kommunizieren mit einer eigens entwickelten Basisstation, die zum Beispiel in einer Alphütte untergebracht ist. Dabei kommt mit LoRa (Long Range) eine neue Funktechnologie zum Einsatz, die für das Internet der Dinge entwickelt wurde», sagt Bogner. LoRa erlaubt die Übertragung von Daten mit hoher Reichweite und gleichzeitig niedrigem Energieverbrauch. Die mögliche Datenrate bei LoRa ist wesentlich geringer als beim herkömmlichen Handynetz und die Reichweite beträgt bis zu 15 km um die Basisstation.

«Unser Produkt stösst auf ein grosses Bedürfnis. Selbst alteingesessene Schäfer interessieren sich dafür. Das Sicherheitsgefühl ist den Schafhirten sehr wichtig», freut sich Bogner. Doch nicht nur die Schäfer sind davon begeistert. Das innovative Überwachungssystem holte bei den Fachjournalisten an zwei Innovations-Messen in Hamburg und München den dritten Platz bei der Prämierung der besten Innovation. Bis im April werden 3000 «Alptracker» produziert. Bogner rechnet, dass in diesem Alpsommer bis zu 2500 Geräte im Einsatz sein werden.

Anfragen aus dem Ausland

Die Nachfrage ist gross, auch aus dem Ausland. «Unseren Kernmarkt möchten wir auf die Schweiz, Österreich, Deutschland, Italien, England, Holland, Spanien und Frankreich beschränken. Wir haben aber schon Anfragen von Brasilien, Australien und Neuseeland 
bekommen», so Bogner. Dies seien aber mit 60 Millionen Schafen in Neuseeland andere Dimensionen. Dafür benötige man auch entsprechende Ressourcen, so Bogner. «Wir sind dort in Verhandlungen für Partnerschaften, aber der Heimmarkt bleibt in der Schweiz.» Vorerst wollen Bogner und sein Partner das Produkt in der Schweiz etablieren und ihre Entwicklungen auch auf andere 
Anwendungsfelder adaptieren. So ist eine Homepage geplant und die innovative Erfindung hat dazu geführt, dass Bogner seine zweite Firma TECSAG Innovation AG gegründet hat. «Wichtig ist, dass wir dabei mit anderen KMU zusammenarbeiten und durch «zentralschweiz innovativ» begleitet werden. Mit gebündelten Kräften werden wir diese Chance packen.» CR