Publiziert am: 20.11.2020

«Ich bin mit Diesel im Blut geboren»

HEIMGARTNER TRANSPORT AG – Das KMU ist seit über 100 Jahren ein zuverlässiger Player in der Transportbranche. Mit der Aargauer Nationalrätin Stefanie Heimgartner übernimmt die 5. Generation das Steuer. Sie will an den bewährten Werten wie Qualität, guten Kundenkontakten und fairem Preis-Leistungs-Verhältnis festhalten und sich so den Herausforderungen der Branche stellen.

Die Crew der Heimgartner Trans-port AG legte im letzten Jahr rund 270 000 Kilometer zurück. Das Aargauer Unternehmen mit Firmensitz in Gebenstorf hat sich im Bereich der Baustellenlogistik bestens positioniert. Das KMU ist seit über 130 Jahren im Strassentransport unterwegs – bis in die Vierzigerjahre des vorigen Jahrhunderts unter anderem noch mit sechs Pferden – und verfügt dementsprechend über viel Know-how, Erfahrung und ein grosses Netzwerk in der Branche. Gegründet 1885 von den Gebrüder Heimgartner, hat per 1. Juli dieses Jahr Stefanie Heimgartner das Steuer der innovativen «Fuhrhalterei» übernommen, respektive sie hat den Transportteil vom Immobilienteil getrennt und so die neue Firma Heimgartner Transport AG gegründet. Eine Frau an der Spitze einer Transportfirma ist nicht alltäglich – für die junge Unternehmerin allerdings selbstverständlich und vielleicht auch Vorbestimmung. «Da ich in einer Männerdomäne aufgewachsen bin und nichts anderes kenne, ist dies für mich nicht aussergewöhnlich. Ich bin früher oft selbst gefahren und versuche dies auch jetzt ab und zu noch zu tun. So weiss ich auch, von was ich spreche, es gibt mir Sicherheit und ich habe mir wohl auch gewissen Respekt verschafft.» Und die Aargauer SVP-Nationalrätin (vgl. Kasten) betont: «Ich bin mit Diesel im Blut geboren. Für mich war – wenn wohl auch unbewusst – schon immer klar, dass ich die Firma einmal übernehmen werde.» Die Weichen dazu stellte die junge Frau bereits bei ihrer Lehr­stellenwahl und schlug darauf eine beeindruckende Laufbahn ein. Dabei gelangte sie via KV-Lehre in ­einer Autogarage, anschliessender RS als Motorfahrerin, wo sie den Lastwagenausweis erlangte, sowie einer Weiterbildung zur eidgenössischen Betriebsleiterin Strassentransport in die jetzige Kaderposition.

Viel Erfahrung hat sie ausserdem in einem anderen Transportbetrieb sowie in militärischen Auslandeinsätzen gesammelt. Der Familienbetrieb hat indessen die Firmennachfolge in einer ungewöhnlichen Zeit gut gemeistert. «Ich hatte stets ein unterstützendes Umfeld. Mein Vater hat nie Druck ausgeübt, es war ihm stets wichtig, dass ich glücklich bin in dem, was ich mache», sagt die gebürtige Badenerin. Sie will an die bewährte Firmenphilosophie, mit der die vorherigen vier Generation erfolgreich gefahren sind, anknüpfen: «Wir sind seit jeher ein Familienunternehmen – das ist eine Stärke von uns, wir kennen die meisten Kunden über Jahrzehnte persönlich.» Grossgeschrieben im Betrieb ist ein familiärer und freundlicher Umgang mit Kunden und Mitarbeitenden. «Qualität in Form von Zuverlässigkeit und einer sehr geringen Fluktuation schätzt unsere Kundschaft», so Heimgartner.

«Wir sind ein Familienbetrieb – das ist eine Stärke von uns. wir kennen die meisten Kunden über Jahrzehnte persönlich.»

Kranarbeiten, Kipper- und Muldentransporte sind die Kernkompetenzen des Unternehmens. Dazu Heimgartner: «Wir sind im Bereich der Baustellenlogistik tätig und führen Schüttgut.» Der Fuhrpark umfasst Kipper, Welaki, Hakengerät und Kranwagen. «Wir liefern Sand, Kies, Humus usw. und führen Aushub, Grüngut sowie sonstige Abbruchkomponenten ab. Mit dem Kranfahrzeugen sind wir auf Greiferarbeiten spezialisiert, haben aber auch Spezialeinrichtungen wie zum Beispiel eine Baumzange oder einen Personenkorb.» Das Unternehmen ist mit seinen acht Fahrzeugen und neun Mitarbeitenden in erster Linie in der Region unterwegs, bedient aber auch die gesamte Schweiz sowie das angrenzende Elsass.

Als Prüfungsexpertin den Nachwuchs fördern

Qualität und Innovation fliessen im gut verankerten Transportunternehmen ineinander. Ein wichtiger Teil dabei machen die langjährigen Mitarbeiter aus, welche die Firma, die Kunden, die Fahrzeuge und die Region sehr gut kennen. «Dies spiegelt sich in der Qualität wider und sorgt für eine grosse Kundenbindung.» Ebenso wichtig, um die hohen Qualitätsansprüche zu halten, sind Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden. «Unsere Mitarbeiter sind der obligatorischen Chauffeure-Zulassungsverordnung CZV unterstellt und müssen 35 Weiterbildungsstunden innert fünf Jahren absolvieren. Das heisst, dass sie jedes Jahr einen Tag Weiterbildung haben», konkretisiert Heimgartner. Als Prüfungsexpertin bei den Strassenfachmännern/-frauen liegt der 33-Jährigen auch der Nachwuchs in der Branche am Herzen. «Die jährlichen Werkstattprüfungen bei den QV finden jeweils in unserem Betrieb statt.» Früher wurden im KMU Lehrlinge ausgebildet, «doch im Moment ist uns dies aus organisatorischen Gründen leider nicht möglich. Ich hoffe aber, dass wir dies in naher Zukunft wieder anbieten können.»

Corona als Herausforderung

Auch bezüglich Nachhaltigkeit macht sich die Jungunternehmerin immer wieder Gedanken und stellt sich die Frage: «Was ist Nachhaltigkeit? Bestehende Fahrzeug pflegen und möglichst lange im Einsatz lassen oder immer auf die neusten, modernen umweltfreundlicheren Fahrzeuge wechseln?» Dafür hat sie denn auch ein auf ihren Betrieb zugeschnittenes Schnittmuster: «Lastwagen mit einer grossen Kilometerleistung sind bei uns auf dem neusten Stand. Sehr teure, kostenintensive Fahrzeuge, wie zum Beispiel Kranwagen, welche auch wenig Kilometer fahren, sind länger im Einsatz. Ich denke wir fahren da einen guten Mix, je nach Einsatzart.» Denn als KMU sei es nicht möglich immer die neusten Techniken auszuprobieren und den Fuhrpark auf dem allerneusten Stand zu halten. Dies gerade auch in der jetzigen unsicheren Situation der Pandemie.

Heimgartner hofft, die Corona-Krise glimpflich zu überstehen. «Glücklicherweise durfte auf dem Bau immer gearbeitet werden. Während des Lockdowns hatten wir teils Lieferengpässe, vor allem aus dem Ausland – aber wir hatten bis jetzt immer Arbeit.» Die engagierte KMU-Frau ist sich jedoch bewusst, «dass künftig nicht mehr gleich locker investiert wird und nun wohl ein paar magere Jahre kommen werden». Sie ist aber auch zuversichtlich, dass das über 100-jährige Unternehmen auch diese Krise meistern wird.

Corinne Remund

www.heimgartner-transport.ch

VON DER STRASSE INS PARLAMENT – eine weibliche Lobby für den STrassentransportGrosse Herausforderungen für die Branche

Noch mehr Stärke und Gehör

Politikerin, Transportunternehmerin und Mandatsträgerin: Stefanie Heimgartner verfügt über eine gehörige Portion Frauenpower und hat sich dabei ganz der Transportbranche verschrieben. Die Aargauerin ist seit dem Dezember 2019 im Nationalrat und im Sommer 2020 hat sie die Heimgartner Transport AG gegründet und damit in der fünften Generation die Transportabteilung der Heimgartner AG übernommen. Ebenso gilt sie als Vorstandsmitglied der ASTAG Aargau als designierte Präsidentin und wird als erste Frau diese Sektion präsidieren. Diese Positionen nützt sie clever für die Anliegen des Transportwesens. «Daraus ergeben sich oft Synergieeffekte. Mein unternehmerisches Wissen kann so in politische Entscheide einfliessen oder Erfahrungen aus dem Politbetrieb erleichtern mir die Ausübung meines Verbandsmandates», erklärt Heimgartner. Den Rückhalt des Strassentransportes im National- und Ständerat hat gemäss Heimgartner noch Potenzial. Sie ist froh, dass im Nationalrat noch echte «Transpörtler» sind und im Ständerat ASTAG-Präsident Thierry Burkhart sitzt.

Grosse Herausforderungen für die Branche

Es seien immer dieselben Themen, die es anzupacken gelte – ganz aktuell die Abklassierung der LSVA, dann aber auch die Kabotage-Problematik und die immer steigende Bürokratie, die allgemein dem Gewerbe immer mehr zu schaffen macht. Der ASTAG windet die Unternehmerin bezüglich Pandemie-Bewältigung ein Kränzchen: «Sie ist in ständigem Kontakt mit dem Bundesrat und informiert die Mitglieder immer zeitnah und kompetent.» Die Herausforderungen für Verband und Branche bleiben aber gross: Stau, Infrastruktur, Preisdruck in grenznahen Gebieten und wie bereits angesprochen die ausufernde Bürokratie und die stetig steigende Abgabelast. «Die Transportbranche ist gefordert, wir dürfen daher nichts unversucht lassen, dem Transportwesen im Parlament noch mehr Gehör zu verschaffen.» CR

www.stefanie-heimgartner.ch

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