Publiziert am: Freitag, 6. März 2015

Im Aufbruch – dank neuem Beruf

GERÜSTBAU – Die Branche hat sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. Der Schweizerische Gerüstbau-Unternehmer-­Verband legt grosses Gewicht auf ein fundiertes Ausbildungsangebot. Darin enthalten ist auch Arbeitsschutz und Sicherheit.

In den letzten Jahren hat sich die Gerüstbaubranche und mit ihr der Schweizerische Gerüstbau-Unternehmer-Verband (SGUV) stark entwickelt. «Seit der Gründung des Verbandes vor 26 Jahren haben wir vieles erreicht. So ist es uns gelungen, mit den Sozialpartnern einen eigenen Gesamtarbeitsvertrag auszuhandeln und eine eigene Lehre zum Polybauer Gerüstbau zu schaffen», freut sich SGUV-Präsident Josef Wiederkehr. «Unsere Mitglieder konnten die Unfallzahlen stark senken, und wir konnten das Bauhandwerkerpfandrecht für die Gerüstbauer stärken. Zudem spielt die Schweiz eine zentrale Rolle im Verband der Europäischen Gerüstbauer, stellen wir doch sogar dessen Präsidenten». Die Mitglieder hätten erkannt, dass sich gemeinsam viel zur Stärkung der Branche erreichen lasse. Als erste Branche hat der Gerüstbau vor einigen Jahren eine allgemeinverbindliche Kaution eingeführt. Diese dient zur Sicherung der Beiträge an den Paritätischen Fonds sowie der gesamtarbeitsvertraglichen Ansprüche der Paritätischen Berufskommission (PBK).

«Ein Gerüstbauer hebt pro Tag drei bis fünf Tonnen Gerüstmaterial.»

Der Gerüstbau ist bezüglich neuer Techniken und Technologien in den letzten Jahren nicht stehen geblieben. Dazu Wiederkehr: «Das Gerüstmaterial ist durch den Einsatz von speziellen Legierungen wesentlich leichter geworden. Dies ist allerdings nur beschränkt nach aussen sichtbar», sagt er und ergänzt: «Ein Gerüstbauer hebt pro Tag durchschnittlich drei bis fünf Tonnen Gerüstmaterial. Leichteres Gerüstmaterial ist handlicher und vereinfacht die Arbeit entsprechend.» Ebenso hätte es wesentliche Veränderungen im Fassadenaufbau gegeben. Auch in Zukunft würden gemäss dem SGUV-Präsidenten durch den Preisdruck und die hohen Sicherheitsansprüche hauptsächlich Innovationen im Bereich der Effizienzsteigerung zu erwarten sein.

Fundierte Aus- und Weiterbildung

Gut ausgebildete Mitarbeitende sind eine wichtige Voraussetzung zur Erstellung sicherer Gerüste. Entsprechend ist für den SGUV ein breitgefächertes Ausbildungsangebot zentral. Hier hat der innovative Verband mit der 2009 ins Leben gerufenen Lehre zum Polybauer Gerüstbau einen wichtigen Meilenstein für die Zukunft gelegt. Nach dem Start ist die Zahl der Lernenden in kleinen Schritten laufend angestiegen. «Heute schliessen 30 bis 40 frisch gebackene Berufsleute pro Jahr ihre Lehre ab», so Wiederkehr. Ein Polybauer mit Fachrichtung Gerüstbau könne nach seiner dreijährigen Ausbildung mit nur einem Zusatzjahr seine Ausbildung um eine der insgesamt fünf Fachrichtungen ergänzen. «Dies ist sehr attraktiv und bietet somit für junge Leute umfassende Ausbildungsmöglichkeiten und interessante Aufstiegschancen», erklärt der Zürcher Unternehmer.

«20 Prozent der Mitarbeiter der Mitgliederfirmen bilden sich jährlich weiter.»

Nach wie vor erfreue sich die Branche ansprechender Lehrlingszahlen. Es zeige sich jedoch immer deutlicher, dass der Kampf um Lernende zunehmend härter werde. «Wir müssen uns noch stärker engagieren, um langfristig den ausreichenden Berufsnachwuchs gewährleisten zu können. Insbesondere in der Romandie besteht diesbezüglich ein Potenzial, das wir besser ausschöpfen wollen», gibt Wiederkehr zu bedenken.

Die Verbände Gebäudehülle Schweiz, PAVIDENSA (Abdichtungen Estriche Schweiz), der Schweizerische Fachverband für hinterlüftete Fassaden (SFHF), der Verband Schweizer Anbieter von Sonnen- und Wetterschutzsystemen (VSR) sowie der SGUV bilden gemeinsam in den Bildungszentren Polybau in Uzwil SG und Polybat im Les Paccots die Lehre zum Dachdecker, Gerüstmonteur, Fassadenbauer und Flachdachbauer aus. Erfolgreich war auch der Auftritt des Gerüstbaus an den Swiss Skills Bern 2014. «Bezüglich Berufswettbewerben wollen wir am Ball bleiben. Sie sind eine gute Plattform, um unseren noch nicht so bekannten Beruf in der breiten Öffentlichkeit vorzustellen», so Wiederkehr.

Auf den verschiedensten Gebieten werden auch laufend Weiterbildungskurse angeboten. «Das Angebot soll künftig ausgeweitet werden. Dies hilft die Qualität der Gerüste zu verbessern», erklärt das Zürcher Kantonsratsmitglied der CVP. «Damit wollen wir einen wesentlichen Beitrag zur Senkung der Unfallrisiken leisten.» Rund 20 Prozent der Mitarbeiter der Mitgliederfirmen würden sich pro Jahr weiterbilden. Damit liege der SGUV diesbezüglich im Branchenvergleich weit über dem Durchschnitt.

Gleich lange Spiesse für alle

Das wichtigste Anliegen für die Gerüstbaufirmen sei die Sicherstellung von guten und fairen Rahmenbedingungen. «Wir wollen gleich lange Spiesse für alle Unternehmer. Es darf nicht sein, dass Gerüste zu Dumpingpreisen angeboten werden können, weil der entsprechende Anbieter sich weder an die Richtlinien der Arbeitssicherheit noch an GAV- Bestimmungen hält», betont Wiederkehr. Wichtig sei, dass der Gesamtarbeitsvertrag auf die Gegebenheiten der Branche zugeschnitten sei. Der Verband ist bezüglich Sozialpartnerschaften allerdings zurzeit gefordert, verwirklicht die UNIA doch ihre eigenen Ideen – beispielsweise mit der Fachstelle Risikoanlayse, welche eine Konkurrenz zur Paritätischen Kommission ist.

«Das rückläufige Bauvolumen wird ZUR Herausforderung.»

Aber auch die Solidarhaftung, die der Bundesrat per 15. Juli 2013 in Kraft gesetzt hat, Bürokratie und unnötige Regulierungen gehören zu den grossen Hürden des Verbandes. In den letzten Jahren sei das Bau­volumen laufend gestiegen. Viele Firmen hätten investiert und neue Unternehmungen seien entstanden, schildert Wiederkehr die heutige ­Situation der Gerüstbaubranche. «Früher oder später wird das Bauvolumen wieder rückläufig. Dies wird auch unsere Branche vor grosse Herausforderungen stellen», so Wiederkehr. Deshalb gelte es, bereits frühzeitig optimale Voraussetzungen zu schaffen.

Corinne Remund

ARBEITSSICHERHEIT – ein grosses Anliegen

Gute Zusammenarbeit mit der SUVA

Der Gerüstbau ist von Natur aus ein gefährlicher Beruf, denn die Arbeiten müssen oft in schwindelerregenden Höhen und unter schwierigen Wetterverhältnissen verrichtet werden. So ist es klar, dass diese Branche anfälliger für Unfälle ist als andere Branchen. «Dennoch ist jeder Unfall einer zu viel. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst», betont SGUV-Präsident Josef Wiederkehr. «So sind der Verband und unsere Mitglieder auf dem Gebiet der Unfallprävention sehr aktiv.»

Neue Kampagne «Stop! Keine Manipulation am Gerüst»

Dazu arbeitet der Verband eng mit der SUVA zusammen und bestreitet gemeinsame Kampagnen. Die aktuellste Kampagne heisst «Stop! Keine Manipulation am Gerüst» und will unerlaubte Abänderungen am Gerüst, die das Unfallrisiko erhöhen, und ihre schwerwiegenden Folgen verhindern. Sie wird am 18. März im Rahmen der GV des SGUV in Olten vorgestellt. So konnten die Unfallzahlen in der Branche in den letzten Jahren kontinuierlich gesenkt werden. «Ganz besonders stolz sind wir, dass unsere Mitgliedsfirmen betreffend Unfallzahlen deutlich besser abschneiden als die Nichtmitglieder», freut sich Wiederkehr.

CR

SGUV KURZ ERKLÄRT

Eine Milliarde Umsatz jährlich

Mit der Gründung des Schweizerischen Gerüstbau-Unternehmer-Verbandes (SGUV) im Jahre 1989 versuchten Gerüstbauunternehmen, die Qualität und das Ansehen der Gerüstbaubranche zu erhöhen. Der nationale Verband entstand aus der Not vieler Gerüstbauer, überhaupt zur Kenntnis genommen zu werden. Mit 158 Mitgliedern sind gut 50 Prozent aller Gerüstbauunternehmungen im Verband organisiert und repräsentieren rund 75 Prozent der knapp 3000 Arbeitnehmenden der Branche. Dabei handelt es sich um KMU von Dreimann-Betrieb bis zu grösseren Unternehmungen. Der SGUV ist der Dachverband von 12 Regionalverbänden. Er unterstützt seine Mitglieder durch ein breites Dienstleistungsangebot. Zu seinen Schwerpunkten gehören die Förderung der Ausbildung, das Zusammenwirken von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie die Vertretung der Berufsinteressen und die Mitwirkung bei der Ausarbeitung von schweizerischen Interessen. Oberstes Ziel ist die Bereitstellung von sicheren Arbeitsplätzen. Seit der Gründung des europäischen Dachverbandes «Union der europäischen Gerüstbaubetriebe (UEG)» engagiert sich der SGUV auch auf europäischer Ebene. Die Branche macht einen jährlichen Umsatz von rund einer Milliarde Franken. CR