Publiziert am: 06.10.2017

«Im frühen Stadium 
beigezogen werden»

helpy-Experte

Auf der Webplattform helpy empfiehlt die Stiftung KMU Schweiz ein Panel an ausgewiesenen Fachexperten zu den wichtigsten Fragestellungen fĂĽr KMU.

Marcel Gross, lic.iur. Rechtsanwalt, LL.M., Partner

Schweizerische Gewerbezeitung: Wirtschaftsrecht und Steuern sind fĂĽr KMU in einem zunehmend komplexen gesetzlichen Umfeld vielfach ein Buch mit Sieben Siegeln. Wie sollen sich KMU hier positionieren?

■ Marcel Gross: Die Flut an Regeln und Vorschriften, welche KMU beachten müssen, steigt stetig an. Wichtig scheint uns, dass die Geschäftsleitung jede eingehende Korrespondenz mit rechtlichem Inhalt sorgfältig anschaut und dann entscheidet, ob die Einholung einer externen Beratung notwendig ist oder nicht. Um dies entscheiden zu können, ist es sinnvoll, dass mindestens eine Person innerhalb der eigenen Organisation dank ihrem Grundwissen oder entsprechender Erfahrung in der Lage ist, diese Triage vorzunehmen.

Was sind typische wirtschaftsrechtliche Herausforderungen fĂĽr KMU?

■ Zu den Schwerpunkten zählen arbeitsrechtliche Fragestellungen, die Ausgestaltung von Verträgen mit Lieferanten, Abnehmern oder anderen Partnern sowie die Abwehr ungerechtfertigter Ansprüche und die Durchsetzung eigener berechtigter Forderungen. Firmeninhaber, Verwaltungsräte und die Geschäftsleitung beschäftigen zudem Themen wie der Schutz vor einer potenziellen Haftung als Organ, die Vorsorge im Hinblick auf den Tod oder den Verlust der Handlungsfähigkeit sowie die möglichst frühzeitige Regelung der Unternehmensnachfolge.

«Die GEschäftsleitung 
sollte korrespondenzen mit rechtlichem Inhalt zuerst sorgfältig prüfen.»

Was mĂĽssen KMU beachten, um ihre Steuerangelegenheiten bestens im Griff zu haben?

■ Das steuerliche Umfeld ist viel rauer geworden. Die verstärkte Suche von kantonalen Steuerbehörden nach zusätzlichen «Einnahmequellen» hat dazu geführt, dass unsere Kunden vermehrt mit unberechtigten Forderungen konfrontiert werden. In diesen Fällen ist es entscheidend, einen Steuerspezialisten beizuziehen, der über das erforderliche Fachwissen verfügt. Häufig lassen sich Probleme dann im Dialog mit der Steuerverwaltung lösen, aber leider muss immer öfter der Rechtsweg eingeschlagen werden, um ungerechtfertigte Ansprüche abzuwehren.

Wie unterstĂĽtzen Sie KMU bei wirtschafts- oder steuerrechtlichen Fragestellungen?

■ Zuerst ist es zentral, dass wir unseren Kunden gut zuhören, um sie, ihre Anliegen und Ziele sowie die konkrete Ausgangslage und Herausforderung umfassend zu verstehen. Nur auf dieser Basis ist es möglich, zielführende und praxistaugliche Lösungsansätze zu erarbeiten und mit dem Kunden zu diskutieren. In der Folge können wir die notwendigen Gespräche mit anderen involvierten Parteien sowie allenfalls Behörden führen, massgeschneiderte Korrespondenz erstellen, Vereinbarungen aushandeln und ausformulieren und die gefundene Lösung umsetzen – ab der Firmengründung bis zur Nachfolgeregelung. Interview: CR

Meist Gelesen