Publiziert am: 02.06.2017

Industrieunternehmen stark im Aufwind

KMU-BAROMETER – Zwischen Januar und April kletterte das Barometer der kleinen und mittelgrossen Unternehmen in der Industrie von –0,39 auf 0,49 Punkte. Auch bei den Dienstleistern verbesserte sich die wirtschaftliche Lage auf breiter Front.

Der starke Anstieg des KMU-Barometers von Januar 2017 bis April 2017 um 0,88 auf 0,49 Punkte war allen Indikatoren zu verdanken. Besonders stark trug der Anstieg des Produktionsniveaus und auch die allgemeine Beurteilung der Aufträge bei den KMU bei. Bei den Grossunternehmen verhalfen ebenfalls sämtliche Indikatoren dem Anstieg von –0,56 auf 1,08 Punkte. Eine deutliche Besserung erfolgte bei den Bestellungseingängen zum Vorjahr sowie der allgemeinen Beurteilung der gesamten sowie auch der ausländischen Auftragseingänge. Die Barometer beider Unternehmensgruppen liegen über dem langjährigen Schnitt. Bei den KMU ist der aktuelle Wert der höchste seit Mitte 2011, bei den Grossunternehmen der höchste seit Mai 2014. Diese verbesserten Aussichten der Industrieunternehmen decken sich auch mit den Einschätzungen der UBS-Ökonomen eines breiter abgestützten Wirtschaftswachstums in diesem Jahr.

Lichtblicke auch bei den 
Dienstleistern

Die Geschäftslage der Dienstleistungsunternehmen hellte sich ebenfalls weiter auf. Zwar hatten die Dienstleister ihre Geschäftslage insgesamt nie als schlecht beurteilt, wie die Industriegrossunternehmen noch im letzten Jahr und die KMU im zweiten Quartal dieses Jahres. Doch der Anteil der Unternehmen im Dienstleistungssektor, deren Einschätzung schlecht ausfiel, verkleinerte sich in den letzten Monaten kontinuierlich. Vor allem bei den Grossunternehmen ist der Anstieg bedeutend, während sich die Beurteilung der KMU in den letzten Monaten nur marginal verbesserte. Diese schlechtere Beurteilung der KMU im Dienstleistungssektor könnte auf die leicht gedämpfte Erwartung der Preise in den nächsten drei Monaten zurückzuführen sein. Die KMU rechnen mit einem deutlicheren Rückgang des Preisniveaus als die Grossunternehmen. Erfreulicherweise erholte sich aber die Ertragslage sowohl der Grossunternehmen wie auch der KMU im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal. Bei den Grossunternehmen ist dies die erste Verbesserung seit Aufgabe der Kursuntergrenze Anfang 2015, bei den KMU sogar seit dem dritten Quartal 2014. Auch die Nachfrage nach Dienstleistungen nahm bei beiden Unternehmensgrössen zu.

Beim Detailhandel – eine der Dienstleistungsbranchen, die am meisten unter der Aufgabe der Kursuntergrenze litt – verbesserte sich die Geschäftslage bei beiden Unternehmensgrössen. Während aber neu die Detaillisten die Geschäftslage als 
befriedigend beurteilten, verringerte sich bei den KMU lediglich der Anteil der Unternehmen, welche die wirtschaftliche Lage als schlecht bezeichneten. Insgesamt wurde die Geschäftslage aber immer noch als schlecht eingeschätzt. Dies widerspiegelte sich auch bei den erwarteten Umsätzen: Die KMU gingen von sinkenden Umsätzen aus, die Grossunternehmen erwarteten hingegen einen Anstieg.

Grosse Divergenz bei den 
Tourismusunternehmen

Im Tourismus drifteten die beiden Unternehmensgrössen weiter auseinander. Während die Grossunternehmen ihre Geschäftslage erstmals seit dem zweiten Quartal als gut beurteilten, hinkten die KMU dieser Entwicklung nicht bloss klar hinterher, sondern die Stimmung verschlechterte sich jüngst sogar wieder. Dies beruht auf der unterschiedlichen Entwicklung bei der Ertragslage, den Umsätzen sowie der Nachfrage.

Im Baugewerbe vermochten die KMU ihre Geschäftslage in den letzten Monaten zu stabilisieren und bei den Grossunternehmen verbesserte sie sich sogar wieder beträchtlich. Diese Verbesserung könnte auf die gestiegenen Aufträge zurückzuführen sein, die bei dieser Unternehmensgruppe das erste Mal seit dem dritten Quartal 2015 wieder stiegen. Jedoch entwickelte sich der Gewinn weiterhin negativ und die Unternehmen erwarteten, dass die Preise weiter sinken. Bei den KMU sieht die Situation etwas düsterer aus. Sowohl die Aufträge wie auch die Gewinne schrumpften im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal. Die befragten KMU rechnen ebenfalls mit weiter fallenden Preisen in den nächsten drei Monaten.

Dienstleistungen: Preisentwicklung

Dienstleistungen: Ertragslage

Dienstleistungen: Geschäftslage

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Industrie: Auftragslage

Industrie: Preisentwicklung

Industrie: Ertragslage

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KOMMENTAR

Preis- und Kostenanpassung

Die Zahlen zeigen es: KMU erwarten weitere Preissenkungen. Damit sie dafür gerüstet sind, erwarten sie auch eine Senkung der eigenen Kosten. Ökonomisch gesprochen heisst dies, die KMU erwarten Produktivitätssteigerung. Leichter gesagt als getan.

Die Produktivität ist das Ergebnis von Output geteilt durch Input. Wird dieses Ergebnis grösser, spricht man von Produktivitätssteigerung. Wenn eine Mitarbeiterin mehr Umsatz (Output) in ihrer Arbeitszeit (Input) generiert, als sie es vor einem Jahr tat, steigerte sie ihre Produktivität. Wenn ein Betrieb den Umsatz des letzten Jahres halten kann (Output) aber die Kosten reduziert (Input), steigert es seine Produktivität. Die Produktivitätssteigerung kann belohnt werden. Im ersten Fall beispielsweise mit einer Lohnerhöhung; im zweiten Fall mit einer Preissenkung, die eventuell zu künftigen Mehrumsätzen führt.

So weit so gut. Die Realität lehrt aber, dass Produktivitätssteigerungen hart sind. Betriebe werden nicht nur auf Leerläufe durchforstet. Oft werden Einkaufspreise neu verhandelt, Verträge angepasst und Mitarbeitende entlassen. Zum Teil werden ganze betriebliche Prozesse neu aufgestellt. Ähnliches passiert auf individueller Ebene. Mitarbeitende müssen sich weiterbilden, sie werden flexibler eingesetzt oder übernehmen neue Aufgaben. Produktivität steigern heisst auch: Die Arbeit neu ausrichten.

Doch was hart ist, zahlt sich aus. Die Schweiz ist eine der produktivsten Wirtschaften der Welt. Schweizer KMU gehören zur Spitze. Dank eines flexiblen Beschaffungs- und Absatzmarktes, dank des Wettbewerbs sind sich die Schweizer KMU gewohnt, sich stetig zu verbessern. Ein wichtiger Motivator ist dabei ihre eigene Verantwortung. Da der Schweizer Staat – zum Glück – keine Industriepolitik betreibt, wissen die Betriebe: Sie sind auf sich gestellt. Und das heisst, sie steigern ihre Produktivität.

Henrique Schneider, 
Stv. Direktor sgv