Publiziert am: Freitag, 6. Juli 2018

Kantonalbanken – ein Asset des Schweizer Finanzplatzes

 

Die Kantonalbanken sind seit Langem ein ­fester Bestandteil des Wirtschaftsgefüges und der ­Geschichte der Schweiz. Die älteste, die Genfer Kantonalbank (BCGE), wurde 1816 gegründet – Napoleon hatte gerade abgedankt. Die jüngste existiert seit 1979, einem Jahr nach der Gründung des neuen Kantons Jura. Sie führten jedoch nicht immer ein friedvolles Dasein. In den 90er-Jahren verschwanden die Kantonalbanken von Appenzell Ausserrhoden und Solothurn von der Bildfläche. Andere konnten sich nach einigen Schwierigkeiten wieder fangen.

Heute gibt es insgesamt 24 Kantonalbanken, die ziemlich gut aufgestellt sind. Durch den täglichen Kontakt mit ihnen ist einem nicht bewusst, wie sie wachsen – ganz wie bei Kindern. Und doch … Während sich die Summe ihrer konsolidierten Bilanzen Ende 2007 auf 371 Milliarden Franken belief, war dieser Wert Ende 2017, also zehn Jahre später, auf 595 Milliarden angestiegen. Bei diesem Wachstum handelt es sich um 224 Milliarden zusätzlicher Mittel, die die Kantonalbanken für die Wirtschaft, zum Beispiel in Form von Hypotheken, Unternehmenskrediten, Unterstützung des Gemein­wesens, bereitgestellt haben. Zu einer Zeit, zu der die internationalen Grossbanken eine Krise von weltweitem Ausmass durchmachten, war ihr Beitrag ganz wesentlich.

 

Vertrauen in die Stabilität der Bank

In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, dass das Bilanzwachstum der Kantonalbanken so harmonisch war, denn es muss mit einer Zunahme des Eigenkapitals einhergehen. Das Eigenkapital der Gesamtheit der Kantonalbanken ist zwischen 2007 und 2017 kontinuierlich von 33,6 auf 48,1 Milliarden Franken gewachsen. Hervorzuheben ist, wie unglaublich wichtig das Eigenkapital für die Bilanz einer Bank ist, weil es als Puffer dient, wenn die Ausschläge im Umfeld zu gross werden. Ein deutlicher Rückgang des Eigenkapitals im Verhältnis zur Bilanzsumme führt zu einer Schwächung der Bank. Durch ihren Schwerpunkt auf einem ausgewogenen Wachstum ist es den Kantonalbanken gelungen, zu bewahren, was für ihre Kunden Priorität hat: Vertrauen, und zwar vor allem das Vertrauen in die Stabilität ihrer Bank.

Dynamischer Bestandteil des lokalen Schweizer Wirtschaftsgefüges

Die Entwicklung der Kantonalbanken innerhalb der letzten zehn Jahre war in vielfacher Hinsicht bemerkenswert. Zunächst ist festzuhalten, dass heute lediglich 13 der 24 Kantonalbanken an der Schweizer Börse kotiert sind. Die Anleger schätzen ihre attraktiven und stabilen Dividenden. Ihre Börsenperformance ist ferner hervorragend: Der gleichgewichtete Gesamtwert der börsenkotierten Kantonalbanken hat zwischen Januar 2008 und April 2018 eine jährliche Rendite von 7,6 Prozent erzielt. Konkret bedeutet das, dass ein Anleger seinen ursprünglich angelegten Betrag mehr als verdoppelt hätte, während der Schweizer Markt (SPI) im gleichen Zeitraum eine jährliche Performance von 4,1 Prozent generiert hat. Die Volatilität der Kantonalbanken betrug in diesem Zeitraum 6,8 Prozent und war damit halb so hoch sie diejenige des Schweizer Aktienmarkts.

Die Kantonalbanken, ob börsenkotiert oder nicht, sind ein wichtiger und dynamischer Bestandteil des lokalen Schweizer Wirtschafts­gefüges. Sie sind bestens mit diesem vertraut, da sie ein Teil von ihm sind. Ihr guter Zustand spiegelt eine pragmatische Unternehmenspolitik wider, die ganz im Gegensatz zur allgegenwärtigen Globalisierung steht. In der aktuellen Situation ist das ein beachtlicher Trumpf für die Anleger.

KMU & Finanzen