Publiziert am: 15.12.2017

KMU auf hohem Niveau unterwegs

KMU-BAROMETER – In der Industrie kletterte das Barometer von Juli bis Oktober von 0,64 auf 0,75 Punkte, bei den grossen Unternehmen von 0,41 auf 0,54 Punkte. Sie liegen beide über ihrem langjährigen Schnitt. Die Dienstleister sind leicht eingebrochen.

Angetrieben wurde der Anstieg des Barometers der kleinen und mittelgrossen Unternehmen (KMU) von -0,64 auf 0,75 Punkte im dritten Quartal von den meisten Subindikatoren. Besonders stark trug eine Erhöhung des Produktionsniveaus zum Vormonat bei und auch die Erwartung einer zukünftig höheren Produktion. Alleine die schlechtere Beurteilung der Auftragsbestände und die tieferen Auftragsbestände zum Vormonat verhinderten ein noch stärkeres Wachstum des Barometers. Bei den Grossunternehmen stieg zwar das Barometer leicht stärker um 0,13 auf 0,54 Punkte, jedoch war das Bild bei den Subindikatoren uneinheitlicher. Negativ wurde das Barometer der Grossunternehmen durch die Subindikatoren Bestellungseingänge zum Vorjahr und Auftragsbestände zum Vormonat beeinflusst. Auf der anderen Seite stiegen das Produktionsniveau sowie die Erwartungen über steigende Bestellungseingänge in den nächsten drei Monaten, und auch das höhere Produktionsniveau stützte das Barometer. Beide Barometer lagen im Oktober über dem langjährigen Schnitt und verbesserten sich seit Anfang Jahr merklich. Das Barometer der KMU lag im Oktober um 1,16 Punkte und dasjenige der Grossunternehmen um 1,12 Punkte höher als zu Jahresbeginn.

Wirtschaftliche Lage bei den Dienstleistern leicht eingetrübt

Im Gegensatz zu den Industrieunternehmen trübte sich die wirtschaftliche Lage bei den Dienstleistern leicht ein. Im Oktober waren keine deutlichen Unterschiede zwischen den KMU und den Grossunternehmen festzustellen. Getrieben wurde diese leichte Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation vor allem durch die nachlassende Nachfrage. Obwohl sich die Einschätzung zur Ertragslage bei den meisten Unternehmen im vierten Quartal immer noch verbesserte, sank dieser Anteil im Vergleich zum dritten Quartal leicht. Die Dienstleister gingen weiterhin von sinkenden Preisen in den nächsten drei Monaten aus. Die Grossunternehmen beurteilten die Preisentwicklung pessimistischer als die KMU.

Die Situation der Detaillisten entspannte sich im Oktober. Die KMU stuften die wirtschaftliche Lage erstmals seit Mitte 2014 wieder als befriedigend ein. Auch bei den Grossunternehmen ging der Aufwärtstrend weiter. Sie stuften die wirtschaftliche Lage ein erstes Mal seit der Aufgabe der Kursuntergrenze wieder als gut ein. Dieser Aufwärtstrend der Grossunternehmen ist unter anderem auch auf eine bessere Einschätzung der Ertragslage im vierten Quartal zurückzuführen. Bei den KMU hingegen verschlechterte sich die Ertragslage weiterhin. Obwohl bei beiden Unternehmensgrössen die Firmen von sinkenden Preisen in den nächsten drei Monaten ausgehen, war bei diesem Subindikator Licht am Ende des Tunnels auszumachen.

Gute wirtschaftliche Lage bei Grossunternehmen im Tourismus

Die Grossunternehmen im Tourismus schätzten ihre wirtschaftliche Lage auch im vierten Quartal als gut ein, allerdings mit rückläufiger Dynamik. Immer noch Mühe mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation bekundeten hingegen die KMU. Hier verschlechterte sich im vierten Quartal die Lage gegenüber dem Vorquartal weiter. Getrieben wurde dieser Abwärtstrend bei den KMU durch eine schwächere Nachfrage und tiefere Umsätze. Bei der Ertragslage hingegen konnten die KMU das Niveau des Vorquartals halten, allerdings auf einem tiefen Niveau. Bei den Grossunternehmen verbesserten sich hingegen alle Subindikatoren.

KMU im Baugewerbe kämpfen weiterhin mit Kostendruck

Die Unternehmen im Bausektor beurteilten die Geschäftslage immer noch als gut, allerdings liess die 
Dynamik auch in dieser Branche im vierten Quartal spürbar nach. Die Geschäftslage verschlechterte sich wegen sinkender Gewinne und einer pessimistischeren Sicht über die künftige Preisentwicklung. Bei den Grossunternehmen verschlechterte sich zudem der Auftragsbestand, während die KMU diesen auf dem Vorquartalsniveau stabilisieren konnten. Architektur- und Ingenieurbüros schätzten die wirtschaftliche Lage im vierten Quartal hingegen etwas besser ein.

Dienstleistungen: Preisentwicklung

Dienstleistungen: Ertragslage

Dienstleistungen: Geschäftslage

n Klein

n Mittel

n Gross

n KMU-
Durch-
schnitt

n Klein

n Mittel

n Gross

n KMU-
Durch-
schnitt

n Klein

n Mittel

n Gross

n KMU-
Durch-
schnitt

Industrie: Auftragslage

Industrie: Preisentwicklung

Industrie: Ertragslage

n Klein

n Mittel

n Gross

n KMU-
Durch-
schnitt

n Klein

n Mittel

n Gross

n KMU-
Durch-
schnitt

n Klein

n Mittel

n Gross

n KMU-
Durch-
schnitt

Kommentar

Der sgv erwartet Wachstum von 1,6 Prozent

Wie in den vergangenen Jahren wagt der Schweizerische Gewerbeverband sgv eine Konjunkturprognose für die KMU in der Schweiz: Für das Jahr 2018 erwartet der sgv ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent. Damit weicht der Dachverband vom Konsens ab, der das Wachstum der Wertschöpfung bei 1,9 Prozent sieht. Zwei Faktoren erklären die Abweichung in der sgv-Prognose: Einerseits ist das Wachstum der inländischen Produktivität eher verhalten. Das hat mit dem guten Gang des Arbeitsmarktes zu tun. Da (beinahe) Vollbeschäftigung herrscht, nimmt der Druck in Richtung Steigerung der Produktivität ab. Die Negativzinspolitik setzt ebenfalls keine Anreize, die Produktivität des Geldes zu erhöhen.

Andererseits profitiert die Schweizer Wirtschaft insgesamt von der anziehenden Weltkonjunktur. Wenn der 
Fokus jedoch auf die KMU gelegt wird, dann übertragen globale Wertschöpfungsketten nicht den ganzen Elan auf die Schweizer Firmen. Diese «Reibungsverluste» entlang der Kette führen zu einer vorsichtigeren Wachstumszahl in der sgv-Prognose.

Neben dem grundsätzlich positiven Basisszenario herrscht Ungewissheit bezüglich der laschen Geld- und Zinspolitik sowie der Verzerrungen und möglicher Blasenbildungen, die damit verbunden sind.

Henrique Schneider,

stv. Direktor sgv