Publiziert am: Freitag, 11. Dezember 2015

KMU stabilisieren die Wirtschaft

KMU BAROMETER – Die wirtschaftliche Lage hat sich im vierten Quartal bei den KMU wie auch bei den Grossunternehmen in der Industrie verbessert. Allerdings liegt das Barometer beider Unternehmensgrössen unter dem langjährigen Schnitt.

In der Krise bewahrheitet sich wieder einmal die These, dass KMU grundsätzlich weniger grossen Schwankungen unterworfen sind als die Grossunternehmen. Dies zeigte sich sowohl in der Industrie wie auch bei den Dienstleistungsbranchen. Das Barometer der KMU verbesserte sich zwischen September und Oktober um 0,25 auf -0,71 Punkte. Das Barometer für die grossen Industrieunternehmen stieg zwischen September und Oktober von -1,10 auf -0,81 Punkte, womit diese die wirtschaftliche Lage schlechter beurteilten als die KMU. Doch bei beiden Unternehmensgrössen liegt der Wert des Barometers immer noch unter dem langjährigen Schnitt von 0,12 Punkten für KMU und 0,15 Punkten für Grossunternehmen.

Industrie: Talsohle durchschritten

Die Industrieunternehmen scheinen die Talsohle hinter sich zu haben. Obwohl die meisten Unternehmen in der Industrie ihre Geschäftslage im vierten Quartal immer noch als schlecht beurteilen, sank dieser Anteil sowohl bei den KMU wie auch bei den Grossunternehmen leicht. Bei den anderen Indikatoren ist die Situation uneinheitlich. Während beispielsweise die Grossunternehmen im Oktober nach einer kurzzeitigen Verbesserung bei den ausländischen Auftragsbeständen wieder ungefähr das Niveau von kurz nach der Aufgabe der Kursuntergrenze erreichten, beurteilten die KMU ihre Lage mittlerweile etwas besser.

Baugewerbe: Zenit überschritten

Obwohl bei den meisten Unternehmen im Baugewerbe die Nachfrage­erwartung immer noch leicht anstieg, sind sowohl die KMU wie auch Grossunternehmen weit vom Nachfrageboom des Jahres 2013 entfernt. Diese schwächere Dynamik bei der Nachfrage zeigte sich auch in der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage. Die leicht abnehmende Dynamik bei der Entwicklung der Nachfrage dürfte zudem das Beschäftigungsniveau leicht dämpfen, sodass in den kommenden Monaten allgemein ein zu hohes Beschäftigungsniveau erwartet wird.

Ein ähnliches Bild zeigte sich auch bei den Architektur- und Ingenieurbüros für das vierte Quartal. Auch in dieser Branche ging die Nachfrageerwartung zurück, wobei zwischen den Unternehmensgrössen keine Unterschiede zu beobachten waren. Zwar beurteilten beide Unternehmensgrössen ihre Ertragslage für das vierte Quartal schlechter, doch die KMU waren weniger pessimistisch. Ungeachtet der schlechteren Einschätzung der Grossunternehmen bei verschiedenen Indikatoren beurteilten diese ihre wirtschaftliche Lage besser als die KMU.

Dienstleister: 
Ertragslage erodiert

Die Dienstleistungsunternehmen bezeichneten ihre Geschäftslage für das vierte Quartal immer noch als gut, die Ertragslage hingegen massiv schlechter. Besonders düster sieht es bei den Grossunternehmen aus, die weitaus stärker unter der aktuellen wirtschaftlichen Situation leiden. Die höheren Margenverluste der grossen Dienstleistungsunternehmen decken sich mit dem erwarteten Nachfragerückgang im vierten Quartal und auch mit der erwarteten Entwicklung der Verkaufspreise im ersten Quartal. Bei beiden Indizes der Umfrage schnitten die Gross­unternehmen schlechter ab als die KMU.

Im Detailhandel gaben die KMU ­eine schlechtere Einschätzung ab als die Grossunternehmen. Grosse Detaillisten bezeichneten ihre Geschäftslage für das vierte Quartal als befriedigend, die KMU jedoch nach wie vor als schlecht. Diese Beurteilung der KMU blieb seit der Aufgabe der Euro-Franken-Kurs­untergrenze stabil. Auch bei der Ertragslage sind die Erwartungen der KMU schlechter als die der Grossunternehmen, bei beiden Unternehmensgrössen verlangsamte sich allerdings der Abwärtstrend. Für die Zukunft sind die grossen Detaillisten optimistischer. Während sie fürs erste Quartal 2016 mit steigenden Umsätzen rechnen, gehen die Erwartungen der KMU in die ent­gegengesetzte Richtung. Da beide Unternehmensgrössen angaben, ihr Beschäftigungsniveau im vierten Quartal sei zu hoch, dürfte die Arbeitslosigkeit im Detailhandel noch leicht ansteigen.

KOMMENTAR

Was bringt 2016?

Zu Jahresende häufen sich die Konjunkturprognosen. Man mag sich fragen: Warum gibt es deren so viele? Warum differieren sie? Und: Wie sieht die Prognose des sgv für KMU aus? Tatsache ist: Jede Prognose gewichtet gewisse Aspekte anders. Die sgv-Prognose gewichtet Ereignisse im KMU-Umfeld stärker als andere dies tun.

Der Schweizerische Gewerbeverband sgv sieht ein moderates Wachstum der Wertschöpfung durch die KMU. Moderat bedeutet dabei eine Erhöhung um 1,2 bis 1,5 Prozent pro Jahr. Das liegt unter dem Zielwert von 
2 Prozent. Der sgv erwartet Mehrausgaben im Konsum der einzelnen Haushalte. Diese entstehen, weil Haushalte ihre Jobs werden behalten können – auch hier dank der sozialen Abfederungsfunktion vieler KMU. Mit der Arbeitsplatzsicherheit können auch die Konsumausgaben erhöht werden. Weiter ist zu erwarten, dass die staatliche Ausgabenfreude nicht abnimmt.

Der sgv erwartet für 2016 zwar ein Nettoexportwachstum von circa 
1 Prozent. Dies trifft jedoch nur dann zu, wenn es zu keiner flächendeckenden Verlangsamung der globalen Volkswirtschaft kommt. Derzeit sind die Signale aber nicht so klar. Bei den Bauinvestitionen kann mit einer minimen Expansion von 0,1 Prozent gerechnet werden; die Ausrüstungs­investitionen nehmen sogar um 
1,5 Prozent zu.

Wenn man alle diese Elemente zusammennimmt und sie eben «KMU-gewichtet», kommt man auf das moderate Wachstum von plus 1,2 bis 1,5 Prozent im Jahr. Damit befindet sich der sgv im Mittelfeld. Pessimisten sprechen von 0,8; Optimisten von 
1,8 Prozent. Mindestens eines schätzen alle gleich ein: Eine Rezession steht uns nicht bevor.

Henrique Schneider,

Ressortleiter sgv