Publiziert am: Freitag, 18. November 2016

Kundeninformationen in Echtzeit

DIGITALISIERUNG – In kaum einer anderen Branche sind die neuen Technologien schon so eingebunden wie in der Logistik. Im Transportwesen dagegen sind noch einige Fragen ungeklärt. Investitionen in die Infrastruktur sind hier unumgänglich.

Wir scrollen durch eine App auf unserem Smartphone auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für die beste Freundin. Nach dem Klick auf «Bestellen» erfolgt die Zahlung, ebenfalls online, danach verfolgen wir im Stundentakt unsere Sendung. Bestellung ausgelöst, Ware verpackt, Paket im Sortierzentrum, Paket kommt heute um 14.34 bei Ihnen an. Und dann klingelt’s: Das Päckli ist endlich da. Was für uns im digitalen Zeitalter beinahe selbstverständlich geworden ist, ist die Folge eines komplexen logistischen Ablaufs. Weil aber nicht nur der Privat-, sondern auch der Geschäftskunde über alles immer und überall informiert sein möchte, liegt noch immer viel Potenzial brach in der Logistik- und Transportbranche. Trotzdem: Die Digitalisierung ist hier schon verhältnis-
mässig weit fortgeschritten, vor allem im internen Logistikwesen.

Umfassender Service ist gefragt

Echtzeit-Informationen und komplette Transparenz, das fordern die Kunden von ihren Logistik- und Transportzulieferern. Diese kommen daher nicht um die digitale Logistik herum. Nach der Bestellung, die komplett online abgewickelt werden soll, gehört das Live-Tracking dazu. Lieferscheine, Transportdokumente, Schadensfotos usw. müssen jederzeit einsehbar sein. Das zur Verfügung stellen von Kundeninformationen in Echtzeit gehört in Zukunft zum selbstverständlichen Service. Die digitale Logistik hat aber auch viele Vorteile für den Anbieter: Steigerung der Effizienz durch Überwachung der Transportfahrzeuge (Flottenmanagement), der Verkehrsrouten und flexible Auftragsänderungen sind nur 
einige.

Mehr Möglichkeiten 
im Transportwesen

«Ich bin überzeugt, es vollzieht sich ein rascher technologischer Wandel, dessen Folgen selbst für Fachleute noch nicht ganz absehbar sind», sagt Reto Jaussi, Direktor der ASTAG. Die grössten Vorteile der Industrie 4.0 seien ganz klar die Ressourcenschonung und Effizienzgewinne. Transportdienstleistungen könnten dadurch noch kundengerechter erbracht werden.

Aus «Transpörtler»-Sicht interessant sind die Möglichkeiten im Flottenmanagement. «Denken Sie beispielsweise an den Wartungsservice», benennt Jaussi ein Beispiel. «Früher wurde dieser nach einer gewissen Kilometerzahl einfach durchgeführt. Die modernen Boardcomputer zeigen heute an, wann welche Teile ausgetauscht werden müssen oder wann ein Ölservice ansteht. Damit werden auch Fahrzeuge und Ressourcen geschont.»

Rechtliche Fragen ungeklärt

Selbstfahrende Autos und Lastwagen sind ein grosses Thema, ungeklärt ist aber die Rechtssicherheit. Wo der Weg genau hinführt, das wird die Zeit zeigen müssen. «In den USA hat gerade kürzlich die weltweit erste kommerzielle Lieferung mit einem selbstfahrenden Fahrzeug stattgefunden. Dabei wurden 50 000 Dosen Bier mit einem Roboter-Lastwagen transportiert», erzählt Jaussi von einem Versuchsprojekt. Allerdings gebe es eben noch viele offene Fragen in Bezug auf rechtliche Fragen und eben-
solchen der Haftung. «Für die komplette Ver- und Entsorgung in der Schweiz, sind wir aber auch in Zukunft auf den Lastwagen und den engagierten Chauffeur angewiesen.» Ein weiterer zentraler Punkt in dieser Fragestellung ist die Infrastruktur. «Die neuen Technologien und deren Vorteile können nur dann genutzt werden, wenn die nötige Strassen-infrastruktur und Kapazitäten vorhanden sind», so Jaussi. «Investitionen in eine gute Strasseninfrastruk-tur sind deshalb zwingend not-
wendig. Mit dem Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds (NAF) kann die Situation entschärft werden.»

Adrian Uhlmann