Publiziert am: 05.05.2017

Mezzanine: Eigen- und Fremdkapital in einem

KMU & FINANZEN

Mezzanine-Finanzierung ist eine Kreditform, die Merkmale sowohl der Fremdkapitalfinanzierung als auch der Eigenkapitalfinanzierung aufweist. Die Genfer Kantonalbank finanziert über ihre Tochtergesellschaft Capital Transmission S.A. (CTSA) die langfristige Expansion von Unternehmen oder erleichtert deren Übertragung. Sie stellt Mezzanine-Finanzierungen bereit oder erwirbt Minderheitsbeteiligungen mit Anlagebeträgen von CHF 0,5 bis 15 Millionen.

Ergänzung des Eigenkapitals

Bei einer fremdfinanzierten Firmenübernahme (Leveraged Buy-Out oder LBO) ist Mezzanine-Kapital Teil einer Finanzierungsstruktur mit mehreren Ebenen (daher der Name), von Eigenkapital bis zum Senior Loan. Mezzanine-Kapital ist das risikoreichste Fremdkapital, dessen Rückzahlung derjenigen des sogenannten vorrangigen Fremdkapitals nachgeordnet ist.

Mezzanine-Kapital ist eine sehr wichtige Finanzierungsergänzung, wenn einerseits die (zukünftigen) Anteilseigner kein Eigenkapital mehr einbringen wollen oder können und andererseits die Banken Vorbehalte gegenüber einer Erhöhung der Fremdkapitalquote haben. Aufgrund seiner Nachrangigkeit kann Mezzanine-Kapital buchhalterisch als eigenkapitalähnlich betrachtet werden (es wird als «Quasi-Eigenkapital» ausgewiesen) und ist für den Kapitalgeber, der erst nach der Rückzahlung aller Tranchen vorrangiger Verbindlichkeiten ausbezahlt wird, ein risikoreicheres Engagement. Er wird folglich höher entlohnt. Meistens setzt sich der Zinsaufwand für Mezzanine-Kapital aus Barzinsen und einem kapitalisierten Zins zusammen, der jährlich dem Kapital zugeschlagen und bei Endfälligkeit gezahlt wird. Alle diese Eigenschaften machen Mezzanine-Finanzierungen zu einem geeigneten Instrument für Unternehmen mit stabilen, aber bedeutenden Ertragsströmen.

Starke Verwässerung vermeiden

In der Schweiz, wo Mezzanine-Finanzierungen noch wenig Beachtung finden, werden sie manchmal als kostspielig kritisiert. In der Tat sind bei den derzeit im Allgemeinen sehr niedrigen oder sogar negativen Zinsen Zinssätze von über 10 Prozent überraschend. Mezzanine-Kapital ist jedoch als Alternative zu Eigenkapital zu betrachten, das entgegen landläufiger Meinung nicht kostenlos ist! Man darf nicht vergessen, dass jede Art von Kapital etwas kostet und dass die Kosten von Eigenkapital einer erwarteten Anlagerendite entsprechen. Daher wird im erwähnten Beispiel eines LBO der Aufkäufer, der von seinem Übernahmeziel ein hohes Wachstumspotenzial erwartet, lieber höhere Zinsen zahlen, als sein Kapital einem Mitinvestor zu öffnen, mit dem er gegebenenfalls einen zukünftigen Veräusserungsgewinn teilen muss. Eine Mezzanine-Finanzierung hat also den grossen Vorteil, dass die Verwässerung des Aktienkapitals begrenzt wird. Ausserdem entlastet der kapitalisierte Teil des Zinsaufwands den operativen Cashflow, damit sich das Unternehmen weiterentwickeln kann.

Kantonalbanken mit wichtiger Rolle

Eine der Aufgaben der Kantonalbanken ist die Unterstützung der lokalen Wirtschaft. Die Bedürfnisse eines Unternehmens können aber manchmal nicht mit traditionellen Finanzierungsinstrumenten abgedeckt werden. Aus diesem Grund hat die Genfer Kantonalbank eine unabhängige Tochtergesellschaft gegründet, die mit ergänzenden und innovativen Finanzierungen den immer komplexeren Bedürfnissen der Unternehmen gerecht wird.