Publiziert am: Freitag, 22. August 2014

Mit dem Stress umgehen

STRESS – Die Arbeitswelt wird immer komplexer und anspruchsvoller. Wer darin gesund bleiben will, erarbeitet sich Strategien für Stresstoleranz. Wer resigniert, tut sich selbst nichts Gutes.

2011 wurden in der Schweiz 219 Millionen Überstunden geleistet – gegenüber 2002 entspricht dies einer Zunahme von 15 Prozent. Die Gründe hierfür: Neue Technologien verändern die Arbeitswelt kontinuierlich. Informationsflut und der Druck nach permanenter Verfügbarkeit überfordern. Die Verflechtung von Arbeitszeit und Privatzeit nimmt zu. Mit der Globalisierung sind Entlassungen keine Einzelfälle mehr. Zudem verlängert sich die Lebensarbeitszeit aufgrund der demografischen Entwicklung. Alles Gründe, dass Burnout-Erkrankungen zunehmen.

Stress und Burnout

Ein Burnout ist für Betroffene und ihre Familie eine grosse Belastung – auch für die Mitarbeitenden, die zusätzliche Arbeit übernehmen, und für die Arbeitgebenden. Die SUVA geht davon aus, dass bis 2030 die psychischen und neurologischen Krankheiten um fünfzig Prozent zunehmen. Stress kommt vor allem durch Zeitdruck, unpräzise Anweisungen, soziale Diskriminierung, unangemessene Überzeit und hohe emotionale Anforderungen zustande. Die Arbeitszufriedenheit hingegen ist geprägt von erfolgreich bewältigten, adäquaten Herausforderungen, von einem angenehmen Arbeitsklima, von den sinnstiftenden Anteilen der Arbeit, von der Vereinbarkeit von Beruf und allen anderen Lebens­bereichen – nicht nur Beruf und Familie – und von der Möglichkeit, selbst mitzubestimmen.

Schuldzuweisungen sind fehl am Platz. Verantwortungsbewusste Arbeitgebende setzen auf Burnout-Prophylaxe und clevere Arbeitnehmende übernehmen Eigenverantwortung für die eigene Befindlichkeit. Gemeinsam wird man lernen müssen, mit hohem Druck so umzugehen, dass man selbst gesund und das Unternehmen erfolgreich bleibt.

Berufliche Zufriedenheit fördern

«Es sind nicht die Dinge selbst, die uns bewegen, sondern die Ansichten, die wir von ihnen haben», so der Römer Epiktet. Deshalb ist eine positive Grundeinstellung die Basis für Arbeitszufriedenheit. Ist Arbeit ein nötiges Übel für mich? Oder arbeite ich aus einer inneren Berufung heraus, weil mir die Tätigkeit oder der Lohn daraus Befriedigung und Lebenssinn vermitteln. Oftmals werden Arbeit und Lohn negativ konnotiert. Der Begriff Work-Life-Balance beispielsweise teilt ein in Leben und Arbeit, als ob Arbeit nicht auch Leben sei!

Arbeitnehmende sollen sich Zeit nehmen, ab und zu einen Boxenstopp im Ameisenrennen einzulegen, eine Standortbestimmung vorzunehmen, sich bewusst Ziele nicht nur zu setzen, sondern sie auch zu realisieren – und damit die Eigenverantwortung für ihre Befindlichkeit zu übernehmen. Stresstoleranz und Stresskompetenz kann man erlernen. Arbeitgeber können Stressfaktoren im Unternehmen frühzeitig wahrnehmen und so weit wie möglich abbauen. Es gilt, Burnout bei Mitarbeitenden frühzeitig zu erkennen und einzugreifen. Gemeinsam ist eine Arbeitswelt immer wieder neu zu schaffen, die wirtschaftlichen Erfolg optimiert, weil Arbeitnehmende und Arbeitgebende offen, zufrieden und tolerant am selben Strick ziehen.

Regula Zellweger,

Kommunikation und Projekte,

Beratungsdienste für Ausbildung und Beruf Aargau BDAG