Publiziert am: Freitag, 7. Oktober 2016

Mit Dynamik und Innovation unterwegs

VERBAND HÖRAKUSTIK SCHWEIZ VHS – Die Branche ist dank dem technischen Fortschritt und dem freien Wettbewerb im Aufwind. Dies zeigt auch die neu geschaffene Lehre zum Hörsystemakustiker EFZ, die im August 2016 gestartet hat.

Pro Jahr werden rund 70 000 Hörgeräte verkauft. «Die Bedeutung der Hörsysteme ist enorm gross und nimmt immer mehr zu. Das Gehör ist denn auch das wichtigste Sinnesorgan. Wir können beispielsweise ohne Hören keine Sprache entwickeln», erklärt Christian Rutishauser, Prä­sident des Verbands Hörakustik Schweiz VHS. Während aufgrund einer starken Sensibilisierung die Hörverluste im Beruf eher rückläufig sind, nehmen durch Freizeitaktivitäten bedingte Hörschäden zu. Für eine Zunahme ist primär jedoch die Überalterung verantwortlich.

«Bei der Entwicklung der neuen Beruf­lichen Grundbildung zum Hörsystemakustiker EFZ haben wir offene Türen 
eingerannt.»

Die Branche erfuhr 2011 eine einschneidende Veränderung. Bis dann wurde nämlich die Hörgeräteversorgung fast zu 100 Prozent von der IV übernommen. «Jetzt ist dem nicht mehr so. Die IV zahlt nur noch eine geringere Pauschale an die Hörsysteme, es spielt der freie Markt», stellt Rutishauser fest. Dies hätte zu mehr Dynamik und Wettbewerb in der Branche geführt, da die Preise nicht mehr tarifär vorgegeben seien. Eine Konsolidierung sei die Folge gewesen. «Einzelne Fachgeschäfte haben stagniert, während die Ketten mit ihren Filialen gewachsen sind», so Rutishauser. Als Geschäftsführer der Amplifon AG – einer grossen Kette von Hörsystemakustik-Fachgeschäften – ist er ein erfahrener Kenner der Branche.

Erster Lehrgang der Beruflichen

Grundbildung gestartet

Ein Kerngebiet des VHS ist die Aus- und Weiterbildung. So betreibt der Verband die Schule für Hörgeräteakustiker mit eidg. Fachausweis in der Schweiz, die «akademie hören schweiz ahs». Dort wurden bis jetzt auf dem zweiten Bildungsweg in einem dreijährigen Lehrgang die Hörgeräteakustiker mit eidg. Fachausweis ausgebildet. Neu wird diese Ausbildung durch eine dreijährige Berufliche Grundbildung Hörsystemakustiker EFZ abgelöst. Geplant ist, die bestehende Berufsprüfung BP zu einer neuen Höheren Fachprüfung HFP aufzuwerten. «Wir sind in dieser wachsenden Branche mit der ­Rekrutierung über den zweiten Bildungsweg an ein Limit gestossen», erklärt Rutishauser. «Mit der dreijährigen Berufslehre zum Hörsystem­akustiker EFZ können wir die jungen Leute bessere erreichen und auch an die Branche binden.» So starteten Anfang August 12 Lernende den ersten Lehrgang der Beruflichen Grundbildung. Die Lehrbetriebe sind für den Moment primär Retailketten. Das Interesse der jungen Leute bezüglich dieses attraktiven und zukunftsträchtigen Berufes sei da. «Bei der Entwicklung der Beruflichen Grundbildung mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI haben wir offene Türen eingerannt. Wir sind überzeugt, dass wir in einem Jahr bereits grössere Klassen haben werden», so Rutishauser. Die «akademie hören schweiz ahs» ist Trägerin der Überbetrieblichen Kurse ÜK und bietet auch Weiterbildungstage und Fachvorträge an. Träger der Beruflichen Grundbildung ist die neu geschaffene OdA Verein Bildung Hörsystemakustik VBHA.

«Dank dem techno­logischen Fortschritt haben wir eine viel grössere Kunden­zufriedenheit.»

Ein wichtiges Anliegen ist dem Verband die Qualitätssicherung. «Unsere Mitglieder verpflichten sich, mit Qualitätsversicherungsrichtlinien diesbezüglich gewisse Standards einzuhalten. Dies wird auch in einem Label festgehalten», so Rutishauser. Eine Herausforderung für den VHS ist der technologische Wandel, der in der Branche herrscht. «Vier Hersteller produzieren jedes halbe Jahr Neuheiten. Da gilt es, ständig up to date zu sein, um erfolgreich im Wettbewerb mitzumischen», betont Rutishauser. Die schnellen technologischen Veränderungen eröffnen neue Möglichkeiten, und die Digitalisierung katapultierte die Hörsysteme sowie den Zubehörmarkt in eine andere Liga. «Die Hörgeräte sind heute zu 100 Prozent digitalisiert. Sie sind auch viel kleiner und angenehmer zum Tragen und Handhaben. Sie unterscheiden beispielsweise die verschiedenen Lärmpegel – der technologische Fortschritt ist riesig und trägt wesentlich zur Kundenzufriedenheit bei», sagt Rutishauser. Neue Geschäftsfelder seien auch durch Prävention und Sensibilisierung für ein geschütztes und gesundes Gehör entstanden.

Branche hat noch viel Potenzial

Leicht gespürt hat die Branche – vor allem in Grenzgebieten – den starken Franken. Dazu Rutishauser: «Hörgeräteanpassungen sind beispielsweise in Deutschland oder in Frankreich günstiger. Aber man darf nicht vergessen, dass gerade bei einem so sensiblen Produkt, wie die Anpassung eines Hörsystems, das Vertrauen und die Nähe zum Hörakustiker eine grosse Rolle spielen. Der Kunde kommt einige Male im Jahr in den Laden und ist darauf angewiesen, dass sein Hörgerät immer wieder richtig eingestellt wird.» Gemäss Rutishauser sei die Branche im Aufwind und habe noch viel Potenzial. «Mit dem technischen Fortschritt, der Entstigmatisierung der Hörgeräte und einem immer grös­seren Bedürfnis, das hauptsächlich auf die Überalterung zurückzuführen ist, sind wir laufend am Wachsen.» Corinne Remund

DER VHS KURZ ERKlÄRT

Eine umfassende Ausbildung

Der Verband Hörakustik Schweiz VHS ist ursprünglich aus dem noch existierenden Verband Akustika, dem jetzigen Schweizerischen Fachverband der Hörgeräteakustik, entstanden. Akustika umfasste bis 1999 Hersteller und Retailer. Grössere Ketten fühlten sich allerdings schlecht vertreten, weshalb eine Trennung erfolgte und die Filialisten sich im Hörzentralen Verband HZV neu organisierten. 2012 erfolgte dann die Namensänderung in Verband Hörakustik Schweiz VHS. Der VHS 
ist ein Leistungsträger der Schweizerischen 
Invalidenversicherung IV, der AHV sowie der Schweizerischen Unfallversicherung. Als gesamtschweizerische Arbeitgeberorganisation fördert der Verband die wirtschaftlichen, fachspezifischen und politischen Ziele seiner Mitglieder. Ein wichtiges Anliegen ist dem VHS die Qualität in der Hörgeräteversorgung. Er ist zudem auch Ansprechpartner für die 
Öffentlichkeit. Er sucht die Kooperation mit Branchenakteuren und fördert damit die 
Sicherheit und die nachhaltige Versorgung der Kundinnen und Kunden mit Hörsystemen. Im Zentrum des Verbandsgeschehens steht zudem eine umfassende Ausbildung. Der VHS ist Träger der einzigen Schule für Hörgeräteakustiker in der Schweiz, die «akademie hören schweiz ahs». Seit diesem August bietet der Verband – zusammen mit dem Partnerverband Akustika in der OdA Verein Bildung Hörsystemakustik VBHA vereint – eine Berufslehre zum Hörsystemakustiker EFZ an. Ebenso setzt der engagierte Verband auf eine kontinuierliche Weiterbildung. Seine Mitglieder sind 270 Fachgeschäfte – alle KMU und Hörgeräte-Retailer mit ihren Filialen. 
CR