Publiziert am: 08.04.2016

Mit Erfolg ins Netz investieren

DIGITALE KMU-Welt – Adrian Iten vom Adriano’s in Bern erschliesst mit der Digitalisierung neues Umsatzpotenzial. Dabei verkauft er in den sozialen Medien Geschichten rund um den Kaffee.

«Unsere Gäste spüren jeden Tag unsere Lust am Geniessen und unseren Humor im Alltag. Sie empfinden uns als Turnschuhunternehmen mit der unendlichen Leichtigkeit des Geldverdienens», dies hat sich Adrian Iten bei der Gründung seiner Kaffeebar mitten im Herzen der Berner Altstadt in den Businessplan geschrieben. Dieser Grundsatz ist Firmenphilosophie und Erfolgsrezept zugleich. Adrianos Bar & Café ist für viele die beste Berner Adresse für Kaffee. «Wir wollen die Platzhirsche in Bern sein. Nicht für jedermann, sondern für Geniesser mit feinem Sensorium, die bereit sind, für ein ehrliches Produkt, das aufwändig veredelt wurde, etwas mehr zu bezahlen», erklärt Iten. Der Teilhaber des Adriano’s ist in seinem Business bekannt dafür, mit revolutionären Ideen, viel gelebtem Unternehmergeist und Kreativität die Nase vorne sowie gegenüber seinen Mitbewerbern einen Wettbewerbsvorsprung zu haben: Als Erster überhaupt röstete er den Kaffee selber – mittlerweile betreibt er eine Kaffeerösterei mit umweltfreundlichem Röster in der alten Feuerwehrkaserne am Viktoriaplatz. Ebenso kennt er vier seiner Kaffeelieferanten alle persönlich und hat sie auch schon besucht. Er versuchte sich auch mit einer mobilen Café-Bar auf einem Ape (einer dreirädrigen Vespa) oder mit der «Tankstelle» beim Bahnhof, mit der er «grandios gescheitert ist». Iten war noch nie um eine mutige Idee verlegen und macht sich nach 14 Jahren Erfolg ohne Internet auch die Möglichkeiten der Digitalisierung zunutze. So betreibt er erfolgreich einen innovativen Online-Handel, wo er seine eigene Kaffeemaschine mit dem sinnigen Namen «The Else» sowie Pads, Zubehör, Bücher und Reinigungstools verkauft. Rund die Hälfte des Umsatzes mache er mittlerweile via Internet und E-Shop, so Iten. «Pro Tag werden ca. tausend Pads bestellt», sagt er.

Rund drei Viertel der bestellten Produkte gehen nach Bern und Agglomeration, der Rest in die übrige Schweiz. Eine grosse Herausforderung für das Unternehmen ist die Logistik. «Wir rösten in Bern, wir packen in Bern ab, wir liefern – mit Velokurier – in Bern», erklärt Iten.

«Ein guter Partner für die Betreuung der Homepage ist
Voraussetzung.»

Ebenso bedürfe es eines effizienten digitalen Kassen- und Bestellsystems. «Egal in welcher Branche, ein guter Partner für die Betreuung der Homepage ist die Voraussetzung, dass es rund läuft. Er muss die Firmenphilosophie und die Herausforderung des Alltagsgeschäftes verstehen», betont Iten. Vor zwei Jahren hat er seinen Internetauftritt professionalisiert. «Es lohnt sich, einiges in eine neue Homepage zu investieren», sagt Iten.

Kein Garant für Erfolg

Der Auftritt auf den sozialen Plattformen Facebook, Twitter, Instagram etc. müsse lebendig sein, Kreativität und Einfallsreichtum seien Bedingung. «Hier müssen wir auf einer emotionalen Schiene fahren und den Gästen Geschichten rund um die Kaffeewelt erzählen», so Iten. Ein gutes Beispiel ist der «Coffeegurator». Auf der interaktiven Plattform können die Kunden ihren Kaffee selber mischen, bestellen und erst noch die eigene Etikette dazu kreieren. Die sozialen Plattformen könnten für das Marketing und die Kommunikation eines KMU stützend sein, seien aber kein Garant für den Erfolg, stellt Iten fest. «Das Grundprodukt muss stimmen. Die Authentizität muss für den Gast hinter der Bar genauso fühlbar sein wie im Netz», so Iten. CR

NACHGEFRAGT

KMU gehen dahin, wo die Kunden sind

Marie-Christine Schindler ist selbstständige PR-Beraterin, Co-Autorin des Bestsellers PR im Sociah Web und Fachhochschul-Dozentin.

Schweizerische Gewerbezeitung: PR im Social Web - ist dies für KMU ein Thema?

nMarie-Christine Schindler: Ja, absolut. KMU, die sich in ihrem Umfeld erfolgreich positionieren wollen, sind noch nie ohne Kommunikation ausgekommen. Heute hat sich der Wettbewerb dahingehend verändert, dass Unternehmen, Produkte oder Dienstleistungen, die von Google nicht gefunden werden, nicht existent sind. Eine regelmässige und konsistente Online-Kommunikation über mehrere Kanäle hinweg gehört zur Profilierung.

Welche KMU setzen auf PR im Social Web?

nAlle, die Kommunikation in der DNA haben. Je tiefer die Kommunikation in der Unternehmenskultur verwurzelt ist, desto besser gelingt die PR im Social Web. So lässt sich die Kommunikation im Unternehmen breiter abstützen, die Inhalte kommen dann «von der Front» und sind damit fachlich fundierter und authentischer.

Wo liegt das grösste Potenzial für KMU in den sozialen Medien?

nKMU gehen dahin, wo ihre Kunden sind, sei dies bei Facebook, Instagram, YouTube oder neuerdings auch SnapChat. Mit einem echten Engagement, gutem Community Management und auch etwas Experimentierfreude können sie ihren Kunden gut erreichen und mit ihnen in den Austausch kommen. Mit einer klaren Strategie und einer Kommunikation, welche die Anspruchsgruppen ins Zentrum stellt, lässt sich sehr viel erreichen.

Was sind für KMU die grössten Herausforderungen, wenn sie sich mit den sozialen Medien auseinandersetzen?

nEine Herausforderung sind sicher die Ressourcen. Bei der Aufbereitung der Inhalte ist noch lange nicht Schluss. Im Gegenteil, mit der Verbreitung geht es erst los. Die Nutzer reagieren, interagieren und lösen im negativen Fall den vielgefürchteten Shitstorm aus. Wenn jedoch Angebot, Leistung und Kommunikation qualitativ gut und konsistent sind, steht einem fruchtbaren Austausch mit den Kunden nichts im Weg.

Welche Tipps geben Sie den Unternehmen, um erfolgreich in den sozialen Medien zu sein?

nSie sollten sich dem Thema öffnen, mit Monitoring zuhören, was über sie und ihre Branche gesprochen wird. Die verantwortlichen Mitarbeiter sollen die sozialen Medien ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Auf diese Weise wird schnell klar, was funktioniert und was nicht. Werbebotschaften funktionieren nicht, jegliche Art von Nutzen für die Community kommt hingegen gut an. Skeptiker im Unternehmen sollten immer wieder eingebunden werden damit sie sehen, was läuft.

Wie entwickelt sich dieser digitale Bereich in Zukunft?

nEr wird Teil unseres Alltags, wir werden eines Tages nicht mehr über die sozialen Medien sprechen, sondern im Internet ganz selbstverständlich nutzen, was im Alltag Sinn macht. Unternehmen müssen es schaffen ein Angebot zu schaffen, das in allen Kanälen – ob online oder offline – attraktiv, benutzerfreundlich und glaubwürdig rüberkommt. Die Grenzen zwischen online und offline verwischen immer mehr. Interview: CR

LINK: www.mcschindler.com