Publiziert am: Freitag, 19. Mai 2017

Mit gutem Beispiel vorangehen

INTEGRATION – Marlies Saudan setzt sich mit viel Herzblut für die Gesellschaft ein. Dabei scheut sie sich nicht, auf ihr grosses ­gesellschaftliches Netzwerk und ihre Ressourcen zurückzugreifen. Sie fodert auch andere zur sozialen Verantwortung auf.

Es ist 14 Uhr: In der Saudan AG herrscht emsiges Treiben. Roger und Marlies Saudan, Inhaber des führenden Gebäudetechnik- und Gebäudehüllenunternehmens der Region Solothurn und Umgebung, erwarten das Filmteam von FOKUS KMU. In der Sendung vom 8. Mai wurde anhand ihres Betriebes, stellvertretend für viele andere Unternehmen, der Wert der KMU für die Schweizer Volkswirtschaft aufgezeigt. Kameramann Urs Gruenig und Geri Staudenmann gehen die einzelnen Sequenzen des Drehbuches sorgfältig durch und Szene um Szene wird gedreht. Wenn es im zweiten Beitrag um die soziale Verantwortung der KMU geht, dann ist Marlies Saudan die Hauptprotagonistin. «Ich bin sehr interessiert und offen für alles, deshalb war ich auch gleich mit den Dreharbeiten einverstanden», sagt Marlies Saudan. Und ergänzt: «Das soziale Engagement zugunsten der Gesellschaft liegt mir sehr am Herzen.» Zudem hätte sie auch noch die Gelegenheit ergriffen, als Mitglied den KMU Frauen des Kantons Solothurn eine Plattform zu geben, meint sie lachend.

«Mein soziales 
Engagement liegt mir sehr am Herzen.»

«Die Dreharbeiten haben Spass gemacht. Ich habe wieder viel Neues gelernt, unter anderem, dass Filmen ein hartes Handwerk ist», so Saudan. Sie hofft, mit diesem Beitrag an die soziale Verantwortung von anderen Unternehmerinnen und Unternehmern appellieren zu können. «Ich gehe da gerne als gutes Beispiel voran und animiere andere Vertreter der KMU-Welt, ihr Netzwerk und ihre Ressourcen zugunsten der Gesellschaft zu nutzen.»

Ein wichtiger Pfeiler 
der Gesellschaft

Die Saudan AG mit ihren 80 Mitarbeitenden ist ein Vorzeige-Unternehmen, dies nicht nur, weil sich das Ehepaar Saudan überdurchschnittlich für die Allgemeinheit einsetzt. «Das Vertrauen zu unseren Kunden, Partnern und Mitarbeitern ist sehr wichtig. Die Leute kennen uns und wir sind authentisch», verrät die Chefin eines ihrer Erfolgsrezepte. Es sei für sie persönlich eine grosse Bereicherung, ihre geschäftlichen Ressourcen zugunsten von wohltätigen Institutionen, Sportvereinen oder Altersheimen zu nutzen. «Uns geht es sehr gut, das ist nicht selbstverständlich. Daher ist dieses soziale Engagement für mich eine Möglichkeit, etwas zurückzugeben und Menschen auf der Schattenseite zu unterstützen», betont Saudan. Freiwilligenarbeit sei ein wichtiger Pfeiler der Gesellschaft. Es mache auch Sinn, Projekte zu unterstützen, die dazu führten, dass Betroffene selber aktiv werden können. Sehr am Herzen liegt der Mutter und vierfachen Grossmutter auch die Jugend.

Gerade das Baugewerbe sei sehr engagiert, wenn es darum gehe, mit Spenden und Taten die Gesellschaft zu unterstützen. «Diese Empathie ist bei uns irgendwie verwurzelt», so Saudan. «Vielleicht liegt es auch daran, dass die persönliche Entscheidungskomponente der KMU im Vergleich zu Grosskonzernen viel grösser ist. Mit schlanken Hierarchien kommen wir auch hier schneller zum Ziel.» Bezüglich sozialem Engagement gäbe es gemäss Saudan noch viel Potenzial. «Vielleicht könnte auch hier die Politik ein Zeichen setzen. Auch Anreize wie eine öffentliche Auszeichnung, ich denke da beispielsweise an den Solothurner Sozialstern, könnten etwas bewirken», sinniert die engagierte Geschäftsfrau. Vielfach sind es Frauen, die als treibende Kraft hinter dem sozialen Engagement stecken. Nicht nur Marlies Saudan, die für das Marketing und Personal in der Firma zuständig ist, hat diesbezüglich Pionierarbeit geleistet. Bereits ihre Schwiegermutter Hilda Saudan vollbrachte mit ihrer unermüdlichen Frauenpower eine Pionierleistung. Nachdem ihr Mann zu früh gestorben war, führte sie mit zwei kleinen Kindern am Rockzipfel die Firma weiter. «Das war für die damalige Zeit eine mutige Meisterleistung. Sie stellte einen Geschäftsführer mit technischem Know-how ein und besuchte selber Abendkurse für die Buchhaltung», so Marlies Saudan. In der Baubranche und Gebäudetechnik treffe man an der Firmenspitze selten eine Frau an. «Unsere Branche ist körperlich sehr anstrengend. Daher haben wir selten weibliche Lernende in unseren Montageberufen», sagt Marlies Saudan, die auch Verwaltungsratsmitglied ist. Aber dafür arbeiten die Frauen umso effizienter im Hintergrund – die Chefin ist ein gutes Beispiel dafür.

Corinne Remund

NACHGEFRAGT BEI ROGER SCHNELLMANN

Von Netzwerk der KMU profitiert

Schweizerische Gewerbezeitung: Letztes Jahr wurde im Blumenhaus Buchegg neuer Wohnraum für Erwachsene mit geistiger Behinderung geschaffen. Wie wurde der Neubau finanziert?

Roger Schnellmann: Wir erhalten bezüglich Investitionen von Bund und Kanton keine zusätzlichen Gelder, deshalb haben wir zum ersten Mal eine Fundraisingkampagne ins Leben gerufen. Damit haben wir über 6 Millionen Franken gesammelt, von denen netto über 5 Millionen Franken direkt für den Neubau eingesetzt wurden. Zudem haben wir für den Bau auch Fremdkapital von regionalen Banken aufgenommen.

Was bedeutet die Unterstützung von Marlies Saudan und anderen KMU-Vertretern aus der Region für Ihre Institution?

Sehr viel. Marlies Saudan und auch andere Vertreter der regionalen KMU und der Wirtschaft haben mitgeholfen mit Aktionen sowie der Vermittlung von Grossgönnern und Stiftungen das Geld zu sammeln. Sie alle haben ihr grosses Beziehungsnetz und ihre Kontakte genutzt, um auf das Projekt aufmerksam zu machen. Sie aktivierten beispielsweise sogenannte «Zugpferde» wie Swatch-Gründer Ernst Thomke, oder Andy Rihs. Marlies Saudan hat uns das Tor zur Herbstmesse Solothurn HESO geöffnet. Ein Auftritt in dieser Art wäre dort sonst nicht möglich gewesen.

Wie beurteilen Sie als Leiter einer wohltätigen Institution das Engagement der KMU-Wirtschaft zugunsten der Gesellschaft?

Es braucht das soziale Engagement der KMU-Wirtschaft unbedingt. Ein Stück weit wird von der Gesellschaft auch erwartet, dass die Unternehmen ihr Geld verantwortungsvoll zugunsten der Schwächeren einsetzen, diese Aufgabe kann ja nicht einfach dem Staat zugeschoben werden. Wenn die Wirtschaft und damit auch die KMU nicht mithelfen, auch für die Schwächeren in dieser Gesellschaft einzustehen, und dazu gehören Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung, dann ist längerfristig das soziale Gleichgewicht und damit der soziale Frieden in Gefahr. Doch die KMU sind sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst.

Haben Sie einen persönlichen Wunsch an die KMU-Chefs ?

Die Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen im ersten Arbeitsmarkt. Es wäre schön, wenn dies noch besser umgesetzt wird und die KMU noch aktiver auf die IV zugehen und gleichzeitig den Support der Sozialversicherung einfordern würden. Aus unserer Sicht wird da noch zu wenig getan. Gleichzeitig bin ich mir bewusst, welche Herausforderung dies für ein KMU ist. Interview: CR

LINK

www.blumenhaus-buchegg.ch

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