Publiziert am: 06.03.2015

Mit Lehre bestens auf Berufswelt vorbereitet

NEUE STUDIE – Die Berufsbildung bereitet gut auf den Wandel der Arbeitswelt vor. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Universität Bern und des Eidgenössischen Hochschulinstitutes für Berufsbildung EHB in Zollikofen.

Rund zwei Drittel aller Schulabgänger absolviert eine Berufslehre. Akademiker bestreiten diesen Königsweg jedoch oft. Sie begründen dies damit, dass die Lernenden mit der Berufslehre schon sehr früh eingespurt und deshalb im Vergleich zu Gymnasiasten mehr gefährdet seien, unter die Räder des Strukturwandels zu kommen. Eine neue Studie von Annina Eymann von der Uni Bern und Jürg Schweri vom Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung in Zollikofen beweist, dass die Berufslehre keineswegs eine Sackgasse ist.

Der Vorwurf, die Berufsbildung bereitet schlechter auf den rasanten Wandel vor, ist unhaltbar.

Die meisten Berufsleute können kein Auseinanderklaffen zwischen jenen Qualifikationen feststellen, die sie im Verlauf ihres Arbeitslebens erworben haben, und jenen, die in ihrem aktuellen Job verlangt werden: Dies ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie zur Flexibilität der Lehrabgänger. Sie schaffen es also, ihre Qualifikationen aktuell und damit wertvoll zu erhalten. Der Vorwurf, die Berufsbildung bereite generell schlechter auf den rasanten Wandel der Arbeitswelt vor, ist somit nicht haltbar.

Weiter besagt die Studie, dass über das gesamte Arbeitsleben hinweg 
50 Prozent der Berufstätigen mindestens einmal das Berufsfeld – Absolventen/-innen einer Berufs­bildung sogar ­etwas häufiger als Hochschul­absolventen/-innen – wechseln. Erstere sind zu 80 Prozent der Ansicht, dass sie für die neue Tätigkeit adäquat qualifiziert seien, bei Letzteren liegt dieser Wert bei 76 Prozent. Auch das zeigt: Die Berufsbildung bereitet gut auf das Berufsleben und den Wandel der Arbeitswelt vor.

Keine Lohneinbussen bei 
Berufswechsel

Aus der aktuellen Studie gehen hingegen keine signifikanten Lohneinbussen für Personen hervor, die im Laufe ihrer Berufskarriere nicht mehr im erlernten Beruf arbeiten. Offensichtlich können Berufsleute ihre Qualifikationen über das gesamte Berufsleben hinweg so aktualisieren, dass diese ihren Wert behalten.

Eine kleine Ausnahme bezüglich Lohn gibt es einzig bei jenen Frauen, die in der Befragung angaben, ihre Qualifikationen würden nicht mit dem Anforderungsprofil ihrer aktuellen Arbeit übereinstimmen. Dort stellen Eyemann und Schweri einen durchschnittlichen Lohnrückgang von 3,2 Prozent fest.

CR

EHB-STUDIE

36 000 Befragte

Die Studie «Horizontal Skills Mismatch and Vocational Education» untersucht die Passung von erworbenen Qualifikationen und Anforderungen im Berufsleben für angestellte Erwerbstätige im Alter zwischen 20 und 60 Jahren in der ganzen Schweiz. Datengrundlage bildet das Schweizerische Haushaltspanel (SHP), in dem Tausende Personen in der Schweiz jährlich befragt werden. Für die Studie wurden die Befragungen von 1999 bis 2012 einbezogen und rund 36 000 Personen-Jahr-Beobachtungen ausgewertet. Die Studie ist verfügbar auf der Webseite des EHB IFFP IUFFP, des Eidgenössischen Hochschulinstituts für Berufsbildung.
Link: www.ehb-schweiz.ch