Publiziert am: Freitag, 22. Januar 2016

Mobilgeschichte wieder erwecken

NEUES BERUFSFELD – Prisca Greminger lässt sich zur Fahrzeugrestauratorin weiterbilden. Sie ist begeistert von der Ausbildung und setzt das Gelernte mit viel Leidenschaft beim Reparieren von alten Döschwo in der Garage Walder AG in Dübendorf um.

Konzentriert beugt sich Prisca Greminger über den Motor eines weinroten Döschwo. Zwischen Motorhaube und dem Innenleben des Veterans ist nur ihr rötlich-brauner Haarschopf zu sehen. Das Gefährt wurde in den 80er-Jahren erbaut. Sorgfältig und mit fast ein wenig Ehrfurcht vor dem vierrädrigen Zeitzeugen wechselt die junge Frau den Hauptbremszylinder aus. «Jedes Fahrzeug ist eine neue Herausforderung, da die Oldtimer natürlich nicht so standardisiert sind wie die heutigen Fahrzeuge», erklärt Greminger. «Häufig – wenn es keine Ersatzteile mehr gibt – muss man selber eine entsprechende Komponente anfertigen.»

«Die alten Fahrzeuge haben mehr Persönlichkeit.»

Man brauche ein grosses mechani-sches und elektromechanisches Wissen, da nichts computergesteuert sei. «Es ist einfach ein ganz anderes Gefühl, wenn man die Motorhaube öffnet und das technische Innere dieser Oldtimer erblickt, als wenn alles unter Plastikhauben gut versorgt ist», so Greminger. Die alten Fahrzeuge hätten mehr Persönlichkeit und Charme als unsere modernen, total elektronikgesteuerten Wagen. «Jeder dieser Veteranen hat seine Schwächen, aber dies gibt ihnen Charakter. Als Fahrzeugrestauratorin nimmt man darauf Rücksicht und arbeitet sehr behutsam – ein Hegen und Pflegen ist selbstverständlich», so Greminger. Die gelernte Motorradmechanikerin kommt aus einer technisch begeisterten Familie und interessierte sich schon als Kind für die historische Technik. Selber im Besitz eines alten Seitenwagentöffs – einem Dnepr MT12 mit Jahrgang 1985 aus sowjetischer Produktion –, ist sie dem Verein «Freunde Alter Motorräder» (FAM) beigetreten. Die Winterthurerin erfuhr via Inserat in der Verbandszeitung von der neu lancierten Weiterbildung zur Fahrzeugrestauratorin. So begann sie Ende November mit 14 Männern diese Weiterbildung. Momentan beschäftigt sie sich im ersten Modul mit den alten Getrieben. «Die Ausbildung ist super, aber sehr intensiv, da sehr viel Stoff behandelt wird. Wir müssen uns einen Überblick über 70 Jahre Technik aneignen», so Greminger. In den insgesamt zwei Jahren stehen sechs Module «Technik» sowie drei Module «Restaurierungsberatung» auf dem Lehrplan. Es herrsche ein sehr motivierendes Lernklima. «Die Teilnehmenden wie auch die Lehrer sind alle äusserst engagiert und mit viel Herzblut bei der Sache», so die Oldtimer-Liebhaberin.

«Ein hoher Qualitätsstandard gehört dazu.»

Ein wichtiges Thema der Weiterbil-dung sei auch die Restaurationsethik. «Es ist wichtig, dass wir als Fachleute von A bis Z gut ausgebildet sind und einen hohen Qualitätsstandard bieten können», betont Greminger. Gerade die Beratung und Betreuung der Kunden von Oldtimern bedürfe sehr viel mehr Fingerspitzengefühls als bei den modernen Autos. «Der Kunde hat in der Regel eine enge Beziehung zu seinem Oldtimer und wird sowohl beim technischen als auch beim finanziellen Aspekt miteinbezogen.»

Unterstützung vom Arbeitgeber

Seit Oktober arbeite die 30-Jährige in einem 80-Prozent-Pensum bei der Garage Walder AG in Dübendorf-Gfenn. Sie ist spezialisiert auf alte Fahrzeuge der Citröen-Klassiker. «Zu 80 Prozent reparieren und restaurieren wir Döschwo aus den 50er-Jahren und älter», erklärt Werkstattchef Michael Thoma. Sie seien gut ausgelastet. In den letzten zehn Jahren hätten vor allem umfassende Renovationsarbeiten zugenommen. Mit seiner engagierten Mitarbeiterin ist er sehr zufrieden. «Wir haben ein angenehmes Arbeitklima. Mein Chef nimmt sich sehr viel Zeit, um Details genauer zu erklären, gerade weil ich ursprünglich aus der Motorradbranche komme und autospezifische Bauteile noch nicht kenne. Ich lerne hier viel», freut sich Greminger.

Die Arbeit sei vielfältig und reiche vom Radwechsel über den Service bis hin zu einfacheren Spenglerarbeiten und Komplettrestaurierungen. Das Tüpfchen auf dem i ist für Prisca Greminger jeweils am Ende eines Auftrages das Probefahren: «Zuerst musste ich mich etwas umgewöhnen und lernen, mit den alten Schaltungen zurechtzukommen. Doch mittlerweile macht es einfach nur Spass, ein Stück Geschichte wieder fahrtüchtig zu machen.»

Corinne Remund