Publiziert am: 06.09.2019

Mythos Start-up-Nation Schweiz

Start-ups – Die Förderung von KMU steht gerade jetzt, wo es auf die Wahlen zugeht, hoch oben auf der politischen Agenda. Doch von den politischen Sonntagsreden bleibt nicht viel übrig.

Trotz Unterstützung unternehmerischer Initiativen auf kantonaler und nationaler Ebene, einer zunehmenden Anzahl von Aus- und Weiterbildungsprogrammen sowie steigender Investitionen in unternehmerische Projekte und Start-ups sei die Schweiz weit davon entfernt, eine Start-up-Nation zu sein. Das schreibt die Hochschule für Wirtschaft Fribourg und stützt sich dabei auf die Ergebnisse des Länderberichts Schweiz des Global Entrepreneurship Monitors.

Autsch, die Schweiz keine Start-up-Nation? Dabei wird die Innovationskraft, das unternehmerische Denken doch so hoch geschätzt und von Politikern aller Couleurs in ihren Ansprachen besungen.

Davon scheint in der Realität aber nicht so viel übrig zu bleiben. Die Absichten der Schweizer Bevölkerung, ein Unternehmen zu gründen, liegen mit 6,9 Prozent nicht nur deutlich unter dem Wert von 2017 (10,5 Prozent), sondern auch unter dem Durchschnitt anderer Volkswirtschaften mit hohem Einkommen. Dieser liegt nämlich bei 17,1 Prozent.

Der Glaube schwindet

Die neuen Ergebnisse zeigen auch auf, dass Schweizerinnen und Schweizer wenig Vertrauen in ihre unternehmerischen Fähigkeiten haben. Hinzu kommt eine grössere Angst vor dem Scheitern im Vergleich zur Befragung von 2017. Die Hochschule für Wirtschaft Fribourg schreibt in ihrer Mitteilung: «Der Prozentsatz der Schweizer, die glauben, über die erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse zu verfügen, um ein Unternehmen zu gründen, verfehlt den europäischen Benchmark und bleibt weit hinter dem starken Vertrauen der Amerikaner in ihre eigene Fähigkeit, ein Unternehmen zu gründen.» Seit 2013 schwinde der Glaube an die eigenen Fähigkeiten und liege mittlerweile auf dem niedrigen Niveau von 2012.

Auch die Aufmerksamkeit der Medien für das Unternehmertum werde kleiner. «Der Unterschied zu den Spitzenländern ist 2018 grösser geworden», sagt Rico Baldegger, einer der Autoren der Studie. «Die Ergebnisse sind kritisch und müssen in den nächsten Jahren genau beobachtet werden.»

Von 32 Ländern mit hohem Einkommen liegt die Schweiz an 30. Stelle, was die Anzahl junger Schweizerinnen und Schweizer (zwischen 18 und 24 Jahre alt) angeht, die an der Gründung eines Unternehmens oder der Leitung eines Start-ups beteiligt sind. Die 2,2 Prozent bedeuten im Vergleich zu den Spitzenreitern Kanada (27,3 Prozent), den Niederlanden (15,9 Prozent) oder den USA (14,7 Prozent) eine enorme Differenz. «Daraus schliesse ich», so Rico Baldegger, «dass unser Unterstützungsangebot in Tat und Wahrheit die falsche Altersgruppe anspricht. Die Idee des jungen Unternehmergenies, des Mozart-Mythos, ist irreführend.»

Starke Familien

Zwei Drittel der etablierten Unternehmen befinden sich im Besitz der Gründerin oder des Gründers und der Familie, mehr als 84 Prozent werden von dieser Gruppe geführt. Bei den Start-ups liegt dieser Wert leicht tiefer. Ob aber Unternehmen, die familiengeführt werden, bessere Überlebenswahrscheinlichkeiten hätten, könne mit den vorliegenden Daten nicht geklärt werden. Bemerkenswert bleibe aber das überdurchschnittlich hohe Vertrauen in Familienunternehmen. Die befragten Experten bewerten diese spezifische Führung durchwegs äusserst positiv.

uhl

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