Publiziert am: Freitag, 16. Oktober 2015

Natur und (KMU-)Alltag verbinden

CITIZEN BEES – Das Neuenburger Jungunternehmen will die Verbreitung urbaner Bienenvölker fördern. Das Hotel Schweizerhof in Bern macht beim Projekt «Urban Beeing» mit – Die 150 000 «neuen Mitarbeiterinnen» liefern gesamthaft 160 Kilogramm Honig.

Im Hotel Schweizerhof in Bern fliesst seit diesem Jahr der Honig in Strömen. Das renommierte Fünf-Stern-Superior-Haus ist nämlich Honigproduzent. Seit April beherbergt das Luxushotel in drei «Mini-Hotels» auf dem Dach rund 150 000 fliegende Mitarbeiterinnen. Diese haben über den Sommer eifrig gearbeitet und 
160 Kilogramm Honig zusammengetragen. «Wir beteiligen uns als erster Partner der Stadt Bern am innovativen Projekt des Jungunternehmens «CitizenBees»», erklärt Iris Flückiger, Direktorin des Hotels Schweizerhof in Bern. Das Start-up setzt sich für die Verbreitung von urbanen Bienenvölkern ein, mit dem Ziel, das ökologische Gleichgewicht zu fördern und auf die Problematik des Bienensterbens aufmerksam zu machen. «In der Schweiz stirbt jährlich ein Drittel des Bienenbestandes. Die Bienen sind jedoch für das natürliche und landwirtschaftliche Ökosystem essenziell», erklärt Audric de Campeau, Inhaber von «CitizenBees».

«Das Projekt ermöglicht lokalen Imkern ein Einkommen.»

Audric de Campeau war in der ­Uhrenindustrie im Marketing tätig und lebt seit 2011 in der Schweiz. «Am Wochenende fuhr ich jeweils 1000 Kilometer zu meinen Bienenstöcken nach Frankreich. Es kam der Moment, wo ich mich entschied, meine Passion für die Imkerei vollberuflich auszuleben», erklärt der Bienenkenner. Und so gründete er 2013 «CitizenBees». Laut de Campeau fühlen sich die Honigbienen in der Stadt wohl. Diese Beobachtung gab für den Franzosen den Ausschlag, sein Start-up zu gründen. «Ich bemerkte, dass ich in Paris bis zu 50 Kilogramm Honig pro Bienenstock ernten konnte, während der Ertrag auf dem Land nur rund 20 Kilogramm beträgt. Ich beobachtete auch, dass in der Stadt weniger Bienenvölker sterben. So ist die Idee für ‹CitizenBees› entstanden.»

Auf dem Land würden Pestizide den Bienen das Leben erschweren, während dies in der Stadt nicht der Fall sei. Im Gegensatz zur Monokultur auf dem Land sei die Biodiversität in der Stadt grösser – was für die Bienen wichtig sei. «Daraus schliesse ich, dass die Bienen sich in der Stadt wohl fühlen», so de Campeau.

Mehr Verständnis für die Bienen

Unter dem Motto «Ein dynamisches Projekt – ein ökologischer Einsatz» bietet de Campeau seinen Kunden die Dienstleistungen an, Bienenstöcke zu installieren. Um das Wohl der Bienen kümmern sich Partner-Imker, die in der Region des Kunden wohnen und die lokalen Gegebenheiten kennen. Im Fall des Hotels Schweizerhof in Bern ist dies Jo Roth. Er hegt und pflegt die «Schweizerhof»-Bienen und ist natürlich vom Projekt begeistert: «Ich finde dies eine gute Sache. Es ermöglicht lokalen Imkern ein Einkommen.» «CitizenBees» bietet zudem den teilnehmenden Unternehmen die Möglichkeit, über technische Mittel die Aktivität der Bienen zu beobachten. Kunden und Mitarbeitende kämen so in den Kontakt mit den faszinierenden Tierchen. «Damit bringt das Projekt die Bienen noch näher zu den Leuten, die keinen direkten Bezug zur Imkerei oder zur Natur haben», freut sich Roth.

Die Bienenstöcke respektive die Bienen stammen von Partner-Imkereien in Neuenburg, Freiburg und Vevey. «Wir arbeiten mit der Rasse Carnica, einer sehr sanftmütigen Biene. Dabei ist es wichtig, dass die Leute, die sich mit Bienen nicht auskennen, Vertrauen zu den Tieren fassen», sagt de Campeau. Er arbeitet mit 
15 Partnern zusammen. Mit der Entwicklung seines Projektes ist er sehr zufrieden. Bis jetzt gehören nebst dem Hotel Schweizerhof in Bern das Hotel Beau-Rivage in Neuenburg, das «Alpina» in Gstaad sowie die Migros Aare und Migros Neuenburg zu seinen Kunden. Weitere Kunden, auch KMU, sind herzlich willkommen. «Dank der grossen Kunden läuft es sehr gut. Teil von 
‹CitizenBees› ist es, mit technologischen Mitteln das Leben der Bienen via Bildschirm nach aussen zu tragen. Damit erreicht die Thematik ein immer grösser werdendes Publikum», so de Campeau. Der Bienenstock sei ein Beispiel für ein Unternehmensmodell. «Eine Biene durchläuft im Verlauf ihres Lebens verschiedene Aufgaben.

«Ziel ist es, das ökologische Gleichgewicht zu fördern und auf das Bienensterben HINZUWEISEN.»

So ist sie beispielsweise Ernährerin, Bauherrin, Logistikerin, Transporteurin oder Wächterin. Es gibt unter­einander keine Konkurrenz, denn alle befolgen dasselbe Ziel – sprich das Wohl des Bienenstockes», so der Bienenliebhaber. Er will sein Start-up weiterentwickeln. Dazu gehört für 
de Campeau auch, die technischen Mittel für die Beobachtung der ­Bienen für Kunden und Imker noch weiter auszubauen.

Urbane Bienen fördern

Auch den Bienen scheint es auf dem Dach des Hotels Schweizerhof in Bern zu gefallen. So haben sie bereits 160 Kilogramm Honig heimgebracht. Dieses erfreuliche Resultat führt Imker Jo Roth einerseits auf das schöne Wetter im Frühling und Sommer zurück. «Andererseits gibt es in der Stadt keine grossen Trachtlücken. Die Begrünung der Stadt Bern begünstigt dies – Ahorn, Rosskastanie, Akazie und Linde lösen sich gegenseitig ab, so dass keine Lücken entstehen.» Ein weiterer massgebender Faktor sei der sogenannte «Waldhonig», der in diesem Jahr bereits im Mai an den Laubbäumen zu finden war, während dies in anderen Jahren erst Anfang Juli der Fall war. Corinne Remund

NACHGEFRAGT bei hoteldirektorin Iris flückiger

«Einen Beitrag zum Fortbestand der Bienen leisten»

Schweizerische Gewerbezeitung: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Projekt
des Jungunternehmens «CitizenBees» zu ­unterstützen?

Iris Flückiger: Die Idee kam ursprünglich von einem Mitarbeiter, der vom jungen Start-up-Unternehmen «CitizenBees» erzählt hat. Gemeinsam wurde das Projekt überprüft und entschieden, dass es eine schöne und spannende Idee ist.

Was überzeugt Sie an diesem Projekt?

Das Projekt gibt uns die Möglichkeit, wunderbaren Honig lokal direkt auf unserem Dach für unsere Gäste zu produzieren, den wir als Geschenk oder Give-away verteilen. Als weiteren Effekt finden wir es schön, einen Beitrag zum Fortbestand der bedrohten Bienen leisten zu können.

Was sind für Sie die grössten Herausforderungen bei diesem Projekt?

Ich war von Anfang an sehr begeistert und überzeugt von dieser innovativen Idee, und es war wichtig, dass das Projekt professionell umgesetzt wird. Das heisst, die Bienen werden von einem lokalen Imker betreut, der mit «CitizenBees» zusammenarbeitet und mehrmals in der Woche zu den Bienen schaut und für ihr Wohl zuständig ist. Unsere Mitarbeiter wurden entsprechend geschult, und es war für das gesamte Hotel sehr spannend, in diese neue Welt der Stadtimkerei einzutauchen.

Sie konnten 160 Kilogramm Honig ernten. Waren Sie überrascht?

Wir hatten mit maximal 120 Kilogramm gerechnet und freuen uns umso mehr, dass der Honigertrag gleich im ersten Jahr so reich ausgefallen ist.

Wie schmeckt der Honig den Gästen?

Unser eigener Fünf-Sterne-Honig sowie das gesamte Projekt sind bei den Gästen sehr gut angekommen – wir hatten bereits viele positive und erfreuliche Rückmeldungen. Interview: CR