Publiziert am: 17.06.2022

Neue Märkte tun sich auf

TEXTILPFLEGE SCHWEIZ – Schweizerische Textil-Service-Anbieter leisten einen wichtigen Beitrag zur Schweizer Wirtschaft. Momentan hat die Branche Herausforderungen wie massive Kostensteigerungen sowie den Fachkräftemangel nach zwei Jahren Pandemie zu meistern. Mit der 2. Berufsmeisterschaft an den SwissSkills 2022 setzt der VTS ein Zeichen für die Zukunft.

Die Textilpflegebranche befindet sich in einem Wandel: Grosse Betriebe werden noch grösser und kleinere werden vermehrt zu Nischenverarbeitern. «Die Logistik und eine gute Prozessorganisation sind dabei unerlässlich», erklärt Melanie Saner, Geschäftsführerin des Verbandes Textilpflege Schweiz VTS. Zudem spürt die Branche auch den Trend, dass Textilien immer günstiger werden. So wurden früher mehr Kleider – vor allem auch teure Qualitätskleidung – in die Textilreinigung gebracht und die Textilien wurden häufiger gereinigt. «Heute ist vieles auch in der Haushaltwaschmaschine waschbar. Jedoch entlasten Textilreiniger Haushalte, da man seine Wäsche so outsourcen kann», sagt Saner. Nicht zu vergessen ist die Digitalisierung, die Prozesse und Dienstleistungen rund um den Kunden optimiert und so in der Branche neue Möglichkeiten eröffnet.

Die Branche hat mit der Coronapandemie eine schwierige Zeit hinter sich und die einzelnen Betriebe erholen sich nur langsam davon. «Die Situation hat sich wieder etwas normalisiert, wobei es je nach Kundensegment immer noch angespannt sein kann. Homeoffice und digitale Sitzungen führen letztlich auch bei uns zu Umsatzeinbussen», weiss Saner.

«Unser Beruf hat ein Imageproblem. Viele Jugendliche, Eltern und Lehrer haben von unserem Beruf ein falsches bild oder kennen uns nicht.»

Nach wie vor sind Textilpfleger Spezialisten, wenn es um den Hygieneaspekt der Wäsche im Gesundheitswesen – in Spitälern, Alters- und Pflegeheimen sowie in anderen Institutionen – geht. Corona hat an dieser ausgeprägten Hygiene nicht viel verändert. «Auch vorher gab es bereits Prozesse, um Textilien hygienisch aufzubereiten. Dem gegenüber ist aber dank Corona die Wahrnehmung bei Kunden und der Bevölkerung gestiegen, was erfreulich ist», so Saner.

Ein Label für Nachhaltigkeitund Sicherheit

Die Branche hat sich auf allen Ebenen der Qualität verpflichtet. Damit hebt sie sich unter anderem von der ausländischen Konkurrenz ab und fordert gleich lange Spiesse für die Mitbewerber aus dem Ausland. In diesem Rahmen setzt der VTS auf das Label «Textiles washed in Switzerland», das sich bis jetzt bestens bewährt hat. Es steht für in der Schweiz hygienisch aufbereitete Wäsche, kurze Transportwege und sichere Arbeitsplätze in der Schweiz. Aufgrund formeller Unzulänglichkeiten am Zoll werden täglich mehr als 30 Tonnen Wäsche über die Schweizer Grenze transportiert. «Ungenügende Kontrollen öffnen Tür und Tor für die Konkurrenz aus dem Ausland. Schweizer Textil-Service-Anbieter können aufgrund unterschiedlicher Lohn- und Produktionskosten nicht mit den Preisen aus dem Ausland mithalten», stellt Saner fest. Auch das Thema Nachhaltigkeit und umweltfreundliche Textilpflege spielt dabei eine grosse Rolle. Mit dem Label «Textiles washed in Switzerland» will der VTS den Schweizer Produktionsstandort und das Bewusstsein für hygienisch und umweltfreundlich aufbereitete Wäsche in der Schweiz stärken.

Ressourcenschonend und nachhaltig

Gewerbliche Wäschereien wie auch Textilreinigungen haben schon seit Langem ein starkes Bewusstsein für die Umwelt und die Relevanz eines effizienten Energie- und Ressourcenverbrauchs. So ist der Umgang mit Wasser, Chemie und Energie viel bewusster als noch vor Jahren. Viele Mitglieder-Betriebe haben sich am Programm der Energie-Agentur der Wirtschaft EnAW angeschlossen und bekennen sich zur aktiven Reduktion der CO2-Emissionen und zur Optimierung der Energieeffizienz. Nachhaltiges Handeln ist allerdings meistens mit Zusatzkosten verbunden – sei dies mit höheren Produktkosten oder Umrüstungskosten von Maschinen. «Der Textil-Service-Anbieter soll und kann diese Kosten nicht allein tragen. Mehrkosten müssen also auch an den Kunden weitergegeben werden – dabei ist stets die Frage, ob dieser auch bereit ist, diese mitzutragen», gibt Saner zu bedenken.

Auch der VTS setzt sich schon lange für die Nachhaltigkeit ein – beispielsweise im Bereich Energie und Ressourceneffizienz. Einerseits wird mit dem Verein Kontrollstelle Textilreinigung Schweiz (VKTS) sichergestellt, dass gesetzliche Bestimmungen in Textilreinigungen eingehalten werden, andererseits bietet der Verband Textilpflege Schweiz VTS mit dem Nachschlagewerk «Ressourceneffizienz in Textilreinigungen und Wäschereien – RessEff – Handbuch für die Praxis» einfach umsetzbare Massnahmen für Ressourceneinsparungen.

2. Berufsmeisterschaft an den SwissSkills Bern 2022

Die Aus- und Weiterbildung ist ein Kerngebiet des Verbandes. Während vor zehn Jahren rund 15 Lernende pro Jahr die dreijährige Lehre zur Fachfrau bzw. Fachmann Textilpflege EFZ gestartet haben, sind es letztes Jahr nur noch acht und für dieses Jahr voraussichtlich lediglich vier Lernende. Dazu Saner: «Wir sind auf gut ausgebildetes Fachpersonal angewiesen. Allerdings ist es leider sehr schwer, genügend Nachwuchs zu rekrutieren.» Das Angebot bestehe, doch die Nachfrage ist zu niedrig. Und der Fachkräftemangel ein grosses Thema. «Unser Beruf hat ein Imageproblem. Viele Jugendliche, Eltern und Lehrer haben von unserem Beruf ein falsches Bild oder kennen ihn schon gar nicht. Dabei ist es ein komplexer und interessanter Beruf, der ein grosses Wissen in den Bereichen Chemie, Physik über Textilkunde bis hin zum Verkauf voraussetzt.»

Der engagierte Verband unternimmt viel, um junge Leute zu rekrutieren. Dabei packt der VTS die Chance, das Schaufenster der SwissSkills 2022, die vom 7. bis 11. September in Bern stattfinden, ausgiebig zu nutzen. Bereits zum zweiten Mal nach 2018 finden die Berufsmeisterschaften der Textilpflege statt. Neben dem Wettkampfbereich steht auch eine Fläche für sogenannte Berufsdemonstrationen zur Verfügung. «Dieser Platz bietet Gelegenheit, mit interessierten Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonen und Eltern ins Gespräch zu kommen und über unseren Beruf zu informieren.» Und Saner betont: «Dies ist ein Mammutprojekt für unseren Verband, aber die Werbung für unseren Beruf und unsere Dienstleistungen lohnen sich allemal.»

Massive Kostensteigerungen

Momentan steht die Branche vor grossen Herausforderungen wie die steigenden Kosten an den Rohstoffbörsen (Öl, Gas). «Die Problematik hat sich durch den Krieg in der Ukraine weiter verschärft», so Saner. Ebenso sind die Betriebe durch Lieferschwierigkeiten von Material sowie dem grossen Konkurrenzdruck in der Branche und den immer kleiner werden Margen massiv gefordert. Saner ist trotzdem überzeugt, dass die Branche noch lange weiterbesteht und sich mit viel Innovation und Weitsichtigkeit behaupten wird, denn Textilien werden immer gewaschen und gepflegt werden. Zudem tun sich mit Krankenhaus- und Pflegeleistungen und insbesondere in der häuslichen Pflege neue Märkte auf.

Corinne Remund

www.textilpflege.

DAS MACHT DER VTSMitglieder erzielen drei Viertel Umsatz der gesamten Branche

Für gleich lange Spiesse

Der Verband Textilpflege Schweiz VTS wurde 1998 gegründet und entstand aus dem Schweizerischen Textilreiniger Verband und dem Schweizerischen Wäschereiverband. Er wahrt die Anliegen und Interessen seiner Mitglieder als kompetenter Gesprächspartner gegenüber Behörden, Verbänden, Medien und Konsumentenschutzorganisationen. Der VTS setzt sich für geordnete Verhältnisse in der Branche ein, so durch die Forderung nach gleich langen Spiessen im Wettbewerb, durch die Harmonisierung der Anstellungs- und Sozialversicherungsbedingungen, durch den Erlass von allgemeinen Geschäfts- und Lieferbedingungen sowie durch konsequente Durchsetzung von Umweltvorschriften. Mit zielgerichteten Aktionen pflegt er das Image der Textilpflegebranche und hebt seinen Berufsstand durch Förderung der beruflichen Aus- und Weiterbildung.

Mitglieder erzielen drei Viertel Umsatz der gesamten Branche

Der VTS vereint über 200 Mitglieder – Textilreinigungen, Wäschereien und Zulieferfirmen mit insgesamt rund 3000 Beschäftigten. Seine Mitglieder erzielen rund drei Viertel des in der Schweiz in der Textilpflegebranche realisierten Umsatzes.

CR

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