Publiziert am: 06.06.2014

Neuer Markt mit Zukunftspotenzial

MESSERSCHMIEDE SCHERRER – Das Familienunternehmen in Bülach verbindet altes Handwerk mit neuem Lifestyle. Es hat sich auf hochwertige Messer spezialisiert und ist so erfolgreich auf die Trendwelle «Messer als typisches Männer-Accessoire» aufgesprungen.

Wer die Küche noch immer für männ-liches Sperrgebiet hält, hat vermutlich den Schuss nicht gehört. Schliesslich ist nichts maskuliner, als hinter dem Herd eine frisch geschärfte Klinge zu schwingen. Der Messerblock gilt heute als Statussymbol, über Stahlhärtegrade entbrennen unter Freunden abendfüllende Diskussionen und gerne imponiert Mann mit dem Lifestyle-Werkzeug dem weiblichen Publikum. «Das Messer ist in den letzten Jahren für den Mann zu einem unentbehrlichen Lifestyle-
Produkt geworden. Beim Zelebrieren dieses Werkzeuges kann sich Mann noch als harter Kerl beweisen und seine Männlichkeit voll ausleben», erklärt Werner Scherrer, Inhaber der Messerschmiede Scherrer im Herzen der Altstadt Bülach. 90 Prozent seiner Kunden seien Männer, dementsprechend sei sein Fachgeschäft vorwiegend männliches Hoheitsgebiet. «Mit diesem männlichen Zielpublikum im Hochpreissegment hat sich in den letzten Jahren ein neuer Markt mit viel Zukunftspotenzial entwickelt», so Scherrer. Zwei Drittel seines Umsatzes generiert er denn auch mit dem Verkauf von hochwertigen Messern, einen Drittel machen die Schleifarbeiten in der Werkstatt aus.

«90 PROZENT MEINER KUNDEN SIND MÄNNER.»

Sein Angebot ist breitgefächert und reicht von sensiblen japanischen Messern über robuste Universalmesser bis hin zu hochwertigen Damast- und Keramikmessern und geschmiedeten Kochmessern. Taschenmesser, Scheren und Bestecke aus auserlesenen Manufakturen vervollständigen sein exquisites Angebot. «Messer sind unsere Kernkompetenz, denn je teurer die Messer, desto wichtiger ist ein Fachmann, der sich auskennt», betont der Messerschmied. Vor allem für die männliche Kundschaft sei der Kauf eines Messers ein Erlebnis. «Männer wollen beraten und informiert werden und auch über ihren potenziellen Kauf fachsimpeln.» Werner Scherrer führt das KMU in 3. Generation und hat nach verschiedenen beruflichen Stationen das Unternehmen 1988 von seinem Vater übernommen. Das Herzstück des Betriebs ist die Werkstatt, wo noch die beiden Schleifböcke sowie eine Scheren-schleifmaschine stehen. Die Landert-Maschinen mit Jahrgang 1953 kommen noch täglich zum Einsatz. «Ich schleife noch alles von Hand. Die uralte Technologie aus der Zeit meines Grossvaters hat sich praktisch nicht verändert», erklärt das ehemalige Vorstandsmitglied des Messer-schmiedeverbandes. Das uralte Wissen des Messerschmieds habe er vom Vater gelernt. Den Feinschliff sowie zusätzliche Tricks hätte ihm sein Mentor, Walter Röthlisberger aus Bärau, beigebracht. «Ein scharfes Messer ist etwas Faszinierendes und das genialste Werkzeug, das es gibt.» Es sei für ihn immer wieder eine Herausforderung, ein Messer mit viel Fingerspitzengefühl und Empathie zu schärfen. Das fachgerechte Schärfen, Hegen und Pflegen der sensiblen Messerklinge sei mehr als bloss eine Dienstleistung für ihn und seine Kundschaft. «Es ist ein Ritual, das eng mit dem feinstofflichen Bereich verknüpft ist», betont Scherrer. Nebst Privaten bringen Restaurants und Schulen ihre Schneidewerkzeuge zum Schleifen.

«DIE URALTE TECHNOLOGIE DES SCHLEIFENS HAT SICH NICHT VERÄNDERT.»

Ein wichtiger Partner für das Messer-schmiedebusiness ist der rund 130jährige Schweizer Messerhersteller Victorinox. Dieser wolle sich künftig in der Lehrlingsausbildung engagieren und aktiv mithelfen, das wertvolle Know-how des Messerschmieds zu erhalten. «Unser Beruf hat gute Zukunftsaussichten», ist Scherrer überzeugt. Er selber will die «Männertraum-Messer-Welle» noch mehr ausreizen. Corinne Remund