Publiziert am: Freitag, 19. Februar 2016

Noch lange kein Grund zur Panik

Schweiz–China – Die Übernahme des Basler Agrochemiekonzerns Syngenta durch ChemChina ist die erste in dieser Grössen­ordnung. Muss uns dies beunruhigen? Nicht unbedingt. Aber achtsam zu bleiben, kann nicht schaden.

Noch nie zuvor war die Schweiz von einer durch die Chinesen realisierten Übernahme derart stark betroffen. Der geplante Kauf von Syngenta durch ChemChina schliesst ein Jahr ab, in dem die Braut Syngenta sich gegen eine Hochzeit mit dem US-Multi Monsanto gesträubt hatte. Heute bleibt eine Frage offen: Ist die Übernahme eines Schweizer Unternehmens durch einen chinesischen Investor beunruhigend? Muss uns dies beschäftigen? Die Antwort lautet nein – und ja.

«CHINA SCHÄTZT SCHWEIZER TECHNO­LOGIE UND KNOW-HOW – AUCH ZU HAUSE.»

Das Interesse der chinesischen Investoren an Schweizer Unternehmen ist gross. Es basiert unter anderem auf dem Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und dem Reich der Mitte, welches am 1. Juli 2014 in Kraft getreten ist. Die chinesische Botschaft in der Schweiz und Switzerland Global Enterprise (S-GE, ehemals Schweizerische Zentrale für Handelsförderung) schätzen, dass es heute zwischen 70 und 80 in der Schweiz präsente chinesische Unternehmen gibt.

Erfolg als gemeinsamer Nenner

Einige Beispiele: Die Jinsheng Group hat im Jahr 2013 die OC Oerlikon übernommen. China Petrochemical (Sinopec) übernahm im Jahr 2010 das Genfer Unternehmen Addax. Der Uhrenhersteller Eterna gehört der China Haidian Holding. Und Swissport, der wichtigste Dienstleister an Flughäfen und von Luftfahrtgesellschaften in der ganzen Welt, ist in der HNA Group von Hainan aktiv. Swissmetal und neu auch der Trinkflaschenproduzent Sigg sind ebenfalls in chinesischen Händen.

All diese Unternehmen haben einen gemeinsamen Nenner: Alle sind erfolgreich. Alle tragen zum Erhalt von Arbeitsplätzen in der Schweiz bei. Alle kann man als sehr schweizerisch bezeichnen. Es gibt also keinen Zweifel daran, dass Syngenta auch weiterhin ihre Aktivitäten weiterführen und die Arbeitsplätze in der Schweiz behalten wird. Somit steht das Unternehmen auch weiterhin für «Swissness».

Wir müssen aufpassen

Doch andererseits gibt es auch mindestens drei Gründe, die uns dazu zwingen, bei Übernahmen von Schweizer Firmen durch die Chinesen wachsam zu bleiben und besser hinzuschauen.

Erstens: Chinesische Unternehmen verfolgen langfristige Ziele. Dies einerseits, weil sie von der Schweizer Technologie und dem Know-how fasziniert sind. Und andererseits, weil sie eben diese Technologien und dieses Know-how so schnell wie möglich nach China transferieren möchten.

Zweitens: Auch wenn nicht alle chinesischen Firmen dem Staat gehören, existiert in diesem Land eine sehr enge Kooperation zwischen dem chinesischen Staat und der Wirtschaft. Dies muss zwar nicht per se negativ sein, diese Tatsache kann aber von Schweizer Akteuren nicht umgestos­sen werden. So werden teilweise Entscheidungen getroffen, die nicht immer verständlich scheinen.

Drittens: Es ist allgemein bekannt, dass die verstaatlichten Firmen in China nicht sehr produktiv sind. Dies könnte Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft haben.

Optimistische Schlussfolgerung

Diese drei Gründe bringen uns dazu, aufmerksam zu bleiben. Wenn wir dies auch weiterhin tun, werden die schweizerisch-chinesischen Firmen weiterhin von Erfolg geprägt bleiben. Deshalb haben wir weiterhin gute Gründe, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Auf jeden Fall für Syngenta!

Henrique Schneider,

Ressortleiter sgv