Publiziert am: 10.06.2016

Normen und Standards fehlen noch

Bild: Abbildung_2

Die Abbildung zeigt die Länder mit dem höchsten BIM-Implementierungslevel der Bauunternehmer. Alleine von 2013 bis 2015 hat die Prozentzahl massiv zugenommen.

Bild: SmartMarket Report 2016, McGraw Hill Construction

BAUEN DIGITAL SCHWEIZ

Die Schweizer Bauwirtschaft steht unverkennbar am Anfang eines umfassenden Digitalisierungsprozesses. Während dieser Prozess im Ausland bereits weiter fortgeschritten ist, hinkt die Bauwirtschaft hierzulande hinterher. In anderen Branchen wurde die Digitalisierung oftmals durch globale Branchenführer vorangetrieben, welche in dieser Form in der Schweizer Baubranche nicht existieren. Die notwendigen Normen und Standards fehlen noch weitgehend – wie werden diese geschaffen?

«Die Digitalisierung hat einen massiven Einfluss auf die Prozesse in den einzelnen Unternehmungen.»

Warum die Mehrheit der Schweizer Bauwirtschaft hier in den letzten Jahren nicht als treibende Kraft gewirkt hat, weist mehrere Ursachen auf. Ein wesentlicher Faktor ist der Boom der Bautätigkeit in den vergangenen Jahren. Trotz schwindenden Margen sorgten die vollen Auftragsbücher dafür, dass Rationalisierungsmassnahmen und Kostensenkungen für die meisten Unternehmen nicht von existenzieller Bedeutung waren. Damit war auch der Druck seitens der Nachfrager auf die Kosten stark eingeschränkt. Der gute Ausbildungsstand der hiesigen Fachkräfte ermöglicht es zudem, Planungsfehler auf der Baustelle auszumerzen.

BIM – drei Buchstaben, viele Fragen

Der Begriff «Building Information Modelling» ist in der Bedeutung mit der Gebäudedatenmodellierung gleichzusetzen und lässt Spielraum für Interpretationen. In der Praxis wird darunter eine Methode der optimierten Zusammenarbeit im Bereich der Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden mit Hilfe von Datenmodellen verstanden. Das virtuelle Projekt kann als Datenmodell optimiert werden, bevor dieses real erstellt wird. Vielfach werden weitere Begriffe und Abkürzungen verwendet, welche einen wesentlichen Beitrag zur aktuellen Verunsicherung beitragen, schlussendlich drehen sich alle Definitionen um die Digitalisierung des Bauwesens.

«Während der Digitalisierungsprozess im Ausland weit fortgeschritten ist, hinkt die Bauwirtschaft in der Schweiz hinterher.»

Neue Technologien haben Arbeits- und Wirkungsweisen seit Menschengedenken verändert. Damit neue Methoden und die entsprechenden Werkzeuge genutzt werden können, muss die Art des Informationsaustauschs angepasst werden. Nur so kann ein Mehrwert ohne Mehraufwand entstehen. Das Einführen von neuen Methoden bedeutet damit nicht primär ein «BIM-fähiges» CAD-System zu installieren und 3D zu modellieren. Die Digitalisierung hat einen massiven Einfluss auf die Prozesse in den einzelnen Unternehmungen, aber auch auf die Zusammenarbeit im Projektumfeld. Der Mehrwert – ein optimiertes Projekt – wird unter anderem durch eine möglichst transparente Zusammenarbeit und durch einen offenen Umgang aller Projektbeteiligten erreicht.

Peter Scherer, 
Geschäftsführer «Bauen digital Schweiz»

«Bauen digital Schweiz»: Die Interessengemeinschaft «Bauen digital Schweiz» vereint die bestehenden Institutionen, Verbände und Unternehmungen rund um das Bauen und vertritt damit ein gemeinsames Anliegen. Die Lancierung erfolgte im Juni 2015 – heute sind bereits über 140 Firmen und 40 Institutionen entlang der Wertschöpfungskette «Planung, Zulieferung, Bau und Betrieb» in einer Interessensgemeinschaft als Partner vertreten und gestalten aktiv die Zukunft. Sie ist die einzige Plattform in der Schweiz, welche das Thema aufgenommen und über den gesamten Lebenszyklus des Bauens und Betreibens thematisiert.