Publiziert am: 14.08.2015

«Ohne Vertrauen geht gar nichts»

SWISS CHINA CENTER – Robert E. Gubler steht hinter dem Swiss China Center in Zürich. Auf der sgv-Studienreise in China sprach die Gewerbezeitung mit ihm über die Chancen, die das seit einem Jahr geltende Freihandelsabkommen der Schweiz bietet.

Schweizerische Gewerbezeitung: Welche Ziele wollen Sie in China für das Swiss China Center er­reichen?

n Robert E. Gubler: Ich versuche, die richtigen Partner zur Finanzierung unseres anspruchsvollen Projekts zu finden. Das Swiss China Center kann nur von chinesischen Investoren und chinesischen Nutzern verwirklicht werden. Schweizer allein können niemals ein authentisches China Center realisieren. Wir Schweizer bieten Begleitung, Unterstützung und Hilfestellung – ansonsten soll das Swiss China Center in Zürich ein Projekt von Chinesen für Chinesen sein.

Was braucht es, damit sich ein solches Vorhaben verwirklichen lässt?

nIch bin nun bereits zum 5. Mal in China, um das Projekt voranzubringen. Es sind sehr viele Kontakte nötig, bis man die richtigen Personen kennenlernt und mit diesen eine Vertrauensbasis errichten kann. Die chinesische Geschäftswelt unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der europäischen: Klassisches Marketing funktio­niert hier nicht – hier ist «People’s Business» gefragt. Ohne gegenseitiges Vertrauen gibt es in China keine Geschäfte und keine Investoren.

Was haben Sie bisher für das Swiss China Center erreicht?

nMit jedem neuen Kontakt konkretisieren sich unsere Ziele; das Konzept wird immer klarer. Die Chinesen, die ich bisher getroffen habe, reagieren offen und interessiert. Auch unsere anspruchsvollen Zeitvorgaben – bis 2017, spätestens aber 2018 möchten wir das Projekt in Zürich realisieren – stossen auf immer mehr Verständnis. Mögliche Interessenten kommen aus dem Tourismusbereich, von chinesischen Fluggesellschaften sowie aus den Bereichen Finanzen, IT und Immobilien. In den Bereichen Shopping und Internet entwickeln unsere chinesischen Partner bereits eigene Ideen. Meine Hoffnung ist, dass wir die Initialfinanzierung – rund zwei Millionen Franken – bis im Herbst 2015 realisieren können. Dies wird uns erlauben, die konkrete Planung voranzutreiben, den Standort zu sichern und Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen für unsere chinesischen Partner zu beantragen.

Hilft Ihnen dabei das seit dem 
1. Juli 2014 geltende Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China?

nDas Abkommen sichert Schweizer Unternehmen, also auch uns, einen temporären Wettbewerbsvorteil. Der wird vielleicht fünf Jahre anhalten; danach werden die EU- und andere Länder wohl ebenfalls so weit sein.

Die China Construction Bank (CCB) will noch in diesem Jahr in Zürich eine Filiale eröffnen. Eine Renminbi-Plattform in Zürich wird dazu beitragen, dass Schweizer KMU ihren Austausch mit der chinesischen Wirtschaft intensivieren können. Neben der China Construction Bank ebenfalls an einem Engagement in der Schweiz interessiert sind die Bank of China und die Agricultural Bank of China – mitentscheiden wird die chinesische Regierung.

Ohne Einwilligung der chine­sischen Regierung geht also gar nichts?

nSo ist es. Im laufenden Fünfjahresplan sollen die Binnenwirtschaft gestärkt und dafür unter anderem die Löhne erhöht werden. China will wegkommen vom Image des reinen Lieferanten, hin zur eigenen Marke – mit entsprechend höherer Wertschöpfung. Massenproduktion soll durch Qualität ersetzt werden.

Auch vor diesem Hintergrund ist der in Zürich entstehende Business-Hub wichtig. Die Schweiz soll zur Plattform für höherwertige chinesische Konsumgüter werden: Pharma, Kosmetik, Elektronik, Leder- und Textilwaren in bester Qualität und zu bezahlbaren Preisen. Neben dieser Retail-Plattform sollen industrielle Dienstleistungen erbracht sowie Transport- und logistische Systeme zwischen China und der Schweiz ­resp. der EU ausgetauscht werden. Weiter sollen Finanz- und Versicherungs- und schliesslich auch touristische Dienstleistungen unterstützt werden.

Welche Rolle spielen – neben der Regierung – die chinesischen Provinzen?

nDie Provinzen versuchen ebenfalls, potenzielle Investoren zu gewinnen. An Ideen und Projekten fehlt es nicht. Auch für sie ist der Finanzplatz Schweiz interessant. Und natürlich suchen auch hiesige Investoren vor dem Hintergrund 
der tiefen Zinsen oder sogar der ­Negativzinsen nach Möglichkeiten, sich in China weiterentwickeln zu können.

«DAS SWISS CHINA CENTER IST EIN PROJEKT VON CHINESEN FÜR CHINESEN – WIR SCHWEIZER LEISTEN BLOSS UNTERSTÜTZUNG.»

Zusammengefasst lässt sich sagen: Momentan sind die Interessenlagen der Schweiz und Chinas ziemlich deckungsgleich. Es geht also darum, das Zeitfenster der Exklusivität, das uns das Freihandelsabkommen bietet, zu nutzen, bevor auch andere auf den fahrenden Zug aufspringen. Ich bin froh, dass der Schweizerische Gewerbeverband diese Chancen realisiert und Schweizer KMU – u. a. durch Informationsreisen – ermutigt, den Schritt ins Reich der Mitte zu wagen.

Interview: Gerhard Enggist

SWISS CHINA CENTER

China kommt ins 
Zentrum von Zürich

Das Swiss China Center soll bis spätestens 2018 
an der «Neuen Börse» Zürich entstehen. Hinter dem alten botanischen Garten, nur wenige hundert Schritte von der Zürcher Bahnhofstrasse entfernt, sollen auf rund 25 000 Quadratmetern die Voraussetzungen geschaffen werden, «die KMU-Wirtschaft der Schweiz mit jener in China zu verknüpfen und die Zusammenarbeit der beiden Volkswirtschaften zu verstärken», wie Initiator Robert E. Gubler sagt. Nebst Galerien mit exklusiven chinesischen Pres­tigemarken sollen auch Galerien, Industrie- und Handelsausstellungen sowie die authentische Spitzengastronomie aus den verschiedenen Regionen Chinas ihren Platz erhalten. En