Publiziert am: Freitag, 16. Oktober 2015

«Potenzial mit guter Nischenpolitik»

VERBAND SCHWEIZERISCHER GETRÄNKEGROSSISTEN – In der Branche weht ein kalter Wind, der eine strategisch gute Positionierung als Nischenplayer voraussetzt. Der VSG will mit der Förderung der Mehrweggebinde den Service der Mitglieder hervorheben.

Matchentscheidend für den Umsatz der Branche der Getränkegrossisten ist gemäss Geschäftsführer Gilbert Brülisauer das Wetter. «Ideal wäre ein heisser Sommer sowie viel Sonne im Winter auf der Skipiste. Dieses Jahr war wettermässig ab Juni gut», so der Geschäftsführer. Und er prognostiziert für 2015 ein besseres Jahr als das vorgängige. Die Mitglieder des Verbandes Schweizerischer Getränkegrossisten leben von zwei Standbeinen: der Belieferung der Gastronomie sowie der Privatkunden. «Dabei handelt es sich selten um reine Händler. Die meisten Mitglieder sind Mischbetriebe, die noch einen kleinen Produktionsbetrieb integriert haben, beispielsweise eine Mosterei, Brauerei etc.», erklärt Brülisauer.

«Ohne die Unterstützung der Inhaber ist es für die Nachfolger schwierig, Betriebe zu übernehmen.»

Seit zehn Jahren herrscht in der Branche der Getränkegrossisten ein ziemlich harter Wettbewerb und die Anzahl Betriebe hat sich dementsprechend konzentiert. «Unsere grösste Konkurrenz sind Grossverteiler und Discounter», erklärt Brülisauer. Einen grossen Einbruch habe das Gewerbe aber auch aufgrund der Einführung des Rauchverbotes erfahren. Dazu Brülisauer: «Viele Gäste sind deshalb zu Hause geblieben oder anderweitig ausgewichen, sodass sich ihr Fernbleiben bei den Bestellungen der Gastronomie für uns merkbar niedergeschlagen hat.» Für den Strukturwandel verantwortlich seien unter ­anderem auch die schwierigen Nachfolgeregelungen. Die Lager der Betriebe seien meistens mehrere Millionen wert und eine Übergabe an einen Nachfolger, der nicht aus der Familie stammt, eine finanzielle Herausforderung. «Ohne die Unterstützung der Inhaber ist es für die neuen Besitzer schwierig, solche Betriebe zu übernehmen. Wenn kein finanzkräftiger Nachfolger vorhanden ist, wird das Unternehmen durch einen Grossbetrieb entweder übernommen und weitergeführt oder dann geschlossen», sagt Brülisauer.

Spezialisierung und Innovation

Eine weitere Hürde, mit welcher sich die Getränkehändler konfrontiert sähen, sei die aktuelle Sortimentsgestaltung. Aufgrund der harten Bedingungen müssten die einzelnen Firmen strategisch gut arbeiten, so Brülisauer. «Ohne Spezialisierung und Innovation geht es heute nicht.

«Unsere grösste ­Konkurrenz sind ­Discounter und 
Cash & Carrys.»

Es ist für die Betriebe überlebensnotwendig, dass sie ihr Angebot immer wieder überdenken und sich mit einem professionellen Lieferdienst und Service sowie mit kundenfreundlichen Angeboten rund um die Branche wie Degustationen, Kurse und Workshops als Nischenplayer von den Grossverteilern und Discountern abheben», betont Brülisauer. Ebenso sei es schwierig, das geeignete Personal zu finden, bzw. Leute, die sich der Herausforderung der schweren körperlichen Arbeit stellten.

Schutz der Mehrweggebinde

Abheben von den Mitbewerbern können sich die Getränkehändler mit dem vielfältigen Angebot der Mehrweggebinde. Diese Produkte in Glasflaschen oder im Fass haben den Vorteil, dass sie retour genommen und dann wieder gefüllt werden können. «Wir haben dieses Jahr beschlossen, mit einer Kampagne Mehrweggebinde zu fördern. Zurzeit arbeiten wir an Lösungen, wie wir Mehrweggebinde, die für unsere Betriebe überlebensnotwendig sind, schützen können», konkretisiert Brülisauer. Ziel der Kampagne sei es, den Konsumenten mit dieser Thematik auf den Getränkespezialisten und seine Vorzüge aufmerksam zu machen. «Ökonomisch gesehen, sorgen Mehrweggebinde für Kundenbindungen. Zudem sind sie ein klares Statement für Nachhaltigkeit und Qualität in der Branche», hält Brülisauer fest.

Apropos Qualität – die Mitgliedschaft im VSG/ASDB hat die Funktion eines Qualitätslabels. Auch vor den Getränkegrossisten hat der starke Franken nicht haltgemacht. «Mitglieder in grenznahen Regionen bekommen dies in Form des Einkaufstourismus ziemlich zu spüren», sagt Brülisauer. Der Preisaufschlag eines Produzenten hingegen, wie beispielsweise vor einem Jahr Coca Cola, beeinflusse die Branche weniger, solange er in allen Kanälen erfolge. «Wir geben diese Preiserhöhung dem Kunden weiter, einzige Auswirkung sind vermehrte Direktimporte», so Brülisauer. Er stellt den Mitgliedern bezüglich Potenzial ein gutes Zeugnis aus: «Solange unsere Mitglieder strategisch gut ausgerichtet sind und eine starke Nischenpolitik betrieben, haben sie grosse Überlebenschancen. Wir tun alles im Verband, um sie mit optimalen Rahmenbedingungen zu unterstützen.» Corinne Remund