Publiziert am: 23.03.2018

Schafft Macri die Trendwende?

ARGENTINIEN – Einst war das grosse Land im Süden reich. Gründe waren eine liberale Wirtschaftspolitik, Freihandel und die Absenz von Zöllen. Heute kämpft Argentinien um Wohlstand.

Vor 100 Jahren war Argentinien noch das siebtreichste Land der Welt. Die Hauptstadt, Buenos Aires, glänzte mit Villen, Palästen und Boulevards. Die Restaurants und Cafés waren proppenvoll. Die gleiche Stadt ist heute Zeuge dieser Vergangenheit. Alles, was einmal war, steht immer noch herum – in einem oft jämmerlichen Zustand.

Denn in den 1920er-Jahren setzte ein stetiger Abstieg Argentiniens ein. Schwacher Trost, dass dieser Abstieg vom südamerikanischen Rivalen begleitet wurde. Fakt ist: Immer populistischer wurden die Regierungen, immer mehr Abschottung wurde betrieben. Das endgültige Aus jeglicher wirtschaftlicher Entwicklung kam mit dem Peronismo und setzte sich im Kirchnerismo fort. Der aktuelle Staatspräsident Mauricio Macri versucht gerade diese Systeme rückgängig zu machen. Einfach ist diese Aufgabe nicht.

Peron und Kirchner

Als Juan Peron im Jahr 1946 die Macht am Plata-Fluss übernahm, fing er an, ein eigenwilliges wirtschaftspolitisches System einzuführen. Um Arbeit für alle zu garantieren, enteignete er sogenannte Kernindustrien. Um die Entwicklung des Landes anzukurbeln, versuchte er, sämtliche Ein- und Ausfuhren zu verhindern. Der Peronismus blieb trotz den vielen politischen Umwälzungen als wirtschaftspolitisches Programm bestehen.

Seine stärkste Ausprägung erlebte der Personismus in seinem aktuellen Kleid, dem Kirchnerismus: Sowohl Néstor Kirchner als auch seine Ehefrau und Amtsnachfolgerin Cristina verfolgten als Präsidenten das Ziel der wirtschaftlichen Autarkie. Ihre Instrumente waren die Gängelung der Wirtschaft, Import- und Devisenkontrollen, Preisdiktate und Zwangsverstaatlichungen.

Macris harter Kampf

Im Jahr 2015 wurde der Unternehmer Mauricio Macri zum Präsidenten gewählt. Der Wirtschaftsliberale setzte sofort Zeichen: Als erste Amtshandlung hob seine Regierung die Restriktionen beim Handel mit Devisen auf. Dies führte zu einer Abwertung des argentinischen Peso von etwa 35 Prozent, ohne jedoch einen übermässigen Druck auf die Devisenkurse auszulösen. Seitdem versucht die Regierung, Regulierungen abzubauen, die Wirtschaft zu befreien, Staatsunternehmen zu privatisieren und Ein- sowie Ausfuhrzölle zu eliminieren.

Denn die Regierung Macri ist bisher überzeugt: Es ist der Freihandel, der Argentinien einst reich machte. Und es ist der Freihandel, der Argentinien zurück zum Wohlstand führen soll.

Im Jahr 1816 wurde Argentinien ­unabhängig. In einer ihrer ersten Verfassungen verzichtete das Land auf alle Import- und Exportbarrieren sowie auf sämtliche Zölle. Der Erfolg war grandios. Trotz politischen Turbulenzen wurde das Land zu einem grossen Fleischexporteur; eine breite Mittelschicht bildete sich, und dank billiger Importe wurden Industrie­güter ins Land gebracht.

Aus der Geschichte lernen

Ab ca. 1850 und bis ca. 1925 war die Lebenserwartung in Argentinien höher als die in Spanien, Italien oder den USA. In Argentinien gab es mehr Telefone und Autos als in allen übrigen Ländern Südamerikas zusammen. Wegen der absoluten Absenz von Zöllen war selbst die kleine lokale Industrie extrem effizient. Ob es Macri gelingen wird, den alten Glanz mit Liberalisierungen zurückzuholen, bleibt vorerst offen. Zwar ist er viel erfolgreicher als seine Kritiker ihm zutrauten. Aber er ist auch viel langsamer, als er es selber verkündet hat. Ob ein Land nach 80 Jahren Peronismo zurück zum liberalen Wohlstand kehren kann? Das bleibt zu beobachten.Sc