Publiziert am: 02.06.2017

Schnell und einfach Talente finden

REKRUTIERUNG LERNENDE – Die Anzahl besetzter Lehrstellen variiert von Branche zu Branche stark. Innovative Strategien und ­Angebote sollen die Lehrstellenrekrutierung dynamisieren. Viele Branchen suchen ihr Glück in den sozialen Medien.

Viele Lehrstellen mit Beginn in diesem Herbst sind noch frei. Dies wird bei einem Klick auf die gängigen Lehrstellenportale ersichtlich. Auf berufsberatung.ch werden noch über 16 000 freie Lehrstellen ausgewiesen. In den Branchen zeigen sich aber grosse Unterschiede. Ein Blick in die aktuelle LENA-Statistik des Kantons Aargau beispielsweise zeigt, dass total zwar noch fast jede fünfte Lehrstelle nicht besetzt werden konnte. Während aber von über 600 KV-Lehrstellen nur noch ein paar wenige zu vergeben sind, ist auf dem Bau noch jede zweite Lehrstelle frei. Dies kann laut Vera Steinmann, Leiterin Berufswerbung beim Schweizerischen Baumeisterverband SBV, verschiedene Gründe haben. «Lehrstellenplattformen und Stellenportale zeigen nicht das ‹wahre Bild›, die Situation ist schwer messbar.» Genaue Erhebungen würden deshalb fehlen. «Wir haben aber ein Überangebot an Lehrstellen», stellt Steinmann fest. Dies sei auf die aktuell geburtenschwachen Jahrgänge, bessere Qualität in der Rekrutierung und dem allgemeinen Trend von weniger Interesse an handwerklichen Berufen zurückzuführen. Gerade bei der Rekrutierung sei es wichtig, die richtigen Leute zu finden: «Es bleibt lieber eine Lehrstelle unbesetzt, als dass der Lehrvertrag wieder aufgelöst wird», so Steinmann.

Digital, aber nicht «zu cool»

Damit die Lehrstellen optimal besetzt werden können, versuchen die Branchenverbände zunehmend die jungen Leute dort abzuholen, wo sich diese am meisten tummeln, «sprich online, in Social Media und bei der Ausübung von Hobbies», präzisiert Vera Steinmann. Nicht ausser Acht lassen dürfe man die sogenannten «Beeinflusser» der Jugendlichen. Das sind die Eltern, Lehrpersonen und Berufsberater. Betreffend Social Media ist auch der SBV aktiver geworden und hat seine Strategie kontinuierlich ausgebaut. «Einfach und schnell» soll es auf der Webseite bauberufe.ch gehen, welche bis Ende Sommer überarbeitet wird. Die Kommunikation müsse laut Steinmann aber seriös bleiben und dürfe nicht «zu cool» ausfallen, denn «die jungen Leute wollen ernst genommen werden». Im Herbst wird der SBV eine Youtube-Web-Serie lancieren, die sich «Die Bauhelden» nennt. Auch hier mit dem Ziel, Jugendliche direkt auf den beliebten Kanälen abzuholen.

Einfacher Kandidatenvergleich

Mit den immer grösseren Möglichkeiten der Digitalisierung bleiben auch Innovationen nicht aus. Ein relativ neuer Player ist Dualoo, eine HR-Cloud Software speziell für KMU. Unternehmen mit beschränkten Ressourcen können mit Hilfe von Dualoo viel Zeit im Rekrutierungsprozess sparen und zeitgleich die Qualität steigern. Laut Tamara Gätzi, Mitgründerin von Dualoo, kann der gesamte Rekrutierungsprozess mittels Software abgebildet werden. Also vom Bewerbungseingang über Schnupperlehre, Vorstellungsgespräch bis zu einer Zu- oder Absage. So gelinge es auch KMU «die besten Talente schnell zu erkennen und den administrativen Aufwand auf ein Minimum zu reduzieren». Ein weiteres Plus: «Die Bewerbenden erhalten zuverlässig und schnell eine Antwort auf ihre Bewerbung», sagt Gätzi. Besonders innovativ sei die Abbildung des in der Praxis gelebten Rekrutierungsprozesses in einer einfachen Software. Die Profile der verschiedenen Bewerber werden auswertbar gemacht. «All diese Erkenntnisse fliessen in den Matching-Index, welcher einen echten Vergleich der Kandidaten nach individuellen Kriterien ermöglicht.» Die Digitalisierung der Lehrstellensuche ist für Tamara Gätzi ein logischer Schritt. «Die Jugendlichen bewegen sich sowieso leicht in der digitalen Welt, und die Lehrstellensuche ist zumindest in der Jobausschreibung schon sehr digital.»

Dank modernen digitalen Hilfsmitteln wie Dualoo sollen in Zukunft KMU optimal unterstützt werden, einfacher die geeigneten Kandidaten finden zu können. Eine Win-win-Situation, denn auch die Jugendlichen profitieren vom schnellen Prozess und gewinnen einen positiven ersten Eindruck vom Ausbildungsbetrieb.

Adrian Uhlmann