Publiziert am: 06.09.2019

«Schweizer KMU sind sehr willkommen»

Alexander Turchin – Der erster stellvertretende Ministerpräsident von Belarus über die Bedeutung seines Landes im internationalen Kontext – und mögliche Chancen für Schweizer Unternehmen.

 

Schweizerische Gewerbezeitung: Wie wird die Entwicklung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Belarus gefördert?

Alexander Turchin: Belarus bietet zum gegenwärtigen Zeitpunkt grosse Möglichkeiten für die Entwicklung der unternehmerischen Tätigkeit. Jeder, der es möchte, kann eine eigene Geschäftstätigkeit aufgrund einer Antragstellung aufnehmen. Der Staat bietet dabei beratende Unterstützung, ist aber auch behilflich bei der Vermittlung von Produktionsstätten und entsprechendem Gelände für die Eröffnung oder Erweiterung eines privaten Unternehmens. Exportorientierte Projekte bzw. solche, die Importwaren ersetzen, können sogar mit finanzieller Unterstützung des Staates rechnen.

In Belarus gibt es ein Netz von Infrastrukturträgern, welche zum Ziel haben junge, soeben erst ihre Arbeit beginnende Unternehmen im Bereich Information und Methodik zu unterstützen, sowie behilflich zu sein bei der Wahl des Standortes, bei der Suche nach Businesspartnern und der Herstellung von Kooperations- und Subkooperationskontakten sowie beim Zugang zu finanziellen und materiell-technischen Ressourcen.

Um den unternehmerischen Sektor in der Republik zu entwickeln, wirken – mit Erfolg – diverse Präfenzbedingungen. So sind Handelsgesellschaften und private Unternehmer, welche in kleinen und mittleren Ortschaften tätig sind – im Unterschied zu Unternehmern, welche in grossen Städten tätig sind – während der ersten sieben Jahre seit der Registrierung von der Steuer auf Gewinne des Unternehmens bzw. der Einkommenssteuer (für Privatunternehmer), sowie anderen Steuern und Gebühren befreit.

Für Wirtschaftssubjekte, welche Projekte im Rahmen von bereits geschlossenen Investitionsverträgen umsetzen, gibt es noch weiter gehende Ermässigungen und Vorzugsbedingungen: Befreiung von diversen Steuerzahlungen, Zollgebühren und der Mehrwertsteuer auf technische Geräte und Maschinen, welche eingeführt werden zum Zweck der Erfüllung der erwähnten Verträge.

Was macht die Republik Belarus für Schweizer KMU interessant?

Will man die belarussische Wirtschaft beschreiben, so muss man ihre Diversifizierung, Transparenz und Integration ins System des internationalen Handels hervorheben. Der Anteil des Exports am BIP macht ca. 70 Prozent aus.

Die Industrie der Republik Belarus stellt den grössten Wirtschaftszweig dar und ist ökonomisches Flaggschiff des Landes. Im weltweiten Rating der Länder hinsichtlich der Konkurrenzfähigkeit der Industrie, nimmt die Republik Belarus den 45. Platz ein und überholt damit mit grossem Abstand andere GUS-Länder, mit Ausnahme der Russischen Föderation. Unser Land bildet den Transport- und Logistik-Hub der eurasischen Region und befindet sich im Zentrum des Wirtschaftsgürtels der Seidenstrasse.

Die Positionierung des eigenen Business auf belarussischem Gebiet erlaubt es den Unternehmen, die am schnellsten wachsenden Absatzmärkte der EU-Länder und der GUS-Mitgliedsländer zu erreichen. Mit der Gründung der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft kann man von einer Erweiterung unserer Grenzen und der Marktmöglichkeiten auf mehr als 180 Millionen Konsumenten sprechen.

Ein durchaus wichtiges Moment stellt die Offenheit der Belarus für die Aussenwelt dar. In Belarus gilt die Verfügung des Präsidenten über einen 30-tägigen visafreien Aufenthalt zum Zweck geschäftlicher Zusammenarbeit.

Das Interesse für die Republik Belarus bestätigt eine beachtliche Anzahl von Firmen mit schweizerischem Kapital, die in Belarus tätig sind. Zum jetztigen Zeitpunkt sind es mehr als 100 Unternehmen. Das bedeutendste Beispiel ist das Unternehmen «Stadler Minsk», das schon seit mehr als fünf Jahren seine Züge in Belarus baut.

Eine Zusammenarbeit mit Perspektive könnte sich im Bereich der Verarbeitung von Holzrohstoffen entwickeln. Es ist eine umfassende Modernisierung der holzverarbeitenden Betriebe durchgeführt worden, und es wurden neue Verarbeitungskapazitäten geschaffen, die eine effiziente und abfallarme Verarbeitung des Holzes ermöglichen.

Schweizerische Unternehmen haben die Möglichkeit bei der Umsetzung ihrer Businessprojekte die Vorteile der Sonderwirtschaftszone «Bremino Orsha» zu nutzen. Es handelt sich dabei um eine multimodale logistische Plattform für die Arbeit mit Waren im Transit und auch für die Produktion, Montage oder Reparatur verschiedener Gebrauchsgüter sowie Präsentation und Vorbereitung des Zugangs zu den Märkten der EU und der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft EAWG.

Die eigenen Geschäftsideen erfolgreich umsetzen kann man auch im Industriepark «Great Stone», welcher seinen Residenten Vorzugsbedingungen für ihre Tätigkeit, Ermässigungen bei der Steuer auf Unternehmensgewinne, der Mehrwertsteuer und der Grunderwerbssteuer sowie die Befreiung von Zollgebühren bietet.

Welche Rolle soll Belarus bei der neuen «Seidenstrasse» einnehmen?

Die geopolitische Lage unseres Staates zwischen zwei grossen integrativen Bündnissen: der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Europäischen Union, eine gut entwickelte Transportinfrastruktur und die gegenwärtig im Entstehen begriffenen logistischen Netzwerke werden es uns erlauben, einen der wesentlichen Knotenpunkte der neuen «Seidenstrasse» in der eurasischen Region zu bilden.

Die Beteiligung der Belarus am Wirtschaftsgürtel der Seidenstrasse wird der weiteren Verbreitung der Bezeichnung «Made in Belarus» auf den Weltmärkten förderlich sein, und ebenso der Eingliederung unserer Unternehmen in die weltweiten Produktionsketten in Kooperation mit chinesischen Partnern.

Ein herausragendes Beispiel der Umsetzung der Initiative «One Belt, One Road» bildet das bereits erwähnte gemeinsame Projekt mit China: der Industriepark «Great Stone».

Der Belarus High Technologies Park (HTP) gilt als das Silicon Valley von Osteuropa und ist in der IT-Branche global hoch angesehen.

Welche Rahmenbedingungen haben diese Positionierung möglich gemacht?

Ich würde nicht von Rahmenbedingungen sprechen. Das eindrückliche Bild, das heute der Hochtechnologiepark bietet, sein Status und seine Wahrnehmung in der Welt beruhen auf zwei wesentlichen Grundbedingungen.

Die erste Grundbedingung: Das menschliche Kapital. In Belarus sind die STEM fields traditionell stark. Unsere Mathematiker und Physiker kennt man in der Welt, und die als Erbe der UdSSR bei uns vorhandenen Produktionsstätten und die Elektronikindustrie machten es möglich, dass sich gut ausgebildete Ingenieure in den IT-Bereich problemlos einfügten.

Die zweite, nicht minder wichtige Grundbedingung: Die gesetzliche Regelung des rechtlichen Umfelds speziell mit Blick auf die Bedürfnisse des IT-Sektors. Das revolutionäre Dekret unseres Staatsoberhaupts, die digitale Transformation unserer Wirtschaft betreffend, wurde unter Bedingungen vorbereitet und angenommen, die für Belarus sehr ungewöhnlich sind. Dieses Dekret schrieben nämlich nicht Staatsbeamte, zu deren Aufgaben es gehört, Rechtsnormen für diesen Bereich zu erlassen, sondern Personen, die unmittelbar in diesem Industriebereich tätig sind. Dem Dokument liegen Vorschläge der Verantwortlichen unseres Hochtechnologieparks und erfolgreicher IT-Firmen sowie fortschrittliches juristisches Denken zugrunde.

Der belarussische Präsident betonte in einem seiner Interviews, dass dieses Dekret das Werk der gesamten IT-Branche sei. Deshalb ist dieses Dokument durch das Staatsoberhaupt erst nach persönlichem Zusammentreffen mit den IT-Spezialisten, die es ausgearbeitet hatten, unterzeichnet worden.

Es ist also eine «Legierung» aus meschlichem Kapital, moderner Rechtskunde und dem Interesse des Staates für den IT-Bereich, die es ermöglichte, ein sogar im Weltmassstab erfolgreiches Projekt, den Hochtechnologiepark, zu realisieren.

Wie erreicht das Land seine hohe Zahl an hochqualifiziertem Personal in der IT-Branche?

Das Bildungssystem der Republik Belarus entlässt jedes Jahr circa 15›000 Fachleute im Bereich der MINT-Fächer. Davon sind ungefähr ein Drittel fertige Software-Entwickler. Das ist jedoch nicht die einzige Quelle, aus der die IT-Branche ihre Spezialisten bezieht. Für den Hochtechnologiepark und die dort ansässigen Firmen besteht die Möglichkeit, in einem vereinfachten Verfahren Professionals aus dem Ausland zu rekrutieren. Viele junge Menschen in Belarus kommen in Kontakt mit dem Programmieren durch entsprechende Kurse und Ausbildungszentren.

Dabei übersteigt die Nachfrage nach professionellen Entwicklern immer noch das Angebot. Ein Beispiel: nur im vergangenen Jahr stellte der HTP über 13›000 neue Mitarbeiter ein, was notabene einen Zuwachs von 30 Prozent ausmacht. Im laufenden Jahr gibt es die gleiche Dynamik. Aus diesem Grund beschäftigt sich sowohl der Park als auch die Regierung intensiv mit der Frage der Bereitstellung qualifizierter Spezialisten für die IT-Branche. Es werden verschiedene Varianten geprüft, wir sind aber auch offen, die Erfahrungen des Auslands bezüglich der Bereitstellung von Fachkräften für den Bedarf der digitalen Wirtschaft zu nutzen.

Interview: Adrian Uhlmann

Bild: Turchin

Alexander Turchin.Bild: zVg

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Schweizerische Gewerbezeitung: Wie wird die Entwicklung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Belarus gefördert?

Alexander Turchin: Belarus bietet zum gegenwärtigen Zeitpunkt grosse Möglichkeiten für die Entwicklung der unternehmerischen Tätigkeit. Jeder, der es möchte, kann eine eigene Geschäftstätigkeit aufgrund einer Antragstellung aufnehmen. Der Staat bietet dabei beratende Unterstützung, ist aber auch behilflich bei der Vermittlung von Produktionsstätten und entsprechendem Gelände für die Eröffnung oder Erweiterung eines privaten Unternehmens. Exportorientierte Projekte bzw. solche, die Importwaren ersetzen, können sogar mit finanzieller Unterstützung des Staates rechnen.

In Belarus gibt es ein Netz von Infrastrukturträgern, welche zum Ziel haben, junge, soeben erst ihre Arbeit beginnende Unternehmen im Bereich Information und Methodik zu unterstützen sowie behilflich zu sein bei der Wahl des Standortes, bei der Suche nach Businesspartnern und der Herstellung von Kooperations- und Subkooperationskontakten sowie beim Zugang zu finanziellen und materiell-technischen Ressourcen.

Um den unternehmerischen Sektor in der Republik zu entwickeln, wirken – mit Erfolg – diverse Präferenzbedingungen. So sind Handelsgesellschaften und private Unternehmer, welche in kleinen und mittleren Ortschaften tätig sind – im Unterschied zu Unternehmern, welche in grossen Städten tätig sind – während der ersten sieben Jahre seit der Registrierung von der Steuer auf Gewinne des Unternehmens bzw. der Einkommenssteuer (für Privatunternehmer) sowie anderen Steuern und Gebühren befreit.

Für Wirtschaftssubjekte, welche Projekte im Rahmen von bereits geschlossenen Investitionsverträgen umsetzen, gibt es noch weitergehende Ermässigungen und Vorzugsbedingungen: Befreiung von diversen Steuerzahlungen, Zollgebühren und der Mehrwertsteuer auf technische Geräte und Maschinen, welche eingeführt werden zum Zweck der Erfüllung der erwähnten Verträge.

Was macht die Republik Belarus für Schweizer KMU interessant?

Will man die belarussische Wirtschaft beschreiben, so muss man ihre Diversifizierung, Transparenz und Integration ins System des internationalen Handels hervorheben. Der Anteil des Exports am BIP macht ca. 70 Prozent aus.

Die Industrie der Republik Belarus stellt den grössten Wirtschaftszweig dar und ist ökonomisches Flaggschiff des Landes. Im weltweiten Rating der Länder hinsichtlich der Konkurrenzfähigkeit der Industrie nimmt die Republik Belarus den ­45. Platz ein und überholt damit mit grossem Abstand andere GUS-Länder, mit Ausnahme der Russischen Föderation. Unser Land bildet den Transport- und Logistik-Hub der eurasischen Region und befindet sich im Zentrum des Wirtschaftsgürtels der Seidenstrasse.

Die Positionierung des eigenen Business auf belarussischem Gebiet erlaubt es den Unternehmen, die am schnellsten wachsenden Absatzmärkte der EU-Länder und der GUS-Mitgliedsländer zu erreichen. Mit der Gründung der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft kann man von einer Erweiterung unserer Grenzen und der Marktmöglichkeiten auf mehr als 180 Millionen Konsumenten sprechen.

Ein durchaus wichtiges Moment stellt die Offenheit der Belarus für die Aussenwelt dar. In Belarus gilt die Verfügung des Präsidenten über einen 30-tägigen visafreien Aufenthalt zum Zweck geschäftlicher Zusammenarbeit.

Das Interesse für die Republik Belarus bestätigt eine beachtliche Anzahl von Firmen mit schweizerischem Kapital, die in Belarus tätig sind. Zum jetzigen Zeitpunkt sind es mehr als 100 Unternehmen. Das bedeutendste Beispiel ist das Unternehmen Stadler Minsk, das schon seit mehr als fünf Jahren seine Züge in Belarus baut.

Eine Zusammenarbeit mit Perspektive könnte sich im Bereich der Verarbeitung von Holzrohstoffen entwickeln. Es ist eine umfassende Modernisierung der holzverarbeitenden Betriebe durchgeführt worden, und es wurden neue Verarbeitungskapazitäten geschaffen, die eine effiziente und abfallarme Verarbeitung des Holzes ermöglichen.

Schweizerische Unternehmen haben die Möglichkeit, bei der Umsetzung ihrer Businessprojekte die Vorteile der Sonderwirtschaftszone «Bremino Orsha» zu nutzen. Es handelt sich dabei um eine multimodale logistische Plattform für die Arbeit mit Waren im Transit und auch für die Produktion, Montage oder Reparatur verschiedener Gebrauchsgüter sowie Präsentation und Vorbereitung des Zugangs zu den Märkten der EU und der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft EAWG.

Die eigenen Geschäftsideen erfolgreich umsetzen kann man auch im Industriepark Great Stone, welcher seinen Residenten Vorzugsbedingungen für ihre Tätigkeit, Ermässigungen bei der Steuer auf Unternehmensgewinne, der Mehrwertsteuer und der Grunderwerbssteuer sowie die Befreiung von Zollgebühren ­bietet.

Welche Rolle soll Belarus bei der neuen «Seidenstrasse» einnehmen?

Die geopolitische Lage unseres Staates zwischen zwei grossen integrativen Bündnissen: der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Europäischen Union, eine gut entwickelte Transportinfrastruktur und die gegenwärtig im Entstehen begriffenen logistischen Netzwerke werden es uns erlauben, einen der wesentlichen Knotenpunkte der neuen «Seidenstrasse» in der eurasischen Region zu bilden.

Die Beteiligung der Belarus am Wirtschaftsgürtel der Seidenstrasse wird der weiteren Verbreitung der Bezeichnung «Made in Belarus» auf den Weltmärkten förderlich sein, und ebenso der Eingliederung unserer Unternehmen in die weltweiten Produktionsketten in Kooperation mit chinesischen Partnern.

Ein herausragendes Beispiel der Umsetzung der Initiative «One Belt, One Road» bildet das bereits erwähnte gemeinsame Projekt mit China: der Industriepark Great Stone.

Der Belarus High Technologies Park (HTP) gilt als das Silicon Valley von Osteuropa und ist in der IT-Branche global hoch angesehen.

Welche Rahmenbedingungen haben diese Positionierung möglich gemacht?

Ich würde nicht von Rahmenbedingungen sprechen. Das eindrückliche Bild, das heute der Hochtechnologiepark bietet, sein Status und seine Wahrnehmung in der Welt beruhen auf zwei wesentlichen Grundbedingungen.

Die erste Grundbedingung: das menschliche Kapital. In Belarus sind die STEM fields traditionell stark. Unsere Mathematiker und Physiker kennt man in der Welt, und die als Erbe der UdSSR bei uns vorhandenen Produktionsstätten und die Elektronikindustrie machten es möglich, dass sich gut ausgebildete Ingenieure in den IT-Bereich problemlos einfügten.

Die zweite, nicht minder wichtige Grundbedingung: die gesetzliche Regelung des rechtlichen Umfelds speziell mit Blick auf die Bedürfnisse des IT-Sektors. Das revolutionäre Dekret unseres Staatsoberhaupts, die digitale Transformation unserer Wirtschaft betreffend, wurde unter Bedingungen vorbereitet und angenommen, die für Belarus sehr ungewöhnlich sind. Dieses Dekret schrieben nämlich nicht Staatsbeamte, zu deren Aufgaben es gehört, Rechtsnormen für diesen Bereich zu erlassen, sondern Personen, die unmittelbar in diesem Industriebereich ­tätig sind. Dem Dokument liegen Vorschläge der Verantwortlichen unseres Hochtechnologieparks und erfolgreicher IT-Firmen sowie fortschrittliches juristisches Denken zugrunde.

Der belarussische Präsident betonte in einem seiner Interviews, dass dieses Dekret das Werk der gesamten IT-Branche sei. Deshalb ist dieses Dokument durch das Staatsoberhaupt erst nach persönlichem Zusammentreffen mit den IT-Spezialisten, die es ausgearbeitet hatten, unterzeichnet worden.

Es ist also eine «Legierung» aus menschlichem Kapital, moderner Rechtskunde und dem Interesse des Staates für den IT-Bereich, die es ­ermöglichte, ein sogar im Weltmassstab erfolgreiches Projekt, den Hochtechnologiepark, zu realisieren.

Wie erreicht das Land seine hohe Zahl an hochqualifiziertem Personal in der IT-Branche?

Das Bildungssystem der Republik Belarus entlässt jedes Jahr circa 15 000 Fachleute im Bereich der MINT-Fächer. Davon sind ungefähr ein Drittel fertige Software-Entwickler. Das ist jedoch nicht die einzige Quelle, aus der die IT-Branche ihre Spezialisten bezieht. Für den Hochtechnologiepark und die dort ansässigen Firmen besteht die Möglichkeit, in einem vereinfachten Verfahren Professionals aus dem Ausland zu rekrutieren. Viele junge Menschen in Belarus kommen in Kontakt mit dem Programmieren durch entsprechende Kurse und Ausbildungszentren.

Dabei übersteigt die Nachfrage nach professionellen Entwicklern immer noch das Angebot. Ein Beispiel: Nur im vergangenen Jahr stellte der HTP über 13 000 neue Mitarbeiter ein, was notabene einen Zuwachs von 30 Prozent ausmacht. Im laufenden Jahr gibt es die gleiche Dynamik. Aus diesem Grund beschäftigt sich sowohl der Park als auch die Regierung intensiv mit der Frage der Bereitstellung qualifizierter Spezialisten für die IT-Branche. Es werden verschiedene Varianten geprüft, wir sind aber auch offen, die Erfahrungen des Auslands bezüglich der Bereitstellung von Fachkräften für den Bedarf der digitalen Wirtschaft zu nutzen.

Interview:

Adrian Uhlmann

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