Publiziert am: Freitag, 19. September 2014

Schweizer Kreation rollt um die Welt

MICRO MOBILITY SYSTEMS AG – Das KMU hat sich mit 300 Mobilitätsprodukten als Marktführer im Premiumsegment positioniert. Dank Innovation, Nachhaltigkeit und Qualität behauptet sich die Küsnachter Firma auch auf dem internationalen Parkett.

Was in den Neunzigerjahren als Riesenboom begann, gehört heute für Gross und Klein weltweit zum ganz normalen Mobilitätsalltag. Der Micro Scooter – oder auch das Kickboard – hat sich vom Hype-Produkt zum wichtigen Begleiter für verschiedene Ansprechgruppen etabliert. «Von dieser Mikromobilität können auch KMU profitieren. Auf einem grösseren Firmengelände kann ein Micro Scooter eine einfache Rationalisierungsmassnahme sein und das sogenannte Spaziergeld beim Hin- und Hergehen zwischen den verschiedenen Arbeitsplätzen einsparen», erklärt Wim Ouboter. Der erfinderische Unternehmer hatte diese Mobilitätsidee nämlich als er in Amerika täglich viele Kilometer zwischen Büro und Spedition zurücklegte. Er entwickelte einen Prototyp und der erste zusammenklappbare Micro Scooter war geboren. 1996 gründete er seine Firma in Küsnacht und machte seinen Scooter zum Trendprodukt der Jahrhundertwende. Ein erster Meilenstein dieser Erfolgsgeschichte wurde im Jahr 2000 gelegt: «Damals verkauften wir täglich 80 000 Stück in über 80 Länder. Dies waren pro Tag 20 Sattelschlepper gefüllt mit Scooter.»

«Das Mobilitäts- und Familienerlebnis steht bei unseren Produkten im 
Mittelpunkt.»

Inzwischen bietet die Firma «Micro» über 300 Produkte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an und hat sich eine gute Position auf dem Weltmarkt gesichert. «Wir produzieren Geräte rund um die totale Mobilität für alle Altersgruppen von 1 bis 80 plus», erklärt Ouboter. Bei all seinen benutzerfreundlichen Fortbewegungsmitteln steht das Mobilitäts- und Familienerlebnis im Mittelpunkt. «Kinder ab 12 Monaten können sich in der Motorik üben und Schüler ­bewältigen damit ohne elterlichen Taxisdienst ihren Schulweg», sagt Ouboter. Besonders freut es den versierten Unternehmer, dass mit dem «Freestyle Scooter» eine neue für jedermann erschwingliche Sportart entstanden ist. «Wir haben zehn professionelle Fahrer, die an Wettkämpfen teilnehmen.» Mit «Smart Travel Solution» – einem Koffer mit integriertem Kickboard – erobert «Micro» die Reisegepäckbranche. Ein Geniestreich ist hier der Trolly für das Schweizer Militär.

«Keine Angst vor dem Scheitern, sondern Mut zu Innovationen.»

In den verschiedenen «Micro»-Produkten steckt Qualität verbunden mit ­Sicherheit und Nachhaltigkeit sowie einer grossen Prise Innovation. «Wir produzieren sichere und langlebige Geräte, die man jederzeit bei uns in der Werkstatt reparieren oder auffrischen lassen kann. «Unter Nachhaltigkeit versteht Ouboter auch, das Geld lieber in Innovationen und Erfindungen als in Patent-Rechtsstreits zu investieren. Neue Ideen gäbe es allerdings viele – hier sei es wichtig, massvoll mit einer guten Spürnase neue Einfälle umzusetzen. «Ausschlaggebend bei einer Erfindung ist, ob der Konsument bereit ist, dafür einen bestimmten Preis zu zahlen. Kann man diese Frage mit nein beantworten, ist die Idee vom Tisch», so der erfahrene Kreator. Wichtig sei auch ein früher Kontakt mit den Spezialisten in der Produktion. «So sieht man schnell was möglich und was nicht geht.» Ouboter ist nicht nur ein guter Ideenlieferant, sondern auch ein voraussichtiger Geschäftsmann. Dies zeigt wie souverän er die Krise, als der Absatz aufgrund zahlreicher Kopie-Produkte Mitte 2000 bedrohlich einsackte, gemeistert hat. «Man muss immer Rückstellungen machen, die Bodenhaftung nicht verlieren und das kalkulierbare Risiko miteinbeziehen», so sein Erfolgsrezept. In der Krise sollte man die Zeit nutzen, sich weiterentwickeln und ein neues Feld mit neuen Produkten betreiben. «Keine Angst vor dem Scheitern, sondern Mut zu Innovationen haben», empfiehlt Ouboter.

«Unsere Marke ist der Orientierungspunkt für unsere Konsumenten.»

«Micro» generiert einen jährlichen Gruppenumsatz von 50 Millionen Franken. Das KMU beschäftigt in der Schweiz, China, Deutschland und Frankreich 50 Mitarbeitende, gesamthaft inklusive Outsourcing, Produk­tion und Läden arbeiten 800 bis 
1000 Leute für das Unternehmen. Die grösste Herausforderung für das im Export tätige KMU ist die Logistik mit drei verschiedenen Produktionsstandorten. Ein wichtiger Punkt in der Firmenphilosophie sind die Mitarbeitenden «Unsere Marke ist der Orientierungspunkt für unsere Konsumenten. Alle unsere Mitarbeiter leben die Leidenschaft für unsere Produkte und übertragen mit ihrem grossen Einsatz diesen Funken auf die Konsumenten und sind so ein Teil unserer Marke», sagt der Querdenker, der im Wirtschaftsmagazin Cash mit den berühmten Unternehmern Gottlieb Duttwiler, Martin Ebner und Nicolas Hayek in einer Zeile genannt wird. Als das Unternehmen 2012 in Nürnberg den Toy Award für das beste Spielzeug gewonnen habe, hätte dies eine Welle der Motivation und der Inspiration ausgelöst. Dieser Teamgedanke sei ein zentrales Element der Firmenkultur und garantiere eine geringe Fluktuation. Ebenso wichtig sei es, ein Gefühl für die Mitarbeitenden in den Exportländern zu entwickeln: «Man muss ein Gespür für die richtigen Leute entwickeln, die den Geist des Unternehmens zu den Konsumenten tragen», so Wim Outboter. Corinne Remund

URBANE MOBILITÄT

Auf dem Weltparkett präsent sein

Mit seinen Produkten verfolgt Wim Ouboter die Strategie der urbanen Mobilität, bekannt auch unter «Ultra Light Mobility ULM». «Schon vor rund 20 Jahren, als unserer Micro Scooter den Markt erobert hatte, war die urbane Mobilität ein Thema», erklärt der Küsnachter Erfinder. Dabei gehe es darum sowohl die Verkehrsinfrastruktur in Ballungszentren zu entlasten als auch den motorisierten ­Individualverkehr einzudämmen, und trotzdem möglichst rasch kürzere und längere Distanzen in der Stadt zu überwinden. «Unser Vorschlag sind die verschiedenen Modelle der Micro Scooter. Sie sind zusammenklappbar, agil, platzsparend, leicht zu tragen und dementsprechend ÖV-tauglich. Mit dieser idealen Lösung kommen wir der urbanen Mobilität etwas näher», erklärt Ouboter. Auch der französische Fahrzeughersteller Peugeot ist auf die Welle der «Totalen Mobilität» aufgesprungen. «Wir konnten zusammen mit dem weltbekannten Unternehmen eine Marketingkooperation eingehen», freut sich Ouboter. Micro präsentiert zusammen mit ­Peugeot den Hybrid-Kick – einen Elektroscooter ab 16 Jahren. Das handliche Fortbewegungsmittel ist mit 6,5 kg eines der leichtesten Fahrzeuge überhaupt und mit der patentierten Sensorik-Steuerung eine Weltneuheit. Es ist Teil des «Peugeot Conceptcars» mit Hybridantrieb, der auf dem Autosalon Paris anfangs September erstmals präsentiert wurde. «Um als KMU auf dem Weltparkett mitzumischen, muss man sich etwas einfallen lassen. Dank dieser Zusammenarbeit sind wir auf einen Schlag in den 6000 neuen Verkaufsstellen präsent», so Ouboter.

CR